Wie sieht Luxemburg im Jahr 2060 aus?

Zwischen 996.000 und 1,1 Millionen EinwohnerInnen errechnet der Statec in seinen neusten makroökonomischen Projektionen. Die woxx gibt einen Überblick.

Etwas mehr als 590.000 EinwohnerInnen zählte Luxemburg am 1. Januar 2017. Nachdem in letzter Zeit immer wieder verschiedene Zahlen im Raum standen, werden die neusten Projektionen des nationalen Statistikinstituts nicht unbedingt für mehr Klarheit sorgen, denn hier wurden gleich vier verschiedene Szenarien entwickelt. Ein Blick auf die Details lohnt sich dennoch.

Grafik: Statec

Wie werden die Projektionen erstellt?

Im Gegensatz zu anderen Modellen, die versuchen die Bevölkerungsentwicklung vorherzusagen, basiert das Statec-Modell, das den Namen „LuxGEM“ trägt, vor allem auf der Entwicklung des Bruttoinlandproduktes (BIP, in Luxemburg auch unter der französischen Abkürzung PIB bekannt). Wenn das BIP-Wachstum in Luxemburg höher ist als in den Nachbarländern, zieht das MigrantInnen und GrenzgängerInnen an, so die Arbeitshypothese des Statec. Aktuell ist Migration für 80 Prozent des Bevölkerungswachstums des Großherzogtums verantwortlich. Die demografische Entwicklung wird laut Statec also sehr stark vom BIP-Wachstum abhängen.

Es handelt sich bei dem neusten „Bulletin“ des Statec nicht um exakte Vorhersagen, sondern um Projektionen – anhand mehrerer Szenarien werden verschiedene mögliche Entwicklungen abgebildet. Dazu gibt es einmal ein Basisszenario, das bis 2030 gerechnet wurde. Dort ging der Statec von einem BIP-Wachstum von drei Prozent aus. Darauf basierend wurden vier Szenarien mit unterschiedlich hohem Wachstum errechnet, nämlich mit 0 Prozent, 1,5 Prozent, 3 Prozent und 4,5 Prozent jährlichem BIP-Wachstum. Diese verschiedenen Szenarien wurden erstellt, um der großen Unsicherheit, die solche Langzeitprojektionen beinhalten, Rechnung zu tragen. Für den Wachstum und die Produktivität der Nachbarländer wurde der „Ageing-Report“ der Europäischen Kommission herangezogen.

Wie sieht die luxemburgische Gesellschaft in Zukunft aus?

Die AutorInnen der Studie gehen davon aus, dass bis 2030 jedes Jahr 10.000 ausländische ArbeiterInnen und Angestellte mehr angezogen werden, sodass die Zahl der Beschäftigten auf 569.000 ansteigt. 2030 sollen demnach  759.000 Menschen in Luxemburg leben. Diese Zahl geht davon aus, dass der Anteil der GrenzgängerInnen bei 50 Prozent (der aktuelle Wert) der Beschäftigten liegt. Ändert sich dieser Anteil, steigt oder sinkt natürlich die Bevölkerung. Der Statec hat Varianten zwischen 33 und 66 Prozent GrenzgängerInnen ausgerechnet – die Wohnbevölkerung fluktuiert dabei um „lediglich“ 50.000 Personen.

Im Szenario mit 0 Prozent Wachstum sollen 2060 knapp unter einer Million Menschen in Luxemburg leben. Bei 1,5 Prozent sind es knapp eine Million, bei 3 Prozent beinahe 1,1 Millionen, bei 4,5 Prozent BIP-Wachstum geht der Statec von einer Bevölkerung von 1,2 Millionen aus. Das projizierte Bevölkerungswachstum ist an das BIP gekoppelt – je höher dieses ist, umso attraktiver wird es, in Luxemburg zu arbeiten. Da vor allem junge Menschen migrieren, ist in den Hochrechnungen ein hohes Wachstum mit einer jüngeren Gesellschaft verbunden. In einem 0 Prozent-Szenario wäre der Anteil der unter 15-Jährigen beispielsweise bei 14,3 Prozent, im Szenario mit dem höchsten Wachstum wären es immerhin 15,2 Prozent (aktuell sind es 16,5). Der Statec geht übrigens davon aus, dass sich die Arbeitszeit jährlich um 0,3 Prozent verkürzt, 2060 sollten also 35 Wochenstunden die Regel sein.

Grafik: Statec

 Was ist nicht in dem Modell enthalten?

Ein statistisches Modell kann nie alle Daten beinhalten. Der Statec hat keine Infrastrukturdaten in seine Projektionen einfließen lassen. Das heißt, dass die Effekte von verstopften Straßen, überfüllten Zügen oder der Preisexplosion auf dem Wohnungsmarkt nicht berücksichtigt wurden. Hohe Wohnungspreise oder schlechte Transportmöglichkeiten könnten die Lohnvorteile, die ausländische Beschäftigte nach Luxemburg ziehen, wieder verschwinden lassen. Eine gesonderte Publikation über den Wohnraumbedarf ist allerdings für 2018 geplant. Die Zahl der Menschen mit luxemburgischem Pass für 2060 hat der Statec nicht ausgerechnet – zu neu sei das Nationalitätengesetz, um eine langfristige Entwicklung berechnen zu können.

Grundsätzlich sollte man bei allen Zahlen im Hinterkopf behalten, dass es sich im Projektionen handelt und die Modelle naturgemäß nicht so komplex wie die Wirklichkeit sein können. Einen Hinweis auf mögliche Entwicklungen – und einen Anstoß zur Diskussion darüber – geben sie jedoch allemal.

Link: Statec Bulletin n° 3/2017 Projections macroéconomiques et démographiques de long terme: 2017-2060


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