Fage geht, was bleibt?

Die riesige Joghurtfabrik wird nicht gebaut. Kontext und erste Reaktionen.

Der Topf bleibt leer. (Wikimedia; François Goglins; CC BY-SA 3.0)

Bei den einen Freudengeheul, bei den anderen Klagegesang – selten hat eine betriebswirtschaftliche Ankündigung so heftige und kontrastreiche Reaktionen hervorgerufen wie die der Firma Fage, ihren Antrag zum Bau einer Joghurtfabrik zurückzuziehen. Am vergangenen Freitag hatte Fage dies entschieden und dem Wirtschaftsministerium mitgeteilt, das noch versuchte, sie umzustimmen. Am Dienstag informierte RTL über das endgültige Scheitern des Projekts – eine Information, die vom Wirtschaftsministerium bestätigt wurde.

Das Projekt war umstritten seit es der damalige Wirtschaftsminister 2016 vorgelegt hatte, Hauptkritikpunkt war der hohe Wasserverbrauch (woxx 1598: Blick über den Becherrand). Die Joghurtfabrik war zu einem symbolischen Streitobjekt geworden zwischen denen, die für die “Bewahrung eines grünen Luxemburgs” plädieren, und denen, die auf die Dringlichkeit “wirtschaftlicher Diversifizierung” pochen. Auf der Seite der Gewinner findet man Grüne und Umwelt-NGOs, aber auch CSV und ADR. Bis zuletzt für das Projekt waren Wirtschaftskreise, LSAP und DP, wobei die beiden Parteien sich angesichts des Widerstands gegen das Projekt recht vorsichtig positionierten.

99 Gründe gegen Joghurt

Gründe, aufzugeben, hatte der griechische Molkereikonzern mehr als genug. Die Fabrik hätte eigentlich schon 2018 in Betrieb gehen sollen, doch die komplizierte Kommodo-Prozedur sollte erst diesen Herbst abgeschlossen werden. Danach war, angesichts der ablehnenden Haltung des Umweltministeriums und der Gemeinde Bettemburg, mit weiteren Verzögerungen zu rechnen.

Paperjam zitiert Wirtschaftsminister Franz Fayot, der auf den Kostenpunkt für die Einhaltung der strengen Umweltauflagen verweist. Außerdem habe die Firma in den letzten Monaten um ihr Ansehen gefürchtet. Das lag wohl nicht nur am Widerstand von Teilen der Bevölkerung: Die Cour des comptes ist dabei, die Legalität des Verkaufs des Industriegeländes an Fage zu untersuchen, und die Enthüllungen von Paperjam über mögliche Steuertricks werden mittlerweile von der Staatsanwaltschaft überprüft. Generell dürften dem Familienkonzern, der auf Diskretion statt Kommunikation setzt, die öffentlichen Diskussionen darüber, wo er seine Milch kauft und seine Steuern (nicht) bezahlt, wenig geschmeckt haben.

Für oder gegen die Interessen des Landes?

Dass sie die Entscheidung von Fage begrüßten, ließen die Sprecher*innen von Déi Gréng, Djuna Bernard und Meris Šehović, unisono per Tweet wissen: Man wolle eine Ökonomie, die Ressourcen schone, lokal verankert sei und auf Kreislaufwirtschaft setze. Die grüne Umweltministerin Carole Dieschbourg zeigte sich überrascht, weil die Kommodoprozedur kurz vor dem Abschluss stand. Auf RTL sprach sie auch von Erleichterung, weil damit eine zukünftige Belastung für die natürlichen Ressourcen wegfalle.

Wirtschaftsminister Fayot drückte in einem zurückhaltenden Kommuniqué sein Bedauern aus, angesichts der Krisensituation, in der sich die nationale und europäische Wirtschaft befinde. Fedil-Präsidentin Michèle Detaille dagegen gab Paperjam ein wutgeladenes Kurzinterview, in dem sie der Umweltministerin vorwarf, mittels Machtmissbrauch das Projekt verzögert und damit gegen die Interessen des Landes gehandelt zu haben.

 

Auf weitere Reaktionen, unter anderem von den Umwelt-NGOs, werden wir in den nächsten Tagen eingehen.

 


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