2020 mit C’est Karma: Pool Partys, Schläge und starke Frauen

Die luxemburgische Musikerin Cest Karma veröffentlichte zwischen März und Oktober 2020 drei Singles. Hinter unscheinbaren Titeln verbirgt sich unter anderem eine feministische Gesellschaftskritik.

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When I started making music, I often felt alone because the entire local music scene around me was led by men“, schreibt die Musikerin C’est Karma in ihrem Blogeintrag zur Unterrepräsentation von Frauen in der Musikbranche. „I never felt like I was represented in the music industry and I lacked role models.“ Die Rolle der Frau in der Musikbranche und in der Gesellschaft ist ein Thema, das sie besonders in ihrem rezenten musikalischen Schaffen sowie in Blogeinträgen kritisch aufgreift.

In ihrer neuen Single „Pool Party“, die Anfang Oktober veröffentlicht wurde, thematisiert sie den sexualisierten Blick auf Frauenkörper. C’est Karma schreibt auf ihrem Blog über die Sommer am Badesee, in denen sie sich als Frau in Badewäsche begafft fühlt. In einem Blogeintrag zum Song bezieht sie zudem Stellung zur Debatte über den problematischen Dresscode am Diekircher Gymnasium, der die letzten Wochen landesweite Kontroversen aufgrund von Hypersexualisieurng und Frauenfeindlichkeit auslöste.

C’est Karma knüpft ihre Überlegungen zum Unwohlsein am Badesee an die Debatte über den Dresscode: It was (..) shocking to realize how much misogyny most of us still have internalized. The truth about dress codes is that, even if our headmaster tried to prove the opposite, they are mostly put into place for women. They send out the message, that women should dress up “properly”, we shall not show too much skin or dare to let our underwear peak out under our garments.Eine Attitüde, die eine Kultur der Opferbeschuldigung fördert.

Musikalisch kommt die Kritik in „Pool Party“ sanft daher. Der Text deutet die Leitmotive an, führt sie aber nicht explizit aus. Es geht um Eiscreme, um den Strand und um einen einsamen Mann, der Frauen beobachtet. Die Leichtigkeit mit der C’est Karma ein akutes gesellschaftliches Problem besingt, tut der Aussagekraft aber keinen Abbruch. Der Song gewinnt durch die Erklärungen entscheidend an Bedeutung und Komplexität.

In Fist Fight singt die Musikerin über einen anderen Kampf – nämlich den mit sich selbst, einem zwischen Instinkt und Vernunft. C’est Karma schrieb den Song nach Eigenangabe während des Lockdowns im Frühjahr – in einer Phase, in der sie viel über Gewalt und Schmerz sowie über Gewalt als Ventil nachgedacht habe. Das Ergebnis, das im September veröffentlicht wurde, unterscheidet sich stark von „Pool Party“. Die Beats und die Gitarrenriffs sind härter, der Text direkter und C’est Karmas Stimme deutlich mehr im Vordergrund.

Beide Stile vereinen sich schließlich in der Single Girl“, die die Musikerin bereits im März herausbrachte. In den Lyrics heißt es: „This is the ode to Frida Kahlo. This is the ode to the shadow and the flowers. This is the ode to Yayoi Kusama. This is a love song for you.“ Diese Hommage ist auch ein Aufruf an alle Menschen, die sich nach mehr sehnen, die sich selbst nicht genug sind und ihren Kaffee kalt werden lassen, weiterzumachen und sich nicht unterkriegen zu lassen. Die drei Singles werden von kunstvoll gestalteten Videos begleitet, die für sich allein schon einen Klick wert sind.

Wenn C’est Karma in ihrem eingangs zitierten Blogeintrag schreibt, es habe ihr an weiblichen Vorbildern gefehlt, so muss an dieser Stelle eins gesagt werden: Sie wird für aufstrebende Künstler*innen zu dem, was sie vermisste. Die 18-Jährige versteht Kunst nicht nur als ästhetisches Ausdrucksmittel, sondern als politische Plattform. Die Tatsache, dass sie sich neben ihrer Musik auch an Gesprächsrunden zu Gender und Frauen in der Musikbranche beteiligt, wie etwa während des Kulturfestivals „This Is a Human’s World“ im September, macht ihre Musik und ihre Texte glaubwürdig.


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