ERNEUERBARE ENERGIEN: Es lohnt sich wieder!

von | 12.09.2008

Die Förderbedingungen für Strom aus erneuerbaren Energiequellen sind Anfang des Jahres stark verbessert worden. Die Möglichkeiten, privat oder unternehmerisch tätig zu werden, sind vielfältig.

Photovoltaik im Siedlungsbereich – ein kleiner, aber wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.

Acht Jahre ist es her, dass zur Ă–kofoire der damalige Umweltminister Charles Goerens ankĂĽndigte, den BĂĽrgerInnen 25 Franken pro Kilowattstunde fĂĽr Strom aus Solaranlagen zu zahlen. Dieser Einspeisetarif von umgerechnet 0,63 Euro war damals der höchste in Europa. Seither ist vieles passiert: Der Solarstromtarif wurde gesenkt, andere Fördermechanismen verbessert, neue hinzugefĂĽgt. Trotzdem erhöht sich der Anteil der erneuerbaren Energien (EE) am Stromverbrauch nur langsam – auch wegen des steigenden Gesamtverbrauchs. Der EE-Sektor – also spezialisierte Handwerker und Beratungsfirmen – hat sich noch nicht vom Schock von 2005 erholt, als die FördermaĂźnahmen drastisch zurĂĽckgefahren wurden. Acht Jahre nach dem Startschuss fĂĽr eine Energiewende ist es in Luxemburg immer noch nicht selbstverständlich, dass bei Neubauten Dach-Solaranlagen mitgeplant werden: ein klarer Fehlstart.

Die Chancen für einen Ausbau stehen dennoch gar nicht so schlecht. Die jüngsten Förderprogramme bieten wieder genügend finanzielle Anreize für Hausbesitzer und Bauherren. Das Bewusstsein des drohenden Klimawandels dürften die Bereitschaft vieler BürgerInnen erhöht haben, eine CO2-sparende Solaranlage auf dem Hausdach installieren zu lassen. Eher schon stellt sich die Qual der Wahl: Solarwärme oder Solarstrom? Beteiligung bei Wind oder Biogas? Wärmedämmung oder Ökostrom?

Erneuerbare AufrĂĽstung

„Ganz klar: Als erstes muss man den Energieverbrauch so weit wie möglich senken“, sagt GĂ©rard Anzia, ein Ingenieur und Sekundarlehrer, der sich seit langem mit Energietechnik beschäftigt. „Dann kommt die thermische Solaranlage fĂĽr die Warmwasserzubereitung: Das braucht man immer.“ 13 Quadratmeter der Dachfläche seines Hauses werden von Anzia hierfĂĽr genutzt, der Rest fĂĽr eine 400-Watt-Photovoltaikanlage. „Die Rechnung geht auf“, sagt er. Durch die auch zum Heizen genutzte Warmwasseranlage spart er im Jahr ĂĽber 500 Liter Heizöl. Und die neuen Einspeisetarife fĂĽr Solarstrom hält er fĂĽr „ausreichend“.

Anzia hat seine EE-Installationen immer wieder angepasst, damit sie ökologisch und wirtschaftlich Sinn machen. Als ihn die woxx 2001 besuchte, nutzte er die Photovoltaikanlage noch fĂĽr eine Inselanlage. In Verbindung mit einem Windrad und einer Speicherbatterie sollte sie genĂĽgend Strom fĂĽr seinen BĂĽroraum liefern. „Das war recht kompliziert. Angesichts der gĂĽnstigen Förderbedingungen damals, entschloss ich mich, den Solarstrom ins Netz einzuspeisen“, erzählt Anzia. Zusätzlich hat er eine 1200-Watt-Photovoltaik-Anlage hinter dem Haus errichtet, die automatisch der Sonne nachgefĂĽhrt wird, was die Ausbeute erhöht. Das Windrad auf dem Dach steht dagegen still. „Einspeisen lohnt sich nicht. Im Siedlungsbereich ist nicht genĂĽgend Wind fĂĽr eine Kleinanlage vorhanden“, so Anzia. Er plant, das Rad abzumontieren und es im Redinger LycĂ©e, wo er ab Herbst unterrichtet, fĂĽr ein pädagogisches Projekt zu nutzen.

Doch so sinnvoll die Anlagen an Privatwohnungen auch sind, ein konsequenter Ausbau der erneuerbaren Energien kann sich nicht hierauf beschränken. GĂ©rard Anzia zum Beispiel betreibt in Boevange an der Attert seit 2004 mit zwei „AssociĂ©s“ ein 23-Kilowatt-Wasserkraftwerk. Zum Einsatz kommt nicht etwa eine Turbine an einem Staudamm, sondern eine einfache Schnecke, die sich, vom Wasser getrieben, um die eigene Achse dreht. Hier gab es, zusätzlich zur Einspeiseprämie, eine Investitionshilfe vom Staat – und von der Cegedel: aus dem Nova-Naturstrom-Fonds fĂĽr Neuanlagen.

Die Beteiligung an solchen Projekten ist zurzeit allerdings Insidern vorbehalten. „Bei den neuen Wasser- oder Windprojekten ist es schwierig, reinzukommen“, sagt Anzia. „GroĂźe Windanlagen an guten Standorten, die zweistellige Renditen versprechen, werden meist von den Stromfirmen Cegedel und SEO betrieben. Und fĂĽr kleinere, weniger lohnende Projekte, ist es schwierig, das Kapital zusammen zu bekommen.“ Immerhin: An Anzias Arbeitsplatz, dem neuen Redinger LycĂ©e, sind Hunderte von LehrerInnen und SchĂĽlerInnen an der Nutzung erneuerbarer Energie beteiligt: Neben der modernen Isolationstechnik ist das Schulgebäude auch an die nahe gelegene regionale Biogasanlage angeschlossen.

Potenzial Biogas

Die Nutzung von Biomasse als erneuerbare Energiequelle ist seit der Diskussion ĂĽber Agrokraftstoffe – zu Recht – stark umstritten. Doch der erste Zweck dieser Anlagen war es, eine sinnvolle Verwendung fĂĽr landwirtschaftliche Abfälle, unter anderem die GĂĽlle, zu finden. Josy Hoeser, Landwirt in Canach, war 1998 an der Errichtung der ersten luxemburgischen Anlage beteiligt: „Wir haben klein angefangen, und dann in ein paar Schritten erweitert. Doch die ersten fĂĽnf Jahre haben wir draufgelegt.“ Sogar jetzt ist er sich nicht sicher, ob die Anlage kostendeckend arbeiten kann. Er hofft, dass die vor einiger Zeit nochmals vergrößerte Anlage von der neuen VergĂĽtung profitieren kann, wie von Energieminister Jeannot KreckĂ© angekĂĽndigt. So ist Hoeser hin und hergerissen zwischen dem Stolz, an einem sinnvollen Unternehmen beteiligt zu sein, und den Zweifeln, ob es sich wirklich lohnt.

Alles in allem ist klar, dass die DurchschnittsbĂĽrgerInnen vor allem auf Wärmedämmung, Energiesparen allgemein sowie thermische und eventuell photovoltaische Anlagen setzen können. FĂĽr diese Investitionen gibt es diverse Finanzhilfen vom Staat (BroschĂĽre zum Download unter www.environnement.public.lu) und einem Teil der Gemeinden. Nur bei photovoltaischen Anlagen stellt sich die Frage der Einspeisetarife – wie viel das beim Heizen eingesparte Ă–l oder Erdgas wert ist, hängt von den Energiepreisen ab. Der Einspeisetarif fĂĽr Strom aus 2008 installierten Kollektoren liegt bei 0,42 Euro pro Kilowattstunde – das dĂĽrfte locker ausreichen, um die Anschaffungskosten zu decken. Dieser Tarif wird ĂĽber 15 Jahre hinweg garantiert – ein wichtiger Unterschied zu den Règlements von 2005, die keine langfristige Finanzplanung erlaubten. Allerdings wird der fĂĽr Solarstrom bezahlte Preis jedes Jahr um drei Prozent verringert, das heiĂźt, Anlagen, welche erst 2009 in Betrieb gehen, bringen zum Beispiel nur noch 41,74 Cent pro Kilowattstunde während 15 Jahren.

Ăśber die Anlage auf dem Hausdach hinaus können umweltbewusste BĂĽrgerInnen natĂĽrlich versuchen, Teilhaber einer größeren EE-Anlage zu werden. Doch auch die politische UnterstĂĽtzung fĂĽr Projekte ist wichtig: So manche Anlage wurde nicht errichtet, weil sich die Verantwortlichen zwar von Kritikern angegriffen sahen, sich aber der UnterstĂĽtzung durch die – schweigende – Mehrheit nicht sicher waren. AuĂźerdem bieten die Chamberwahlen im Juni 2009 eine Gelegenheit, Parteien und PolitikerInnen zu unterstĂĽtzen, die sich ernsthaft fĂĽr erneuerbare Energien einsetzen.

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