GRUPPENAUSSTELLUNG: The Best of the Best

Zum Jahreswechsel wagt die Galerie Clairefontaine einen Rundumschlag. Vertreten sind dabei keine Unbekannten.

Ein Mann in Miniatur, lässig gekleidet in Pullover und Turnschuhen steckt seinen Kopf in einen Eimer mit giftgrüner Farbe. Hier hat sich der Künstler Max Mertens selbst in Knetmasse und Gips dargestellt, wie er im übertragenen Sinne in der Farbe nach dem Wesen der Kunst sucht. Wie vielseitig Kunst ist und dass sie schon etliche große Namen hervorgebracht hat, das lässt sich zurzeit in der Galerie Clairefontaine entdecken.

Unter dem Titel „All You Can Wish For …“ sind internationale Koryphäen wie Georg Baselitz, Joseph Beuys, Jörg Immendorff, Sigmar Polke und andere ausgestellt. Aber auch Luxemburger wie Michel Medinger und Roland Schauls finden ihren Platz. Kurz vor der Weihnachts- und Geschenkezeit hat die Galerie sozusagen ein Best of aufgefahren und zieht zum Jahresumbruch gleichzeitig Bilanz: Denn alle Künstler gehören zum Fundus der Galerie, auch wenn sie mit noch nicht gezeigten Werken vertreten sind. Die Bandbreite reicht dabei über Malerei, Plastiken in Bronze, Fotokunst, Zeichnungen, Siebdruck sowie eher konzeptuellen Werke. Erfüllen will die Galerie damit auch einen pädagogischen Anspruch indem sie duch die Veilfalt der ausgestellten Werke, den Besuchern ein Kaleidoskop an verschiedenen Kunstwelten vor Augen führt. Da wären etwa die expressiven Bronzeplastiken aber auch Siebdrucke des 2007 an einer Nervenkrankheit verstorbenen Jörg Immendorff. Oder die sogenannten Standart-Bilder von A.R. Penck: Seine Kunst bedient sich Strichmännchen und grafischer Bildzeichen, die an Höhlenmalerei, asiatische Kalligrafie und Graffiti erinnern. Sein Anspruch ist, dass der Betrachter die einfachen, archaischen Bildzeichen wie Verkehrsschilder oder Warenzeichen lesen soll. Komplexer war da schon die Herangehensweise von Joseph Beuys. Er ist in der Galerie mit zwei einfachen Siebdrucken vertreten, die ihn einmal selbst darstellen und einmal in Begleitung von Andy Warhol. Beuys hatte sich zu Lebzeiten mit Fragen des Humanismus, der Sozialphilosophie und Anthroposophie auseinandergesetzt und daraus seinen „erweiterten Kunstbegriff“ geformt, indem er auch ein kreatives Mitgestalten an der Gesellschaft und in der Politik forderte. Fluxus, Aktionskunst und Happening wurden die Ausdrucksformen seiner Kunst.

Auch der Luxemburger Künstler Michel Medinger liebt das Happening – aber ausschließlich im Medium der fotografischen Bildkomposition. Statt seiner erotischen Vanitas-Stilleben, scheint sich Medinger passend zu den Feiertagen eher mit religiösen Bildmotiven und dem Konsum der Moderne beschäftigt zu haben. Ergebnis sind poppige Bildverfremdungen: Christus trägt ein Herz aus einer Dose Kaviar und Barbie wird zur angebeteten Muttergottes in der Grotte von Lourdes.

Die Ausstellung „All You Can Wish For …“ hat insgesamt fast musealen Charakter und bietet die gute Möglichkeit auf kleinem Raum eine Vielfalt – wenn auch vor allem arrivierter Kunstschaffender zu entdecken.

In der Galerie Clairefontaine noch bis zum 29. Januar.


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