MALEREI: Gesicht der Emigration

„La rotta della speranza“ in der Abtei Neumünster ist eine künstlerische Hommage des Malers Ivo Batocco an die italienische Emigration nach Luxemburg.

Die Einwanderung italienischer Gastarbeiter am Ende des 20. Jahrhunderts und in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg ist das übergreifende Thema von Batoccos Bildserie „La rotta della speranza“ in der Abtei Neumünster. Mit seinen Gemälden gibt der Maler der Emigration nach Luxemburg ein würdevolles Gesicht. Viele Vorfahren der heute rund 20.000 in Luxemburg lebenden Italiener fanden Beschäftigung in der Schwer- und Stahlindustrie und trugen damit entscheidend zum Wohlstand des Landes bei.

Haltung und Gesichtsausdruck der Menschen in Ivo Batoccos Bildern zeugen von Erschöpfung, den Beschwernissen langer Reisen und von Resignation. Bei genauerer Betrachtung sieht man jedoch, dass in den sorgenzerfurchten Gesichtern auch Hoffnung ist. Batoccos Porträts bleiben jedoch vor allem deshalb im Gedächtnis haften, weil die Haltung der Menschen, trotz aller Beschwernisse ihrer Lage, nie ohne Würde ist – mitunter fast etwas Sakrales hat. Da ist etwa ein Junge, der den Kopf in die Hände gestützt auf seinem Koffer wartend raucht, ein alter Mann, der regelrecht zusammengesunken mit scheinbar leerem Blick in die Ferne schaut oder drei Jungen mit Schiebermützen, im Kreis sitzend und auf ihren Koffern wartend. Battoccos Motive sind überwiegend klassisch – Menschen in Posen der Arbeit oder der Ruhe und des Wartens: eine Menschenmenge am Bahnhof. Arbeiter während der Pause oder bei der Arbeit in der Grube, mit Taschenlampen an der Stirn.

Die dunkel gehaltenen Öl-Gemälde fügen sich perfekt in den Klostereingang der Abtei Neumünster ein, wirken nur leider aufgrund der mangelhaften Belichtung etwas düster. Auch muten sie mitunter in ihrer Dramaturgie etwas kitschig und pathetisch an. Madonnen und Engel sind von jeher häufig auftretende Motive in Batoccos Malerei. So verwundert es nicht, dass die Haltungen der Frauenfiguren in den Emigrationsbildern ein wenig an die von Madonnen klassischer italienischer Renaissance-Fresken erinnern.

Die Ausstellung im CCRN reiht sich an frühere Ausstellungen Batoccos an, wie die in Hesperingen in der Galerie Becker und im Centre Atert. Die Leihgaben stammen überwiegend von der Stadt Bertrange.

Mit seinen Bildern vermag Batocco so ins Gedächtnis zu rufen, dass die Einwanderung nach Luxemburg, heute ein historisches Faktum wie andere und längst selbstverständlicher Bestandteil des luxemburgischen multikulturellen Lebens ist. Auch wenn das Thema in der Kunst schon oft behandelt wurde, setzt der Künstler seinen Landsleuten so eine Hommage und gibt der italienischen Emigration nach Luxemburg ein Gesicht.

Noch bis zum 23. September in der Abtei Neumünster.


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