Diversität und Pflichtlektüre: Planloses Ministerium?

von | 12.02.2019

Ende 2018 kritisierte die Voix de jeunes femmes (VJF) das obligatorische Leseprogramm der Abschlussklassen. Der Abgeordnete Dan Biancalana hakte gleich bei zwei Ministerien nach, was die Regierung aus der Kritik macht.

Die Ministerien beantworten die Fragen zur Diversifizierung des Leseprogramms unzureichend. (Bildquelle: Flickr)

Der LSAP-Deputierte Biancalana reagierte mit seiner parlamentarischen Anfrage auf die Presseberichte zum offenen Brief der VJF. Die feministische Jugendgruppe hatte darin mehr Autorinnen und Bücher mit vielseitigen Frauenfiguren auf dem obligatorischen Leseprogramm der Abschlussklassen eingefordert und damit unter anderem den Philosophen Norbert Campagna verärgert. Sie richtete den Brief an das Ministerium für Bildung, Kinder und Jugend – und wünschte sich von diesem die Kenntnisnahme und die Umsetzung ihrer Anregungen. Biancalana fragte rund einen Monat später nach, was beim Ministerium für Bildung, Kinder und Jugend sowie beim Ministerium für die Gleichstellung von Frauen und Männern davon hängen blieb.

Einen Konsens zwischen VJF und den Ministerien gibt es: Keiner will eine Zensur. Das Ministerium für die Gleichstellung von Frauen und Männern optiert für die Kontextualisierung der Klassiker und für die analytische Aufarbeitung historischer Werkhintergründe im Unterricht. Zur Diversität, zu mehr Autorinnen und einer differenzierten Gender-Repräsentation auf dem Leseprogramm verlieren die Minster*innen kein Wort. Stattdessen kauen sie wider, was ähnlich vage im Koalitionsprogramm steht: Man wolle die Gleichstellung der Geschlechter fördern und sexistischem sowie diskriminierendem Verhalten durch die Sensibilisierung über alle Bildungsebenen und -systeme hinweg vorbeugen. Die Schüler*innen sollen ein Bewusstsein für den Mehrwert der Gleichstellung zwischen Frau und Mann entwicklen und losgelöst von Stereotypen heranwachsen. Dafür arbeite man eng mit den Schulen, non-formellen Bildungseinrichtungen und Betreuugungsinstitutionen zusammen. Jede Einrichtung sei dazu eingeladen, Vorschläge zu unterbreiten und die „réflexions sur l‘égalité“ in die Lerninhalte zu integrieren. Klingt nach einem Plan, aber nicht nach einem ausgearbeiteten Leitfaden. Geschweige denn nach einer Umstrukturierung des Leseprogramms. Dabei fragte Biancalana gezielt nach sofortigen Maßnahmen in Bezug auf das laufende Schuljahr und nach der konkreten Umsetzung der im Koalitionsprogramm versprochenen Bemühungen, die Gleichstellung der Geschlechter und die Darstellung der Gendervielfalt in der Schule zu thematisieren.

Die kontroverse Debatte über den offenen Brief der VJF war übrigens auch Thema in unserem Podcast „Am Bistro mat der woxx #30 – Ass d’Flichtlektür zu Lëtzebuerg sexistesch?“.

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