Ärztlicher Kontrolldienst: Ist da jemand?

Der Personalmangel beim Contrôle médical de la sécurité sociale macht sich an mehreren Fronten bemerkbar. Der Minister für Soziale Sicherheit, Romain Schneider, wiederholt unbefriedigende Erklärungen.

Wer käme auf die Idee sich nach einem urologischen Eingriff von Neurolog*innen untersuchen zu lassen? Vermutlich niemand. Genau das kann aber passieren, wenn Arbeitnehmer*innen nach fünfwöchiger Krankschreibung zum Contrôle médical de la sécurité sociale (CMSS) bestellt werden. So beschreibt es der CSV-Abgeordnete Jean-Marie Halsdorf in einer parlamentarischen Anfrage an den Minister für Soziale Sicherheit, Romain Schneider. Seine Vermutung stimmt – der Minister kann es erklären.

Zwar weise der CMSS inzwischen Fachexpert*innen in verschiedenen medizinischen Bereichen auf, wie etwa in der Kardiologie oder der Traumatologie, doch sei es unmöglich jeden medizinischen Bereich abzudecken. „Bekannte Gründe hierfür sind einerseits der Personalmangel im Arztberuf und andererseits die unattraktive staatliche Vergütung für spezialisierte, medizinische Berufe.“ Das scheint die Erklärung vieler Missstände beim CMSS zu sein. Schneider lieferte dieselbe Antwort ab, als der CSV-Abgeordnete Marc Spautz im August wissen wollte, wieviele Ärzt*innen beim CMSS luxemburgisch sprechen würden. Auch damals hieß es, es sei allgemein schwer, Personal zu finden – und luxemburgisch sprechendes sowieso.

In Bezug auf die Untersuchungen, die Jean-Marie Halsdorf hinterfragt, weist Schneider allerdings zusätzlich darauf hin, dass die Mediziner*innen des CMSS unabhängig von ihrer Spezialisierung durchaus in der Lage seien, eine Krankschreibung zu beurteilen. Es sei außerdem üblich, dass eine Krankschreibung, die vorerst von Fachärzt*innen ausgestellt worden sei, später von Allgemeinmediziner*innen verlängert werde. Die medizinische Expertise, die vom Gericht verordnet werden kann, werde ebenfalls oft von Mediziner*innen unterschiedlicher Bereiche durchgeführt.

Nach Angaben des Ministeriums für Soziale Sicherheit wird seit rund zwei Jahren verstärkt Personal für den CMSS rekrutiert. Wie sich die internen Löcher im sozialen Netz auf das Leben der Versicherten auswirken, hat die woxx in diesem Artikel geschildert.


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