Backcover: Studio Mila

Kunst auf dem woxx-Backcover? Im Januar sorgt Michèle Lawniczak mit ihren Illustrationen dafür. Im woxx-Interview stellt die 23-jährige Künstlerin und Tätowiererin sich vor.

Neben Illustrationen, Keramik und Teppichen gestaltet Michèle Lawniczak alias Studio Mila 
auch Tattoos. (Illustrationen und Foto: Michèle Lawniczak)

Deine Illustrationen sind meistens ziemlich optimistisch, oft auch witzig. Wie hast du deinen Stil entwickelt? 


Ich habe immer Dinge gezeichnet, auf die ich Lust hatte, wie alles um Self-
love und Feminismus herum. Mein Stil ist da ganz von alleine gekommen. Ich habe immer so gezeichnet, dass es sich für mich einfach und natürlich anfühlt, ich wollte mich nie verstellen! Natürlich habe ich mich von anderen Illustrator*innen bei Instagram inspirieren lassen. Irgendwann war ich in einer feministischen Bubble, und darin inspiriert man sich auch gegenseitig.

Viele Menschen in Luxemburg kennen vermutlich deine Arbeiten für den Frauentag (JIF) oder den Sexpodcast „Méi wéi Sex“. Beides sind dezidiert feministische Projekte. Wie wichtig ist es für dich, deine feministische oder politische Einstellung in deine Arbeit einfließen zu lassen?


Es ist mir unglaublich wichtig, meine Werte in Illustrationen einfließen zu lassen! Ich finde, es ist meine Aufgabe als Illustratorin, unterschiedliche Menschen darzustellen. Würde ich nur weiße, dünne Männer zeichnen, dann wäre ich nicht stolz auf meine Arbeit. Ich bin auch glücklich darüber, dass ich bisher immer an Projekten arbeiten konnte, die mir auch persönlich wichtig sind, das ist ja auch nicht selbstverständlich.

Wo findest du Inspiration?


Ich finde meine Inspiration viel auf Instagram, einfach weil es dort so viele talentierte Künstler*innen gibt, dass man überhaupt nicht nicht inspiriert werden kann! Aber ich sammele auch viele Graphic Novels, Kinderbücher und Comics. Die inspirieren mich auch, das ist wie Instagram, nur auf Papier. Mein Freund und ich inspirieren uns auch gegenseitig, er illustriert auch und wir stecken uns gegenseitig mit Ideen an. Für viele Illustrationen brauche ich auch keine Inspiration, witzige Tiere zum Beispiel, die sprudeln einfach aus mir raus, wenn es mir gut geht. Die kommen von selbst und wollen aufs Papier.

Seit einiger Zeit tätowierst du auch. Wie ist es dazu gekommen, und wie unterscheidet sich die Arbeit auf der Haut von der auf dem Papier?


Ich habe mit dem Tätowieren angefangen, weil ich selbst Tattoos habe. Irgendwann hatte ich Lust, auch selbst welche zu stechen. Zuerst nur bei mir selbst, dann auch an meinem Freund und irgendwann an Freund*innen. Lange Zeit habe ich mich nicht getraut, fremde Menschen zu tätowieren, weil ich Angst hatte, etwas falsch zu machen, aber mit der Zeit wurde das immer besser. Ich mag es zwar, den ganzen Tag zu Hause zu sitzen und an Aufträgen zu arbeiten, aber manchmal ist mir das etwas zu einsam. Dann bin ich ganz froh, wenn ich Tattoos stechen kann und deswegen unter Menschen komme.

Du hast es schon erwähnt, du bist viel auf Instagram aktiv. Die Plattform ist in den letzten Monaten immer stärker dazu übergegangen, verschiedene Inhalte zu zensieren, zum Beispiel sogenannte „female presenting nippels“. Wie gehst du damit um? Hast du das Gefühl, du müsstest dich selbst zensieren, um noch ein Publikum erreichen zu können?


Seitdem ich weniger nackte Menschen (und weniger weibliche Nippel) gepostet habe, habe ich einen großen Unterschied gemerkt: Mein Instagram-Account läuft viel, viel besser! Es ist sehr traurig, dass das der Fall ist, aber ich habe das jetzt einfach mal akzeptiert, weil ich halt gerade mit Instagram mein Geld verdiene. Da ist man dann ein wenig abhängig. Das heißt aber nicht, dass ich keine feministischen Illustrationen mehr machen will. Ich poste auch immer noch nackte Menschen zwischendurch, nur halt weniger.

Ist es schwierig, als Illustratorin in Luxemburg Fuß zu fassen?


Das kann ich nicht so richtig sagen, ich glaube, ich hatte einfach das Glück, dass ich liebe Menschen getroffen habe, die meine Illustrationen schön finden und mich mit ins Boot genommen haben. Ich denke, man muss in Luxemburg einfach seinen eigenen Stil haben, um genügend Aufträge zu kriegen – und gute Kontakte haben! Das ist aber außerhalb von Luxemburg nicht anders, man muss herausstechen, dann ist es am einfachsten, gesehen zu werden. Ich habe einfach immer das gemacht, worauf ich Lust hatte, und es hat irgendwie geklappt. Ich war vielleicht einfach mit meinem Stil im richtigen Moment am richtigen Ort. Ich bin aber sehr froh zu sehen, wie viele neue junge Künstler*innen es jetzt in Luxemburg gibt. Es ist nämlich Zeit für frischen Wind im kleinen Ländchen, frischer Wind mit etwas mehr Wumms!

Im Januar 2022 illustriert Michèle Lawniczak das Backcover der woxx. 
Ihre Arbeiten finden sich auf 
instagram.com/studiomilaa

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