Nach China zeigt nun auch die US-Regierung großes Interesse, sich wichtige Rohstoffe in der Demokratischen Republik Kongo zu sichern. Die Logik des Freihandels weicht strategischer Großmachtpolitik.

China hat in der Demokratischen Republik Kongo schon früh strategische Perspektiven über kurzfristige wirtschaftliche Interessen gestellt: Der kongolesische Präsident Félix Tshisekedi (links) im Mai 2023 auf Staatsbesuch in Peking. Unser Foto zeigt ihn mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Li Qiang. ((Foto: EPA/THOMAS PETER / POOL)
Der Kaufpreis erscheint niedrig, doch die Bedeutung des Geschäfts ist groß: Für 30 Millionen US-Dollar erwarb das US-Unternehmen „Virtus Minerals“ die Bergbaufirma „Chemaf“ und deren Kobaltminen. Virtus verpflichtet sich im Rahmen des Anfang April besiegelten Geschäfts zu Investitionen von mehr als 700 Millionen US-Dollar. Es handelt sich nicht um einen einfachen Eigentümerwechsel, sondern um den ersten Erfolg der US-Regierung bei ihren Bemühungen, im weltweiten Wettlauf um wichtige Rohstoffe den chinesischen Einfluss in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) zurückzudrängen. Quellen im US-Außenministerium bestätigten der US-amerikanischen Zeitung „Wall Street Journal“, dass es sich um ein „Prioritätsprojekt“ der Regierung handle. China hatte sich ebenfalls um den Erwerb von Chemaf bemüht.
Jahrelang wurden die Rohstoffe des Kongo im Rahmen undurchsichtiger Geschäfte gehandelt, die von Warlords, Milizen und politischen Anführern kontrolliert wurden. China änderte dies, indem es Infrastruktur und langfristige Abbaurechte an politische Partnerschaften knüpfte und offene Märkte bewusst mied. Nun versuchen auch die USA, den Sektor mit Geld, Diplomatie und Sicherheitsmaßnahmen zu beeinflussen. Dieser Wandel macht deutlich, dass nun Geopolitik – und nicht der Wettbewerb auf dem freien Markt – den Bergbau der DRK bestimmt.
Von besonderer Bedeutung ist Kobalt, das für Batterien, Elektrofahrzeuge, die Gewinnung erneuerbarer Energie und Militärtechnologie benötigt wird. Die DRK liefert etwa drei Viertel der weltweiten Fördermenge und rückt ins Zentrum eines neuen globalen Machtkampfs, in dem der Freihandel strategischen Kontrollbestrebungen gewichen ist.
Im vergangenen Jahr haben die Vereinigten Staaten zudem ein Friedensabkommen vermittelt, das auf die Stabilisierung der DRK zielt, eines Landes, das durch jahrzehntelange Konflikte verwüstet wurde. Die Verhandlungen zwischen Ruanda und der DRK gipfelten im Washingtoner Abkommen, das drei Vereinbarungen beinhaltet: einen Waffenstillstand und die Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern; ein Rahmenwerk für die regionale wirtschaftliche Integration, das die wirtschaftliche Zusammenarbeit und gemeinsame Ressourcenbewirtschaftung fördert; sowie ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft zwischen der DRK und den USA zur Stärkung der wirtschaftlichen Entwicklung und der Ressourcensicherheit.
Kritiker argumentieren, dass das von den USA vermittelte Abkommen den Zugang zu Bodenschätzen über die Konfliktlösung stelle. „In dem Abkommen steht nichts über Rechenschaftspflicht (…). Es geht um Geschäfte und Geld“, sagt Frédéric Mousseau vom „Oakland Institute“, einem in den USA ansässigen Think Tank, und verweist dabei insbesondere darauf, dass die Konfliktparteien in der DRK immer noch kämpfen („Der Wald und der Krieg“; woxx 1817).
Der Kongo-Konflikt geht auf die Zeit nach dem Völkermord in Ruanda im Jahr 1994 zurück, als fast zwei Millionen Hutus in den Osten des Kongo flohen. Einige extremistische Gruppen bildeten dort bewaffnete Milizen, was zu immer wieder eskalierenden Spannungen führte und Nachbarländer in den Konflikt hineinzog. Die daraus resultierende Gewalt löste den Ersten Kongo-Krieg (1996–1997) und nachfolgende Konflikte aus, die die Region verwüstet haben.
Die Bodenschätze der DRK stellen ihre wichtigste wirtschaftliche Ressource dar und haben seit langem großen Einfluss auf die Politik in dem Land und weltweit. In den frühen 2000er-Jahren war der Bergbau durch sich überschneidende Konzessionen, schwache staatliche Aufsicht und die aktive Beteiligung bewaffneter Gruppen gekennzeichnet. Berichte der Vereinten Nationen zeigten, dass militärische und politische Führungsschichten Coltan, Gold und Kobalt durch geheime Absprachen kontrollierten und dabei häufig Abbaurechte gegen Bargeld oder politische Unterstützung eintauschten.
„Die Netzwerke bestehen aus einem kleinen Kern der politischen und militärischen Führungsschichten sowie Geschäftsleuten und, im Falle der besetzten Gebiete, ausgewählten Rebellenführern und Verwaltungsbeamten“, hieß es in dem UN-Bericht von 2002 mit Bezug auf Gebiete im Osten der DRK, die unter ausländischer Kontrolle standen wie Nord- und Süd-Kivu, und weiter: „Mitglieder dieser Netzwerke arbeiten zusammen, um Einnahmen zu generieren und, im Falle Ruandas, institutionelle finanzielle Gewinne zu erzielen.“ Überdies waren Zwangs- und Kinderarbeit häufig, es gab kaum Sicherheits- und Umweltschutzmaßnahmen und in vielen Fällen wurde die Bevölkerung aus den Bergbaugebieten vertrieben.
Mitte der 2000er-Jahre forderten internationale Finanzorganisationen wie die Weltbank Veränderungen, die sie als Umstrukturierung der Bergbauindustrie bezeichneten. Im Jahr 2002 und erneut im Jahr 2018 änderte die DRK ihr Bergbaugesetz, um die Vorschriften und die Besteuerung klarer zu gestalten und so ausländische Investitionen anzuziehen.
In dieser Zeit expandierten in der DRK große transnationale Unternehmen wie das in der Schweiz ansässige Unternehmen „Glencore“ („Neokoloniale Landnahme“; woxx 1536), das die Kupfer-Kobalt-Minen Mutanda und Kamoto in der Provinz Lualaba betreibt, sowie „CMOC“ (bis 2022 „China Molybdenum“), das die ebenfalls in Lualaba gelegene Mine „Tenke Fungurume“ – eine der weltweit größten Kupfer-Kobalt-Minen – von „Freeport-McMoran“ erwarb. Auf kontinentaler Ebene versprachen Initiativen wie die seit 2021 bestehende „Afrikanische Kontinentale Freihandelszone“ (AfCFTA), die afrikanischen Nationalökonomien zu integrieren, Zölle zu senken und regionale Wertschöpfungsketten zu fördern. Theoretisch könnte der Rohstoffreichtum des Kongo als Grundlage für die Industrialisierung dienen.
Doch die Struktur des Bergbausektors veränderte sich weniger als erwartet. Nach Angaben der „Extractive Industries Transparency Initiative“ (EITI) ist die Wirtschaft der DRK stark vom Rohstoffsektor abhängig, auf den im Jahr 2021 46 Prozent der Staatseinnahmen und 98,9 Prozent der Exporte entfielen. Die entscheidende Wende kam mit der Ausweitung der Rolle Chinas in diesem Sektor. Das von der DRK und einem Konsortium chinesischer Staatsunternehmen abgeschlossene „Sicomines“-Abkommen von 2007 mit einem Volumen über 6,5 Milliarden US-Dollar verband die Infrastrukturentwicklung mit langfristigen Bergbaurechten und verankerte chinesische Firmen tief in der kongolesischen Wirtschaft („Konkurrenz um Kobalt“; woxx 1662).
Seither dominierten staatlich unterstützte chinesische Unternehmen – darunter CMOC, „Zijin Mining“ und „Huayou Cobalt“ – die industrielle Kobaltproduktion im Kongo durch langfristige, politisch geförderte Vereinbarungen, was in deutlichem Gegensatz zu den zuvor eher improvisierten Verträgen steht. Die Übernahme von Chemaf signalisiert, dass die USA nun versuchen, ein ähnliches strategisches Modell anzuwenden, wenn auch selektiv. Dieses Modell weicht stark von den Prinzipien des freien Markts ab, da es sich statt auf Wettbewerb auf langfristige, staatlich geförderte Partnerschaften stützt und den Rohstofffluss an geopolitische und industriepolitische Ziele bindet.
Die Demokratische Republik Kongo liefert etwa drei Viertel der weltweiten Kobalt-Fördermenge und ist dadurch ins Zentrum eines neuen globalen Machtkampfs gerückt.
Unternehmen mit Verbindungen zu US-Interessen kehren in einen Sektor zurück, den sie in den vergangenen zehn Jahren weitgehend aufgegeben hatten, nicht allein in der DRK. Das Ziel ist nicht nur kommerzieller Gewinn, sondern auch die Sicherung von Lieferketten. So erhielt beispielsweise „Trinity Metals“ Ende 2025 über seine Holdinggesellschaft, das britische Unternehmen „Techmet“, 105 Millionen US-Dollar von der US-amerikanischen Entwicklungsbank „International Development Finance Corporation“, um Wolfram, einen für moderne Militärtechnologie wichtigen Rohstoff, in die USA zu exportieren. Trinity Metals ist Ruandas größter Produzent von „konfliktfreiem“, also nicht von Warlords oder Rebellengruppen gefördertem Wolfram. „Ruanda ist nun direkt in die für die amerikanische Verteidigung bedeutsame Lieferkette eingebunden“, sagte Shawn McCormick, der Vorsitzende von Trinity Metals.
Für den Kongo stellt dieser erneute Wettbewerb mit Ruanda einen komplizierten Balanceakt dar. Die DRK hat sich formell zur regionalen Integration durch die AfCFTA und den Beitritt zur Ostafrikanischen Gemeinschaft verpflichtet, verhandelt aber weiterhin über großangelegte Bergbauabkommen mit außerafrikanischen Mächten.
Dieser zweigleisige Ansatz bietet Chancen, löst aber nicht die grundlegenden Probleme. Trotz der Ablösung von improvisierten Vereinbarungen durch strukturierte Verträge bestehen entscheidende Muster fort. Gemeinden in der Nähe von Großprojekten – unter anderem in den Provinzen Rubaya und Haut-Katanga – berichten weiterhin von Vertreibung und Umweltzerstörung, wichtige Bergbaustandorte werden noch immer durch die von Ruanda unterstützte Rebellengruppe „M23“ kontrolliert. Zwar genießen die Unternehmen größere Rechtssicherheit, aber für die lokale Bevölkerung in den Bergbaugebieten hat sich wenig ändert.
Zivilgesellschaftliche Organisationen wie das Oakland Institute und das „Carter Center“ äußern anhaltende Bedenken hinsichtlich der Vertragstransparenz, der Verwaltung der Einnahmen und der sozialen Auswirkungen des Bergbaubetriebs. „Das ‚Friedensabkommen‘ folgt auf jahrzehntelange Ausbildung, Beratung und Unterstützung ausländischer Armeen und Rebellenbewegungen durch die USA, zu einer Zeit, in der Ruanda und seine Stellvertreterin, die M23, ihre territoriale Kontrolle im Osten der DR Kongo ausgeweitet haben“, urteilt Mousseau vom Oakland Institute. Es handele sich um eine Vereinbarung, die „den Bergbauinteressen der USA dient und Ruanda für jahrzehntelange Plünderung kongolesischer Ressourcen belohnt“.
Die Entwicklung des Bergbausektors im Kongo spiegelt einen globalen Trend wider. Da die Nachfrage nach strategisch wichtigen Rohstoffen wächst, wird die Wirtschaftspolitik immer stärker von strategischen Überlegungen geprägt. Lieferketten werden aufgrund geopolitischer Erwägungen neu organisiert. Der Freihandel erodiert, Chinas Dominanz und nun auch strategische Investitionen der USA verdeutlichen, dass der Bergbau der DRK von globaler Machtpolitik bestimmt wird.

