Ein Virus im Armeeministerium?

Die Satelliten-Affäre hat zwei Politiker ins Rampenlicht gestellt, deren Verhalten bizarr erscheint. Doch es gibt eine einfache Erklärung für den Eiertanz von Schneider und Bausch.

Corona-Satellit – der US-Aufklärungssatellit KH-4B aus den 1960er Jahren hieß wirklich so. (Wikimedia ; PD-USGov)

Keine Sorge, es geht nicht um die Covid-19-Pandemie, sondern um eine neuartige Krankheit, von der bereits zwei aufeinanderfolgende Minister betroffen sind. Dass sich ihre Symptome ähneln, lässt darauf schließen, dass der Erreger in der Chefetage des Armeeministeriums grassiert. Insofern die Landesverteidigung betroffen ist, gilt natürlich höchste Geheimhaltungsstufe, doch die woxx hat den Namen des Erregers in Erfahrung gebracht: Es handelt sich, vermuten die Expert*innen, um das Naivo-Virus.

Bei Étienne Schneider, dem Patient Zero, zeigte sich die Wirkung des Virus bereits 2018, als er das Projekt eines zweiten Militärsatelliten für Luxemburg vorantrieb. Was damals kein Thema war, ist durch die Affäre um die Kostenexplosion beim Aufklärungssatelliten bekannt geworden: Schneider glaubte, er könne die Luxemburger Armee „fit für den Weltraum“ machen (online-woxx: „Minister lügen nicht“). Das damals verabschiedete Gesetzesprojekt führte nur die Bruttokosten für den Eosys-Satelliten auf, den Rest sollte das einheimische Militär erledigen. Vielleicht schwebte dem Weltraumpionier Schneider gar eine „Space Force“ in Miniatur vor, wie die amerikanische Teilstreitkraft, die erst 2019 von Donald Trump ins Leben gerufen wurde?

Eosys auf schiefer Bahn

Zu glauben, eine auf Personalebene recht bescheidene Armee ohne jede Weltraumerfahrung könne ein so komplexes Unterfangen wie den Betrieb eines Militärsatelliten selber stemmen, darf als naiv gelten. Das erinnert an die großen Ambitionen der Luxemburger Nachkriegsarmee, die mehrere Bataillone aufstellte, sich dann aber in Manövern kräftig blamierte. Möglicherweise ging ja schon damals das Naivo-Virus um …

Bei François Bausch, seit Ende 2018 Armeeminister, ist der Virenbefall jedenfalls klar zu erkennen. Als Grünen-Politiker wäre er eigentlich der traditionellen Friedenspolitik seiner Partei verpflichtet, doch in seinen Augen ist der Eosys-Satellit, auch wenn er viel teurer wird als geplant, „von der Grundidee her ein gutes Projekt“. Von Radio 100,7 befragt, ob sich Luxemburg nicht durch die Weitergabe der Aufklärungsfoto an die Nato auch an allen möglichen Kriegshandlungen beteiligen werde, wiegelte Bausch ab: Der Satellit tue ja nichts weiter als fotografieren, das habe einen präventiven Charakter. Es braucht eine gewisse Naivität, um zu glauben, damit könne man sich aus der Verantwortung stehlen für das, was mithilfe der Fotos angestellt wird.

Böse Zungen behaupten allerdings, es sei in beiden Fällen gar nicht das Naivo-Virus, das zugeschlagen habe. Hört man auf die Skeptiker*innen, so hat Schneider seinerzeit sehr wohl gewusst, dass die Armee das Projekt nicht übernehmen könne, es aber für einfacher gehalten, den Satelliten als 170-Millionen-Euro-Schnäppchen (statt jetzt 350 Millionen) durch die Chamber zu bringen. Und Bausch glaubt nicht wirklich an die Mär der „präventiven“ Aufklärungsfotos, sondern will einfach keinen Ärger mit der Nato, die mehr Satellitenkapazitäten benötigt. Beim Erreger schließlich, handelt es sich eindeutig um das Cynico-Virus.


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