Frauenmord: „Per non dargliela vinta“

Die italienische Fotografin Stefania Prandi macht in ihrer Fotoausstellung „Les conséquences“ Femizide und die Spuren, die sie bei Angehörigen der Opfer hinterlassen, sichtbar.

Giovanna Ferrari ist eine von vielen Müttern, die in Italien um ihre ermordeten Töchter trauern – die Fotografin Stefania Prandi beleuchtet ihre Schicksale. (Copyright: Stefania Prandi)

Sie haben keine Sonderstellung in Luxemburgs Mordstatistik, dafür aber jetzt im öffentlichen Raum: Frauenmorde. Stefania Prandi, italienische Fotografin und Journalistin, widmet den Opfern von Femiziden und ihren Angehörigen noch bis zum 16. November die Fotoausstellung „Les conséquences“ auf dem Vorplatz der Rotunden in Luxemburg-Stadt.

Meist sind es Eltern, oft Mütter, die im Mittelpunkt ihrer Fotos stehen. Eine von ihnen ist Giovanna Ferrari. Ihre Tochter Giulia wurde im Alter von dreißig Jahren von ihrem Ehemann ermordet. Er verletzte sie tödlich, bevor er ihre Leiche im Fluss Secchia versenkte. Er wurde zu neunzehn Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Der Hintergrund der Tat: die drohende Trennung des Paars.

Dabei handelt es sich nicht um die unglückliche Einzeltat eines gekränkten Mannes. In der deutschen Tageszeitung taz erschien im Februar 2021 ein Artikel von Barbara Bachmann über Femizide in Italien. Aus dem Text geht hervor, dass allein im Januar 2020 an sieben Tagen sieben getötete Frauen aufgefunden wurden. Die meisten davon wurden von ihren (Ex-)Partnern ermordet. 2018 soll der Anteil weiblicher Opfer an der Gesamtzahl verübter Morde in Italien so hoch wie nie zuvor gewesen sein: Er lag bei 40,3 Prozent, was konkret 142 weiblichen Opfern entspricht.

Während Bachmann in ihrem Artikel analysiert, inwiefern das mit geschlechtsspezifischen Stereotypen in der italienischen Gesellschaft zusammenhängt, versucht Prandi, das Unsagbare in Bildsprache zu übersetzen. Auf ihren Fotos steht Giovanna Ferrari mal hinter Gräsern versteckt am Tatort, mal sitzt sie mit der Kleidung ihrer verstorbenen Tochter auf ihrem Bett. Kleidung, die sie manchmal überzieht, um ihrer Tochter noch ein Mal nah zu sein.

Drei Jahre lang hat Prandi Familien begleitet, die eine geliebte Frau durch Mord verloren haben. Einerseits hält sie ihren Schmerz, ihre Trauer und Wut fest, andererseits zeigt sie auch ihren Mut. Beides ist wichtig, um auf Femizide aufmerksam zu machen. Vor allem in Luxemburg, wo Aktivist*innen von „Les colleuses“ im Juni mit Aufklebern und Plakaten auf Sexismus und Frauenmord aufmerksam machten und dafür von der Stadt Luxemburg des Vandalismus bezichtigt wurden.

Giovanna Ferrari, aber auch andere Porträtierte, machen sich seit ihrem tragischen Verlust anders gegen Gewalt und Mord an Frauen stark. 
Mit ihrem Buch „Per non dargliela vinta“ (An.d.R.: „Um ihn nicht gewinnen zu lassen“) will Ferrari die Erinnerung an ihre Tochter bewahren. Gleichzeitig unterstützt sie um die zehn Frauen, die sich wegen häuslicher Gewalt an sie gewandt haben.

Prandi selbst hat 2020 ebenfalls ein Buch zu Femiziden veröffentlicht: In „Le conseguenze“, an das die Ausstellung in den Rotunden übrigens angelehnt ist, erzählt sie die Geschichten der Familien nach. Auf der Website der Organisation Time for Equality, die die Ausstellung zusammen mit der italienischen Botschaft in Luxemburg sowie mit Unterstützung des CID Fraen an Gender und der Plattform JIF Luxembourg veranstaltet, sind Textauszüge nachzulesen. Die sind derzeit in französischer Übersetzung und im italienischen Original online. Auf dem Vorplatz der Rotunden können Besucher*innen, die ein Smartphone besitzen, mittels QR-Scan darauf zugreifen.

Les conséquences. Noch bis zum 16. November auf dem Vorplatz (Parvis) der Rotunden und teilweise online unter stefaniaprandi.it

Infos zu thematischen Gruppenführungen unter info@timeforequality.org

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