Games: Kurzfristige Zockerei

Die Videospiele, die wir diese Woche vorstellen, sind – vor allem im Lockdown – schnell durchgespielt. In vielen Fällen liegt der Fokus auf der Handlung.

Es gibt viele Motivationen, um Games am Computer oder der Konsole zu spielen: Ablenkung, Test der Reaktionsfähigkeit, Adrenalinrausch. Ein oft unterschätzter Grund sind die interaktiven Handlungen, die ein Storytelling ermöglichen, das andere Medien nicht leisten können. Wir stellen einige solche Titel vor – aber auch kurzweilige Spiele, die oft für wenig Geld einige Stunden Spaß versprechen.

Dream Daddy


Ein alleinerziehender Vater zieht mit seiner Tochter in eine langweilige Vorstadt. Sie ergänzen ihre neue Nachbarschaft gut, wird diese doch vor allem von anderen alleinerziehenden, gutaussehenden Vätern und ihren Kindern bewohnt. Beim Kennenlernen stellt sich schnell heraus, dass der eine oder andere nicht nur auf eine Freundschaft aus ist. „Dream Daddy“ ist ein Datingsimulator, die meisten Interaktionen mit dem Spiel bestehen darin, Antworten in Gesprächen auszuwählen, während man auf Dates mit sieben anderen Vätern geht. Aufgelockert wird das durch kurze Minigames, bei denen Minigolf gespielt oder ein Radio repariert werden muss. Neben der Suche nach dem richtigen „Dream Daddy“ steht die Beziehung zur jugendlichen Tochter im Vordergrund. Fluide Sexualitäten sind so normal, dass nicht darüber gesprochen werden muss. Neben dem Dating werden wichtige Fragen zu Elternschaft und toxischer Männlichkeit verhandelt. Viele wunderbar schlechte „Dad-Jokes“ runden das Spiel ab und machen es zu einem recht kurzweiligen, aber äußerst unterhaltsamen Erlebnis. Komplette Rezension unter woxx.eu/6jgz

Merchant of the Skies


Erst dieses Jahr als Betaversion erschienen, wurde „Merchant of the Skies“ schnell zu einem Überraschungshit auf der Videospielplattform Steam. Vielleicht liegt es daran, dass die knuffige Pixelgrafik und das niedrige Tempo eine beruhigende Wirkung auf Menschen im Lockdown haben. In einer magischen Welt, die aus schwebenden Inseln besteht, versuchen die Spieler*innen sich als Händler*innen hervorzutun. Ähnlich wie in vergleichbaren Handelssimulationen gilt es, Waren billig einzukaufen und teuer wieder zu verkaufen. Daneben gibt es noch einige andere Dinge zu erledigen: Tourist*innen wollen bestimmte Inseln besuchen, Briefe befördert werden, ein*e Journalist*in bittet um Hilfe bei der Recherche, außerdem muss Material besorgt werden, um einen Leuchtturm wiederaufzubauen. Die magische Welt von „Merchant of the Skies“ bietet Realitätsflucht – inklusive einer gigantischen, singenden und tanzenden Karotte – für etwa zwölf Stunden und lohnt sich definitiv.

Read Only Memories 


Kurz vor Weihnachten 2064 wird der*die Protagonist*in von einem kleinen Roboter namens Turing aus dem Schlaf gerissen. Er ist die erste künstliche Intelligenz mit echtem Bewusstsein und Emotionen. Sein Erfinder, Hayden Webber, ist entführt worden und Turing braucht die Hilfe der*des Journalist*in, um ihn wiederzufinden. Neben einem großen Technologiekonzern steht auch eine Gruppe von Aktivist*innen namens „Human Revolution“ im Verdacht, Webber gekidnappt zu haben. In neonfarbener Retro-Pixelgrafik und mit passendem Soundtrack untermalt, führt dieses „Point and Click“-Adventure in Nachtclubs, Medienunternehmen und Hinterhofkliniken, um den Krimi rund um Webbers Verschwinden zu lösen. Das schafft eine Atmosphäre, die an Cyberpunk-Werke wie „Blade Runner“ erinnert. Die vielschichtige Handlung nimmt sich nicht nur der künstlichen Intelligenz an, sondern behandelt auch Fragen zu Transhumanismus und genetisch manipulierten Menschen.

This Is the Police


Jack Boyd ist der Polizeichef der US-amerikanischen Stadt Freeburg. Unverschuldet wird er in einen Korruptionsskandal verwickelt, woraufhin der Bürgermeister ihm ein Ultimatum stellt: Er hat 180 Tage, um sich auf seinen Ruhestand vorzubereiten, danach muss er zurücktreten. Boyd entscheidet, dass er eine halbe Million Dollar für seine Pension auf die Seite bringen will – wohl wissend, dass er das kaum auf legalem Weg schaffen kann. Der*Die Spieler*in nimmt Boyds Rolle ein und muss Polizeikräfte zu ihren Einsätzen schicken und entscheiden, welche Kommissar*innen welche Fälle übernehmen. Dabei werden ständig ethische Fragen aufgeworfen: Sollen Polizist*innen Einsätze übernehmen, für die sie eigentlich nicht ausgebildet sind? Sollen Beamte für private „Gefallen“ eingesetzt werden, obwohl sie dann bei der Verbrechensbekämpfung fehlen? Soll Boyd mit der Mafia kooperieren, um schneller zu Geld zu kommen? Soll er auf Wunsch des Bürgermeisters eine friedliche Demonstration gewaltsam auflösen? Die Handlung ist durchaus fesselnd und gut erzählt, allerdings ist die Spielmechanik stellenweise eher träge, manchmal sogar frustrierend. Dennoch schafft es „This Is the Police“, ein schwieriges Thema fesselnd zu verarbeiten.


Gone Home


Im Sommer 1995 will Kaitlin Greenbriar in den Semesterferien ihre Familie in den USA besuchen. Doch als sie ankommt, findet sie das Haus leer und verschlossen vor. Eine kryptische Notiz an der Haustür hilft ihr nicht weiter – sie muss alleine herausfinden, was mit ihrer Familie passiert ist. Die Spieler*innen durchsuchen aus der Ego-Perspektive das Haus und finden nach und nach durch das Lesen von Notizen, Tagebucheinträgen und Einkaufszetteln heraus, was passiert ist. Ein wichtiges Element scheint dabei der queere Selbstfindungsprozess von Kaitlins jüngerer Schwester Sam zu sein. Mit knapp zwei Stunden Spielzeit ist dieses Spiel sehr kurz, lohnt sich jedoch sehr. 
„Eine anrührende Geschichte über Familie, Erwachsenwerden und Coming-out. Auch sechs Jahre nachdem das Erstlingswerk der Fullbright Company auf den Markt gekommen ist, lohnt sich der Kauf also immer noch.“ (tj)


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