Gemeinwohl-Ökonomie: Back in Luxembourg!

von | 31.05.2019

Mertzig will erste Gemeinwohl-Ökonomie-Gemeinde Luxemburgs werden und hat dafür kommende Woche Christian Felber eingeladen. Außerdem erfolgt ein Relaunch der nationalen GWÖ-Gruppe.

Christian Felber ist Kapitalist für die einen, Kommunist für die anderen … und für seine Anhänger*innen: der pragmatischste unter den Theoretiker*innen der ökosozialen Transition (woxx 1294: „Der Lohn des Guten“). Der Vater des Modells Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) ist am kommenden Dienstag, dem 4. Juni in Mertzig (bei Ettelbrück), und das auf Einladung der Gemeinde (Link zum Facebook-Event).

Der Abend stellt die Auftaktveranstaltung dar für den Prozess, an dessen Ende Mertzig zur ersten GWÖ-Gemeinde Luxemburgs werden will. Ab 19 Uhr wird im Centre Turelbaach der Bürgermeister Mike Poiré das Projekt vorstellen (Anmeldung unter inscription@mertzig.lu oder Tel. 83 82 44-1 erwünscht). Danach hält Felber einen einführenden Vortrag in die GWÖ und schließlich werden Fragen aus dem Publikum beantwortet. Die Gemeinde wird eine Gemeinwohl-Bilanz erstellen, bei der sie nach Kriterien wie Menschenwürde, Solidarität, Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit, Transparenz und Demokratie bewertet wird.

Vielfalt: Oikopolis, NGOs, CSV und Grüne

Als erstes Unternehmen in Luxemburg hat Oikopolis, die Dachstruktur von Biog-Genossenschaft und Naturata-Läden, sich 2014 einer Gemeinwohl-Zertifizierung unterzogen (siehe woxx 1342 „Experiment Gemeinwohl-Ökonomie“). Allerdings dürfte Felbers Utopie einer mehr oder weniger sozialistischen Wirtschaftsordnung etwas radikal sein für die von der Anthroposophie geprägte Denkweise des Öko-Unternehmens, doch seine holistische Herangehensweise und der Ansatz, von bestehenden Strukturen auszugehen, hat ihnen gefallen. Das gleiche dürfte für das Mertziger Projekt gelten, dessen treibende Kraft unter anderem der junge Politiker Stefano D’Agostino vom sozialen Flügel der CSV ist.

In der vor mehreren Jahren in Luxemburg gegründeten GWÖ-Gruppe fanden sich eher NGO-Aktivist*innen wieder. Doch auch parteigrüne Kreise waren an Felbers Theorien interessiert, unter anderem der vor einem Jahr verstorbene Camille Gira. Jetzt soll eine neue, der Gemeinwohl-Ökonomie gewidmete NGO gegründet werden. Über die Pressekonferenz am kommenden Montag wird die woxx nächste Woche berichten.

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