Globaler Süden: Impfstoff für alle… in 57 Jahren

von | 04.06.2021

Länger als ein halbes Jahrhundert würde es beim derzeitigen Impftempo dauern, ehe auch die gesamte Bevölkerung der armen Länder die nötigen Vakzin-Dosen für eine Vollimmunisierung erhalten hat.

Impfstoff für den globalen Süden nur tröpfchenweise: Eine Vakzinlieferung aus dem Covax-Programm wird auf dem Flughafen der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica entladen. (Foto: gov.me, 2021 / EC – Audiovisual Service)

Während global inzwischen mehr als 1,7 Milliarden Impfdosen verabreicht wurden, sind nur 0,3 Prozent davon in den ärmeren Ländern gelandet, wie die „People’s Vaccine Alliance“, ein Zusammenschluss verschiedener Gesundheits- und Menschenrechtsorganisationen, ermittelt hat. Mehr als 4,6 Millionen Impfdosen werden in den sieben größten Industrienationen (G7) derzeit täglich verabreicht. Der gesamte globale Süden hingegen kommt auf 63.000 Impfungen pro Tag. Die „People’s Vaccine Alliance“ fordert daher weiter eine Aufhebung des Patentschutzes für Impfstoffe gegen eine Covid19-Erkrankung. Nachdem zuletzt die US-Regierung ihre Bereitschaft hierzu erklärt hatte, sprach sich in der EU vor allem die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel deutlich dagegen aus. Die USA hatten sich in der Frage wohl auch bewegt, um damit auf die chinesische „Impfdiplomatie“ im globalen Süden zu reagieren.

Gestern hat US-Präsident Joe Biden zudem angekündigt, die ersten 25 Millionen von insgesamt 80 Millionen Impfdosen auszuliefern, die das Land bis Ende Juni an andere Nationen abgeben will. 19 Millionen Einheiten dieser ersten Tranche sollen über die Covax-Initiative der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an ärmere Länder gehen. „Wir teilen diese Dosen nicht, um uns Gefälligkeiten zu sichern oder um Zugeständnisse zu erzwingen“, sagte Biden mit Blick auf die Diskussionen um Impfdiplomatie. Auch andere Länder haben auf einer virtuellen Geberkonferenz am vergangenen Mittwoch weitere Spenden zugesagt, darunter Luxemburg, das eine Million Euro beisteuern will. So steht laut Angaben der Covax-Initiative nun genügend Geld zur Verfügung, um wie geplant 1,8 Milliarden Impfdosen zur Unterstützung ärmerer Länder zu finanzieren – das reiche aus, um rund 30 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in ärmeren Ländern mit Impfstoffen auszustatten. Noch pessimistischer sind die Berechnungen des nigerianischen Politikanalysten Nwachukwu Egbunike: Ihm zufolge werden über Covax sogar nur maximal 20 Prozent der vulnerabelsten Bevölkerungsanteile in den teilnehmenden Staaten mit Impfstoff versorgt.

Über die globale Impfstoffverteilung und ihre geopolitischen Aspekte hatte die woxx zuletzt Ende April in ihrer Ausgabe 1630 informiert; die Frage der Patentrechte haben wir zuletzt in der Ausgabe 1632 kommentiert.

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