Im Kino: Spencer

Schön anzusehen und gut gespielt weiß Pablo Larraíns neuster Film durchaus zu unterhalten. Leider kann dies nicht über die vielen Schwächen hinwegtäuschen.

Abgesehen von ihren Söhnen traut Diana fast niemandem mehr.
 (© DCM)

Zum zweiten Mal hintereinander spielt Kristen Stewart nun schon die Hauptrolle in einem gruseligen Weihnachtsfilm. Und obwohl der am 15. Dezember in luxemburgischen Kinos angelaufene „Spencer“ von der 1997 verstorbenen britischen Prinzessin von Wales, Diana Spencer, handelt, ist der Film wahrscheinlich nicht sehr viel weniger Fiktion als Clea DuValls 2020-Hit „Happiest Season“.

Für „Spencer“ imaginieren Drehbuchautor Steven Knight und Regisseur Pablo Larraín das letzte Weihnachtsfest, das die Prinzessin im Jahr 1991 mit der königlichen Familie auf Schloss Sandringham im britischen Norfolk verbrachte.

Schon zu Beginn des Films scheint die Hauptfigur mit ihren Nerven und ihrer Geduld völlig am Ende. Sie rebelliert gegen alles und jeden: Zum dreitägigen Fest erscheint sie mit dem eigenen Auto, die belegten Brote, die nach ihrer Ankunft angeboten werden, interessieren sie nicht, ebenso wenig das traditionelle königliche Wiegen am 24. Dezember. „Spencer“ will weniger historische Informationen vermitteln als vielmehr den psychischen Zustand, in dem Diana sich in den letzten Monaten ihrer Ehe mit Prinz Charles (Jack Farthing) möglicherweise befunden hat. Mittels vereinzelter surrealistischer Szenen stellen Knight und Larraín sicher, dass auch der*die letzte Zuschauer*in versteht, dass es sich hier um ein rein spekulatives Werk handelt.

Für ihre Rolle eignete sich Stewart Dianas Manierismen an – jedenfalls die, die sie in der Öffentlichkeit an den Tag legte: der schüchterne Blick, das verhaltene Lächeln, die etwas gekrümmte Körperhaltung. Dadurch gelingt es der Schauspielerin, Diana trotz der geringen äußerlichen Ähnlichkeit mit ihr zum Leben zu erwecken.

Der Fokus auf Dianas Psyche hat den Vorteil, dass Stewart so ihr ganzes Talent unter Beweis stellen kann. Die innere Zerrissenheit ihrer Figur ist in jedem Moment in Stewarts Gesicht abzulesen. Den Film zu einem Oscarvehikel für die Schauspielerin zu machen, hat jedoch seinen Preis: Dadurch, dass so wenig Kontext über diese drei Tage hinaus gegeben wird, wird das Dilemma, in dem sich die Prinzessin befindet, nie ganz nachvollziehbar.

Die Kleidung, die Diana über die Weihnachtstage trägt, darf sie sich nicht selbst aussuchen.

„If I start being really silly in the next few days, just tell me. I only believe it if it’s you that tell me“, sagt Diana an einer Stelle zu ihren Söhnen. Die „sillyness“, die die Hauptfigur immer mal wieder an den Tag legt, vermittelt der Film mit bitterem Ernst.

Über weite Strecken ist die Hauptfigur jedoch nicht von einer Person zu unterscheiden, die keine Lust auf üppige Mehrgängemenüs und Familienfotos hat, und noch dazu in einer lieblosen Beziehung feststeckt. Wenn Diana demonstrativ zu jedem Termin mit Verspätung erscheint und sich weigert, beim Umziehen die Vorhänge zuzuziehen, wird sie auf eine etwas kindische Nörglerin reduziert. Dass die Prinzession sich den goldenen Käfig, in dem sie sich befindet, selbst ausgesucht hat, wird ausgeblendet.

Was im Film funktioniert, sind die wenigen Momente der Menschlichkeit und Ehrlichkeit: Das sind einerseits Dianas Interaktionen mit ihren Söhnen William (Jack Nielen) und Harry (Freddie Spry) und andererseits jene mit der Bediensteten Maggie (Sally Hawkins). Letzterer ist auch die einzig queere Präsenz im Film zu verdanken.

„Spencer“ beeindruckt durch seine Einzelteile: Alles, vom Schauspiel über die Dekors bis hin zur Mise-en-scène garantiert ein immersives Kinoerlebnis. Der Film weiß durchaus zu unterhalten, ist alles in allem jedoch enttäuschend.

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Bewertung der woxx : XX


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