Jagd auf den Fuchsbandwurm

von | 12.01.2018

Kann der Fuchsbandwurm eingedämmt werden, indem man den Fuchs bejagt?

Die CSV-Abgeordnete Martine Hansen sorgte sich um die steigende Fuchspopulation. In einem „Revue“-Interview über die Rückkehr des Wolfs nach Luxemburg hatte ein Sprecher der Natur- und Forstverwaltung die Worte „die zu hohe Fuchspopulation“ verwendet. Hansen fragte im November bei der Umweltministerin nach, ob die Anzahl der Füchse in Luxemburg seit dem Jagdverbot von 2015 erheblich zugenommen hätte. Außerdem stellte sie eine Frage zu einer Studie, die die Jagd auf den Fuchs als ineffektives, mitunter sogar kontraproduktives Mittel gegen den Fuchsbandwurm bezeichnete. Martine Hansen beruft sich dabei auf ein Zitat eines Mitautors der Studie, der angeblich gesagt habe, die Studie sei falsch interpretiert worden.

In ihrer Antwort bestreitet das Umweltministerium, dass die Fuchspopulation in Luxemburg zugenommen habe. Aktuelle Daten dafür liefert es allerdings nicht, dafür aber einen Vergleich mit der Schweiz – dort habe sich die Fuchspopulation trotz anderer Jagdperioden genauso entwickelt wie in Luxemburg.

Ob die Studie zum Fuchsbandwurm falsch interpretiert worden sei, beantwortet das Umweltministerium mit einem Zitat aus eben jenem Dokument, das besagt, dass der Fuchsbandwurm durch die Jagd noch gestärkt werden könnte. Dabei handelt es sich um die Zusammenfassung einer mündlichen Präsentation, die 2014 auf einer Fuchsbandwurm-Tagung gehalten wurde (was die Antwort des Ministeriums allerdings nicht erwähnt). Auch wird auf eine neue Studie des gleichen Forschungsteams verwiesen, deren Titel bereits ihre Schlussfolgerung vorweg nimmt „Echinococcus multilocularis management by fox culling: An inappropriate paradigm“ – dem Fuchsbandwurm sei durch die Jagd auf sein Wirtstier nicht beizukommen.

Interessant ist in diesem Kontext auch, woher das Zitat über die Falschinterpretation eines der Studienautor*innen kommt. Benoît Combes, Direktor der französischen „Entente de lutte interdépartementale contre les zoonoses“, soll sich über die Falschinterpretation seiner Studie beschwert haben. Zu finden ist das Zitat in einem Leserbrief von Jean-Claude Hosch im Luxemburger Wort – in welchem Kontext und zu wem Combes dies gesagt haben soll, ist jedoch unklar.

Tatsächlich scheint die neue Studie – an der Combes wieder mitgearbeitet hat – die Sicht des Ministeriums zu bestätigen: Die Jagd auf den Fuchs hilft nicht, den Fuchsbandwurm einzudämmen. Das liegt vor allem daran, dass es nur sehr schwer ist, die Fuchspopulation überhaupt zu kontrollieren. Normalerweise werden nämlich nur bestimmte Fuchs-Weibchen schwanger: Fallen diese sogenannten „Alpha-Weibchen“ aus, treten andere an ihre Stelle – es werden nicht weniger Füchse. Zur Prävention des Fuchsbandwurms schlagen die Studienautor*innen alternative Methoden vor: Die Füche sollen mit Kördern entwurmt werden.

Spannender als die bandwurmartige Diskussion um den Fuchs-Parasisten ist vielleicht die Frage, ob mit einer nicht mehr bejagten Fuchspopulation das Phänomen der urbanen Füchse in Luxemburg ebenfalls aufkommen wird. Allerdings sind beispielweise die Londoner Füchse kein neues Problem – schon in den 1920ern wurde versucht, diese wieder zu vertreiben. Möglicherweise gefällt dem Renert die Großstadthektik ja auch einfach nicht.

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