JDL will auf Fahrradwegen rasen

Die jungen Liberalen wollen Fahrradwege für S-Pedelecs freigeben und zeigen damit, dass es stets möglich ist, noch unvernünftigere verkehrspolitische Forderungen zu stellen als der ACL.

Wenn es nach der JDL geht, soll es bald möglich sein, mit 45 Sachen über Fahrradwege zu brettern. (Am Symbolbild ein normales Pedelec. Foto: pxfuel.)

Wenn Liberale mehr staatliche Regeln fordern, muss wohl Sommerloch sein. Die JDL schreibt in einer Pressemitteilung vom Montag zwar, dass „weniger strenge Vorgaben der sanften Mobilität in Luxemburg zum Durchbruch verhelfen sollen“, in Wirklichkeit wünscht sie sich jedoch eine Zusatzregelung für sogenannte Speed Pedelecs (S-Pedelecs), also Fahrräder mit elektrischem Hilfsmotor, der bis zu 45 km/h beschleunigen kann. Diese Gefährte werden in Luxemburg aktuell wie Mopeds („Cyclomoteur“) behandelt: Sie müssen auf der Straße fahren, es besteht Motorradhelmpflicht und die Fahrer*innen brauchen einen Führerschein.

Die JDL fordert in einer Pressemitteilung eine eigene Kategorie für S-Pedelecs, so wie diese auch in Belgien eingeführt wurde. Dadurch soll die Benutzung von Fahrradwegen erlaubt werden – allerdings nur, wenn die Fahrradwege nicht zu eng oder zu stark befahren seien. Ein Argument der liberalen Jugend ist nämlich, dass Autofahrer*innen im Berufsverkehr kein Verständnis dafür hätten, wenn S-Pedelecs auf der Straße fahren würden, „obwohl direkt nebendran ein Fahrradweg verläuft“. Da in Luxemburg immer noch der Fahrradstreifen – also lediglich eine Fahrbahnmarkierung mittels Farbe – das höchste der Gefühle für die meisten Fahrradfahrer*innen ist, dürfte diese Forderung im Alltag kaum eine Rolle spielen. Aber ganz im Ernst: Wäre es nicht ohnehin an der Zeit, dass Autofahrer*innen in Luxemburg lernen, dass ihnen die Straßen nicht alleine gehören? Man muss sich schon fragen, ob die JDL wirklich den Fahrradverkehr fördern oder doch nur die Straßen von lästigen Rädern befreien will.

Die andere Argumentationsschiene der jungen Liberalen ist der geplante Fahrrad-Schnellweg zwischen Luxemburg-Stadt und Esch. Wer dort nicht mit 45 km/h rasen könnte, würde niemals überzeugt, auf dem Rad zu pendeln. Mit einem S-Pedelec könnte die Strecke in unter einer halben Stunde bewältigt werden, mit einem Pedelec25 würde man „über 50 Minuten“ brauchen. Mal abgesehen davon, dass das „über“ in dem Satz für geübte Radfahrer*innen vermutlich übertrieben ist: Die JDL schreibt ebenfalls „Im alltäglichen Berufsverkehr kann es bis zu einer Stunde dauern, um diese Strecke mit dem Auto zu bewältigen.“ und erledigt dieses Argument ganz ohne fremde Hilfe. Machen wir doch noch einen Vergleich: Mit der CFL lässt sich – sofern die Gött*innen des öffentlichen Transports es zulassen – die Strecke Esch-Luxemburg in nur 24 Minuten absolvieren.

Allerdings ist sind das alles argumentative Nebenschauplätze: Grundsätzlich sollten langsamere Fortbewegungsarten sich nicht mit schnelleren mischen müssen, weshalb viele Verkehrsplaner*innen auch gemeinsame Rad- und Fußwege ablehnen oder nur in Ausnahmefällen benutzen wollen. Wer mit 45 km/h fahren kann, sollte folgerichtig auf der Straße und nicht auf einem (baulich von der Fahrbahn getrennten) Fahrradweg fahren müssen. Ansonsten könnte schnell ein Szenario entstehen, in dem eine liberale Jugendpartei Vespas und E-Motorräder auf die Fahrradwege verbannen will.


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