Junge Menschen in Luxemburg: Verwirrende Ansammlung von Befunden

In einer kürzlich veröffentlichten Publikation widmet sich der Statec der Jugend. Die Kollage aus vorangegangenen Studien ist in dieser Form jedoch nur wenig aussagekräftig.

(flickr.com)

Wie viele Menschen heiraten jung? Wie steht es um die Gesundheit junger Menschen? Wie viele arbeiten in Teilzeit? In einem kürzlich publizierten Dokument hat der Statec entsprechende Zahlen für das Jahr 2018 zusammengetragen. Konkret geht es um die 169 851 in Luxemburg wohnenden Personen unter 25 Jahren. Im Jahr 2018 waren rund 27 Prozent der Gesamtbevölkerung in dieser Altersgruppe, drei Prozent weniger als noch 2001. 55,8 Prozent davon verfügen über die luxemburgische Staatsbürgerschaft.

4,7 Prozent waren 2018 arbeitslos, davon mehr Männer als Frauen. Die 66,9 Prozent, die zum Zeitpunkt der Erhebung keiner Arbeit nachgingen, ordnet der Statec der Kategorie „économiquement inactif“ zu. Hierzu zählen sowohl Personen, die zur Schule gehen oder sich in Ausbildung befinden als auch sogenannte NEETs (Neither in Employment nor in Education or Training). Unter letztere Kategorie fallen 10,6 Prozent.

In der Publikation werden auch prekäre Arbeitsverhältnisse aufgegriffen. 40 Prozent der 15- bis 24-Jährigen verfügen über einen befristeten Vertrag, 23,4 Prozent befinden sich in Teilzeitarbeit. Bei den 25- bis 54-Jährigen sind es dagegen nur 7 beziehungsweise 16,6 Prozent. In der Statec-Publikation wird dies zwar nicht thematisiert, eine im Januar veröffentlichte Eurostat-Studie hatte jedoch gezeigt, dass 20 Prozent aller 18- bis 24-jährigen Berufstätigen einem Armutsrisiko ausgesetzt sind. Das dürfte neben prekären Arbeitsverhältnissen auch mit den hohen Wohnpreisen zusammenhängen. Es wundert deshalb ein wenig, dass der Statec für 2018 keine Zahlen zur Wohnsituation oder finanziellen Situation junger Menschen erhoben hat.

Dem Statec nach heiraten immer weniger junge Menschen. 2018 waren 13 Prozent aller verheirateten Personen jünger als 25 Jahre. Im Jahr 2000 hatten noch rund 33 Prozent in sehr jungen Jahren geheiratet. Es fragt sich, weshalb der Statec keine Zahlen zum Pacs erhoben hat.

Bei manchen Kategorien zeigen sich die offensichtlichen Schwächen einer bloßen Zusammenstellung vorangegangener Studien. Teilweise passen die Kapitel-Titel einfach nicht zu dem, was darunter steht. So finden sich im Kapitel „Bildung“ zwar die Ergebnisse der letzten Pisa-Studie, es wird aber zum Beispiel nicht angegeben, über welche Bildungsabschlüsse die untersuchte Bevölkerungsgruppe verfügt. Besonders erstaunlich ist, was der Statec unter „körperlicher Gesundheit“ zu verstehen scheint. In diesem Abschnitt ist nämlich lediglich aufgelistet, wie viele junge Menschen den jeweiligen Kategorien der BMI-Skala zuzuordnen sind. Mit keinem Satz wird erklärt, wie der Statec den Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Gesundheit einschätzt. An anderer Stelle des Berichts heißt es, 87 Prozent der jungen Menschen hätten angegeben, guter oder sehr guter Gesundheit zu sein. Das sind 21 Prozent mehr als beim Rest der Bevölkerung. Wie „Gesundheit“ hier definiert wurde, ist nicht präzisiert.

Alles in allem vermittelt die Publikation einen recht lückenhaften Eindruck. Es ist ihr anzumerken, dass sie nur Auszüge aus anderen Studien enthält. Diese hätten jedoch anders aufbereitet werden müssen, um für sich alleine stehend aussagekräftiger zu sein.


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