Kritik an Joghurtfabrik: Wasserkrieg in Luxemburg?

von | 14.08.2020

Dass eine geplante Joghurtfabrik große Quantitäten Trinkwasser verbrauchen wird, missfällt der NGO natur & ëmwelt.

Der Stausee, Reserve für Joghurt-Wasser. (Wikipedia; Nikilux; CC BY-SA 3.0)

„Neuer Aktionsplan Luxemburgs: Joghurt statt Wasser!“, mit dieser ironischen Ankündigung ist das Kommuniqué von natur & ëmwelt zur Genehmigungsprozedur der Fage-Anlage überschrieben. Es geht um das umstrittene Projekt einer Joghurtfabrik des griechischen Großproduzenten Fage in Bettemburg. Die Umwelt-NGO wirft eine Reihe von politischen Fragen rund um dieses Projekt auf.

Als Erstes bemängelt natur & ëmwelt, dass die zweiwöchige öffentliche Konsultation („Kommodo“-Prozedur) zu dieser Anlage, die am 10. August zu Ende ging, mitten in die Sommerferien gelegt wurde. „Soll das Projekt etwa möglichst schnell und kommentarlos über die Bühne gehen?“, fragt die NGO. Die Regierung rechne wohl mit Einsprüchen und Protesten, „denn es geht um eine riesige Joghurtfabrik, die Unmengen an Trinkwasser benötigt, und noch mehr Abwasser in die Alzette leiten wird“.

natur & ëmwelt konzentriert seine Kritik auf den quantitativen Impakt der Joghurtfabrik auf die Luxemburger Wasserwirtschaft. Einerseits werde die Bevölkerung ermahnt, sparsam mit der Ressource Trinkwasser umzugehen, andererseits genehmige man eine Anlage, die dem „Trinkwasserverbrauch in der Größenordnung einer Kleinstadt von 18.000 Einwohnern“ entspreche. Außerdem müssten hierfür Reserven beim Obersauerstausee-Wassersyndikat Sebes beantragt werden, die eigentlich für dringende Fälle gedacht seien. Die NGO fragt rhetorisch, ob „die Versorgung einer Joghurtfabrik mit einem Produktionsmittel Wasser dringlicher [sei] als die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung der Bevölkerung“. Falls die Sebes künftig investiert, um ihre Kapazitäten für die Fabrik zu erweitern, warnt natur & ëmwelt vor einem möglichen Anstieg des Wasserpreises.

Obst statt Joghurt!

Sorgen machen der NGO auch die Abwässer, die dem „Äquivalent einer 100.000-Einwohner-Stadt“ entsprächen. Zwar soll hierfür eine separate Kläranlage errichtet werden. Doch die Alzette sei jetzt bereits ein stark belasteter Wasserlauf und es liegen laut natur & ëmwelt „keine Untersuchungen dazu vor, welche ökologischen Folgen die Klärwassereinleitung in die Alzette haben wird“.

Schlussendlich bringt die NGO auch noch die Themen regionale Lebensmittel und Nahrungsmittelsuffizienz ins Spiel. Luxemburg decke nur ein paar Prozent seines Gemüse- und Obstverbrauchs ab, produziere aber genug Milchprodukte für den Eigenbedarf – trotzdem komme jetzt eine Joghurtfabrik hinzu. „Wäre es nicht sinnvoller gewesen, gezielt Projekte im Obst- und Gemüseanbau zu fördern?“, so die Suggestivfrage von natur & ëmwelt an die Regierung.

Die harsche Kritik erweckt den Eindruck, die Zivilgesellschaft stehe kurz davor, in Luxemburg eine „Guerra del agua“ auszurufen. In Bolivien hatte 2000 die drohende Privatisierung der Wasserwirtschaft zu dem „Wasserkrieg“ geführt, der indirekt zum Aufstieg von Evo Morales führte, und auch hierzulande geht es darum, die lokalen Wasserressourcen gegen das internationale Kapital zu verteidigen. Doch eine kritische Analyse der Argumente von natur & ëmwelt lässt die Situation weniger dramatisch erscheinen. Vor allem aber müssen die Bedenken gegen Fage und Regierung in einen ganzheitlichen Kontext gesetzt werden, um die Diskussion weiterzubringen (siehe online-woxx-Analyse: woxx.eu/h2oglob).

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