Luxemburgs Schüler*innen haben schlechte Digitalkompetenzen

Eine internationale Studie stellt dem luxemburgischen Schulsystem schlechte Noten für die Entwicklung von Computer- und Medienkompetenzen aus. Dabei sind die Schulen hierzulande im internationalen Vergleich gut ausgerüstet.

Im Vergleich zu anderen Ländern schneiden die luxemburgischen Schüler*innen schlecht ab, was ihre IT- und Medienkompetenzen angeht. Im Schnitt erreichten sie 482 von 700 möglichen Punkten. Wenig im Vergleich zu den 553 Punkten, die Dänemark erzielte – dort sind die Digitalkompetenzen im internationalen Vergleich am stärksten.

In 14 verschiedenen Ländern, darunter auch Luxemburg, wurde die International Computer and Information Literacy Study (ICILS) letztes Jahr durchgeführt. Dahinter steht die International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA): Ein Verbund von nationalen Forschungseinrichtungen, der sich großangelegten Bildungsstudien verschrieben hat. Getestet wurden jeweils Schüler*innen der 8. Klasse (in Luxemburg 6e). In manchen Ländern wurden Tests in zwei Bereichen durchgeführt: „Computer and Information Literacy“ (CIL) und „Computational Thinking“ (CT).

Übersicht über die Testergebnisse der einzelnen Länder. Grafik: IEA.

CIL beschreibt die Fähigkeiten, digitale Informationen zu finden, zu evaluieren und produktiv zu nutzen. Schüler*innen mussten beispielsweise einschätzen, wo sie online vertrauenswürdige Informationen finden können. Diese Fähigkeiten wurden in allen 14 Ländern getestet, Luxemburg erreichte lediglich den 10. Platz vor Chile, Italien, Uruguay und Kasachstan. Die Schüler*innen wurden je nach erreichter Punktzahl in fünf Stufen eingeteilt. Während die meisten Länder im Durchschnitt Level 2 („Schüler*innen können unter direkter Anleitung Informationen am Computer sammeln“) erreichten, bleibt Luxemburg im Durchschnitt bei Level 1, was lediglich einem elementaren Wissen der IT-Nutzung entspricht. International schnitten Mädchen in diesem Test besser ab als Jungen.

Mit CT werden hingegen die Kapazitäten gemessen, Probleme und Lösungswege so zu formulieren, dass sie mithilfe eines Computers gelöst werden können. Die Schüler*innen mussten hierzu Probleme mittels einer visuellen Programmierumgebung lösen. Von den neun Ländern, deren Schüler*innen an diesem Test teilnahmen, schnitt Luxemburg mit durchschnittlich 460 (von 700 möglichen) Punkten am schlechtesten ab. Bestes Land wurde Südkorea mit einem Durchschnitt von 536 Punkten. Die Kompetenzen, die im CT-Test abgefragt wurden, stehen in Luxemburg allesamt nicht auf dem Lehrplan, wie die ICILS-Studie, die auch die Curricula untersucht hat, festhält. Ein Merkmal, das sich das Großherzogtum lediglich mit Uruguay teilt. Im Durchschnitt waren in diesem Test die Schüler leicht besser als die Schülerinnen.

Die Ergebnisse beim CIL-Test im Vergleich. Grafik: IEA.

Grundsätzlich halten die Wissenschaftler*innen fest, dass auch „digital natives“, also Kinder, die mit IT-Technologie aufwachsen, keine „digitalen Expert*innen“ sind, sondern Anleitung und Hilfestellungen brauchen, um die entsprechenden Fertigkeiten zu entwickeln. Außerdem lässt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Hintergrund und den Testergebnissen feststellen: Schüler*innen mit reichen, gebildeten Eltern haben grundsätzlich besser abgeschnitten. Das zeigt, dass sich die bestehenden Bildungsunterschiede auch bei digitalen Kompetenzen bemerkbar machen.

Darüber hinaus zeigt sich, dass es nicht reicht, den Schüler*innen Computer und Internetzugang zur Verfügung zu stellen, damit sie digitale Kompetenzen erwerben. Luxemburg ist an der Spitze, wenn es um den Zugang zum Netz, zu Online-Lerninhalten und zu einer eigenen E-Mail-Adresse für Schüler*innen geht. Nur in Dänemark haben mehr Schulen Wlan, und auch bei besonderen technischen Geräten, wie 3D-Druckern oder Robotern, steht Luxemburg im Vergleich nicht schlecht da. Lediglich in Finnland gibt es mehr IT-Geräte pro Schüler*in als in Luxemburg – dort kommt auf drei Schüler*innen ein Gerät, in Luxemburg und Dänemark ist es im Durchschnitt ein Gerät auf fünf Schüler*innen.

In Luxemburg gibt es also noch viel zu tun, um die Digitalkompetenz der Schüler*innen zu verbessern. Damit bestätigte die Studie die Konklusionen aus dem kürzlich erschienenen woxx-Artikel zum Thema: Die Revolution muss noch warten.

Die gesamte ICILS Studie lässt sich auf der Website der IEA nachlesen.


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