Oekotopten-Beratung zu Smartphones: Reparier mich!

Beim Kauf an die Lebensdauer der ressourcenintensiven Geräte zu denken, dabei hilft ein französischer Index und eine Oekotopten-Liste.

„Wir leben in einer Konsum- und Wegwerfgesellschaft.“ Die Feststellung ist nicht neu, die Luxemburger Beratungsstelle Oekotopten greift sie dennoch auf, um ihre kürzlich veröffentlichte Liste mit reparaturfreundlichen Smartphones vorzustellen. Nicht neu, aber besonders passend, denn, so erfährt man, es gibt hierzulande mehr Handys als Einwohner*innen. Dass immer mehr solche Geräte zu Elektroschrott werden oder in Schubladen verstauben, erklärt Oekotopten so: „Viele gönnen sich bei Erneuerung des Abo-Vertrags ein neues Gerät. Ein häufiges Ärgernis ist jedoch, dass nach wenigen Jahren oftmals keine Updates mehr zur Verfügung stehen oder es bei Defekten nicht möglich ist (oder es sich nicht lohnt), das Handy reparieren zu lassen.“ Wer nicht gezielt ein Fairphone wählte, konnte bisher beim Kauf kaum die Lebenserwartung des Geräts einschätzen. Doch seit Frankreich Anfang 2021 einen für alle angebotenen Handys verbindlichen Reparatur-Index eingeführt hat, existiert eine einfache Entscheidungshilfe.

Oekotopten hat sich die Mühe gemacht, aus der über 500 Mobiltelefone umfassenden französischen Liste die auszuwählen, die in Luxemburg erhältlich sind und einen Reparatur-Index von mindestens 6 von 10 Punkten erreichen. Die aus Frankreich übernommenen fünf Kriterien für die Bewertung betreffen die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Reparaturanleitungen, die Zerlegbarkeit des Geräts, die Preise für Ersatzteile sowie Sonstiges (Verfügbarkeit von Software-Updates, Unterstützung des Herstellers bei Reparaturen usw.).

In der luxemburgischen Liste nimmt das Fairphone 4 den Spitzenplatz ein – kein Wunder, denn Modularität ist eines der Grundprinzipien dieser Marke. Dahinter kommen Geräte großer Hersteller wie Samsung und Apple, für die die Bereitstellung von Ersatzteilen und Updates zur Imagepflege gehört, aber auch solche der chinesischen Firmen Xiaomi und Oppo. Lobenswert ist, dass Oekotopten, anders als die französische Website indicereparabilite.fr, zusätzliche technische Informationen liefert, insbesondere die SAR-Strahlungswerte. Die Beratungsstelle sieht ihre Liste als Möglichkeit für die Konsument*innen, dazu beizutragen, „dass Geräte länger leben, Ressourcen geschont werden und Elektroschrottberge weniger rasant anwachsen“.

Die Liste ist nicht alles

Die deutsche Fachzeitschrift für Digitaltechnik ct hat den französischen Index im April 2021 unter die Lupe genommen und schreibt: „Gerade die Detailbewertungen bieten schon jetzt eine gute Orientierung, wie einfach spätere Reparaturen sein werden.“ Im Beitrag über den Reparaturindex warnt sie aber auch vor Verzerrungen in der Bewertung: Dass zum Beispiel das teure Samsung Note20 Ultra besser abschneide als das günstige Modell Xcover Pro mit Wechselakku, liege weniger an der Reparierbarkeit als daran, dass die Ersatzteilpreise in Relation zum Kaufpreis des Handys gesetzt werden.

Klar ist auch, dass dieser Index nur einen kleinen Teil der ökologischen und sozialen Nebenwirkungen der Handyproduktion beleuchtet und die Haltbarkeit, die Ökobilanz oder die Lieferketten der Geräte ausblendet. Bedauerlich ist, dass die Sortierfunktion auf indicereparabilite.fr derzeit nicht funktioniert. Auch die luxemburgische Version der Liste hat Schwächen: So wird das in Luxemburg erhältliche Modell Google Pixel 6 nicht eingeordnet. Warum in der Seitenspalte ausgerechnet die relativ schlecht bewerteten Apple-Geräte angezeigt werden, ist ebenfalls nicht nachvollziehbar. Alles in allem ist der Oekotopten-Vorstoß weniger eine komplette Kaufberatung als eine Anregung, über die problematischen Aspekte der Handys nachzudenken und sich zu informieren.


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