„Die neue Aufklärung – Wirtschaft & Gesellschaft nach der Corona-Krise“ lautet der Titel des neuesten Buchs von Marcel Fratzscher. Der Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin ist am 19. Mai zu Gast bei einer Konferenz von Mouvement Écologique und Arbeitnehmerkammer (Chambre des salariés, CSL).

(Foto: Berlin Verlag)
Wie können die Auswirkungen der Corona-Krise so aufgefangen werden, dass alle von der Zukunft profitieren können? Das ist nicht nur die zentrale politische Frage unserer Zeit, sondern auch Thema von „Die neue Aufklärung“ von Marcel Fratzscher. Das Buch des Makroökonomen wurde im Oktober 2020 veröffentlicht, Fratzscher plädiert darin für einen „neuen Humanismus“: „Dieser […] erfordert Reformen des Sozialstaats, um allen Menschen Chancen und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Freiheit, Gerechtigkeit und Humanismus, die drei Ideale der Aufklärung, sind heute wichtiger denn je und werden entscheiden, wie die Welt und wir als Gesellschaft aus dieser Pandemie herauskommen werden“, heißt es in der Beschreibung der Konferenz.
Liest man sich Kritiken durch, könnte man zu dem Schluss gelangen, dass Fratzschers These, die Welt sei durch die Corona-Krise zusammengerückt und es habe sich eine neue Welle des Humanismus und der Solidarität gezeigt, mittlerweile widerlegt sei. Der Wirtschaftswissenschaftler wird seinen Optimismus gegen die Eindrücke der zweiten und dritten Welle und den Impfnationalismus des globalen Nordens verteidigen müssen. Bisher hatte man auch noch nicht den Eindruck, die Coronakrise sei tatsächlich „der Sargnagel für den Neoliberalismus“, wie Fratzscher es im April 2020 prophezeite. Gerade in Luxemburg wurden medizinische Dienstleistungen wie das Large Scale Testing an die Privatwirtschaft ausgelagert.
Ein starker Staat, der starke Investitionen in Infrastruktur wie Straßen, Schulen, aber auch Wasserstoffnetze tätigt – mit diesen Forderungen wird Fratzscher wohl eher wenig beim Publikum von CSL und Meco anecken, und auch der sozialdemokratische Wirtschaftsminister Franz Fayot, der den Vortrag des Ökonomen einleitet, wird damit wohl kaum Probleme haben. Ob die Visionen, die Fratzscher für eine neue Gesellschaftsordnung hat, tatsächlich mit dem Systemwechsel, den die Umwelt-NGO gerne propagiert, zusammenpassen, wird sich wohl erst in der Diskussion zeigen.
Die Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 19. Mai um 18 Uhr als Online-Konferenz statt. Um sich anzumelden, genügt eine E-Mail an inscription@meco.lu oder csl@csl.lu. Die Sprache des Events ist Deutsch, es wird jedoch eine Simultanübersetzung auf Französisch angeboten.