Schon gestreamt? Better Call Saul

von | 03.12.2017

„Breaking Bad“ gilt als eine der besten Fernsehserien aller Zeiten. Ein Spin-off davon konnte nur ein Flop werden? „Better Call Saul“ zeigt, dass es auch anders geht.

(© thenerdrecites.com)

Fast neun Jahre ist es mittlerweile her, dass die erste Staffel von „Breaking Bad” die ZuschauerInnen in Begeisterung versetzte. Im Zentrum dieser AMC-Serie steht der 50-jährige Chemielehrer Walter White (Brian Cranston), bei dem eines Tages Lungenkrebs im vierten Stadium diagnostiziert wird. Seine größte Sorge in dem Moment: Seine Familie – Frau (Anna Gunn), Sohn (RJ Mitte), neugeborene Tochter – fĂĽr den Fall seines Todes finanziell abzusichern. In seiner Verzweifelung entscheidet er sich ins Crystal-Meth-Geschäft einzusteigen. Dank seiner hervorragenden Chemiekenntnisse stellt er schon bald das beste Metamphetamin der ganzen Stadt her.

Als Chemielehrer war Walter ein Underdog. Als Drogenfabrikant kommt er auf einmal zu einem Grad an Macht und Anerkennung, wie er ihn bis dahin in seinem Leben noch nicht kannte. Nach und nach verliert er aus den Augen, worum es ihm ursprĂĽnglich ging und greift zu immer skrupelloseren Methoden, um seinen Status in der Drogenszene zu verteidigen.

Diese Geschichte über die Angst vor Entmannung hin zu einer durch und durch toxischen Männlichkeit stieß auf große Resonanz. Wirklich besonders an „Breaking Bad“ sind aber vor allem die Ästhetik, die Atmosphäre und der Rhythmus. Jede Folge ist ein visuell und dramaturgisch bis ins kleinste Detail perfektioniertes Kunstwerk. Wenn die Serie nicht gerade so spannend ist, dass es einen fast nicht mehr im Sitz hält, dann ist sie zumindest äußerst unterhaltsam und wunderschön anzusehen.

Nicht nur bei Walter und seinem Partner in Crime, Jesse Pinkman (Aaron Paul), handelt es sich um komplexe Figuren. Auch viele Nebenfiguren haben ihre Eigenheiten und durchlaufen interessante Entwicklungen. So wurden manche im Laufe der insgesamt fünf Staffeln zu einem zentralen Bestandteil der Serie, wie etwa Walters und Jesses Anwalt, Saul Goodman (Bob Odenkirk). In der vom Ton her eher düsteren Serie, kommt ihm die Funktion des Comic Reliefs zu. Wie schon Walter, wird auch Saul von einem Schauspieler verkörpert, den man bis dahin vor allem als Comedy-Darsteller kannte.

Ein Spin-off das funktioniert

Sowohl die Figur des Saul Goodman als auch Odenkirks Leistung inspirierten den Macher und Showrunner der Serie, Vince Gilligan, zum „Breaking Bad“-Spin-off „Better Call Saul“. In diesem steht, wie es der Titel andeutet, Saul Goodman im Zentrum, und zwar sechs Jahre bevor er Walter White kennenlernt. Die Serie erzählt wie aus dem sympathischen Anwalt Jimmy McGill – wie die Figur mit bĂĽrgerlichem Namen heiĂźt – der korrupte, selbstverliebte Saul Goodman aus „Breaking Bad“ wird. Im Vordergrund stehen seine Beziehungen zu seinem Bruder, Chuck McGill (Michael McKean) und zu seiner Freundin, Kim Wexler (Rhea Seehorn).

Es stellt sich heraus, dass Jimmy zwar schon immer auf zweifelhafte Methoden zurückgriff, um sich finanziell über Wasser zu halten, jedoch erst nach einer Reihe professioneller und privater Rückschläge zu einem Menschen wurde der, unter dem ehrenhaften Deckmantel des Anwalts, Kriminellen systematisch unter die Arme greift. Mehr noch als in „Breaking Bad“ vermag es Odenkirk in „Better Call Saul“ die ganze Bandbreite seines schauspielerischen Könnens unter Beweis zu stellen.

Neben Jimmy/Saul spielt noch eine weitere Figur aus „Breaking Bad“ eine wichtige Rolle in „Better Call Saul“: Mike Ehrmentraut (Jonathan Banks). In „Breaking Bad“ einer von Walters AntagonistInnen, geht es im Spin-off in erster Linie darum, wer Mike war, bevor er anfing, für den Drogenboss Gus Fring (Giancarlo Esposito) als Auftragsmörder zu arbeiten.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass man „Breaking Bad” nicht gesehen haben muss, um der Handlung des Prequels „Better Call Saul” folgen zu können. Es wurden eigene Geschichten und Figuren entwickelt, die auch für sich alleine stehend funktionieren.

Im Vergleich zu „Breaking Bad” hat „Better Call Saul” einen wesentlich leichteren Ton. Auch wenn illegale Aktivitäten in letzterer omnipräsent sind, stellen Gewaltszenen, anders als in der Vorgängerserie, eher eine Ausnahme dar. Gemeinsam ist beiden Serien die Ästhtetik und die aufwändige Kameraarbeit, welche einem schon mal den Atem verschlagen können. Ebenso wie „Breaking Bad” nie nur ein Drogenkrimi war, ist „Better Call Saul” weit mehr als eine Anwaltserie. Beide Serien sind gerade deshalb so unterhaltsam, weil sie sich eben nicht eindeutig einordnen lassen.

Vince Gilligan und seinem Team geht es nie an erster Stelle darum, die Handlung auf einen bestimmten Punkt zu bringen oder einen bewusst spannenden Moment zu schaffen. Ihr Mantra besteht vielmehr darin, jede Figur sich ihrer individuellen Logik entsprechend entwickeln zu lassen. Die Spannung entsteht dabei nebenher, was umso effektiver ist. Nichts wirkt, als es sei es über’s Knie gebrochen, kein Twist mit den Haaren herbeigezogen. Zeitweise scheinen manche Handlungsstränge nirgendwo hinzuführen, bis sich auf einmal alles zusammenfügt.

Sowohl in „Breaking Bad” als auch in „Better Call Saul” stellt „Männlichkeit” eine zentrale Thematik dar. Rivalitäten zwischen Männern sind das Herzstück beider Serien. Die weiblichen Figuren kommen im Vergleich dazu leider oft zu kurz. Doch Gilligan scheint sich die Kritik an „Breaking Bad” zumindest ein wenig zu Herzen genommen zu haben: Immerhin eine Frau in „Better Call Saul”, und zwar Kim Wexler, ist eine faszinierende Hauptfigur.

Von „Better Call Saul” gibt es mittlerweile drei Staffeln. Auf Netflix.

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