Schon gestreamt? Killing Eve

Phoebe Waller-Bridges Serie „Killing Eve“ hätte ein durchschnittlicher Spionage-Thriller werden können, wären da nicht die hervorragend gespielte Villanelle und ihr erotisch aufgeladenes Katz-und-Maus-Spiel mit der Agentin Eve Polastri.

© BBC America / Lunion.fr

„I came to Killing Eve for Sandra Oh – I wasn’t prepared for Jodie Comer“, dieser Tweet bringt auf den Punkt, was wohl viele andere Zuschauer*innen hinsichtlich der BBC-America-Serie „Killing Eve“ denken. Dem könnte man hinzufügen, dass vermutlich einige die Serie wegen ihrer homoerotischen Untertöne aufsuchten. Womit aber wohl die wenigsten gerechnet haben: Die sexuelle Anziehung zwischen den beiden Figuren nicht nur angedeutet, sondern sehr explizit ist.

Doch erst mal zurück zu Jodie Comer. Die britische Schauspielerin verkörpert die Antagonistin der Serie: Eine russische Auftragskillerin, die sich selbst den Namen Villanelle gegeben hat. Villanelle ist eine Psychopathin – und weiß das auch. Sie hat nicht nur keine Empathie und kein schlechtes Gewissen, sondern auch eine distanziert-humorvolle Haltung zu allem, was sie tut. Ihr wird schnell langweilig und das Töten hilft ihr, ihre Abenteuerlust zu stillen. Villanelle hat aber auch etwas Kindliches: Ihre kurze Aufmerksamkeitsspanne und eine Vorliebe für Verkleidungen und Überraschungen machen sie höchst unberechenbar. Gleichzeitig ist sie verdammt gut in dem, was sie tut. Egal was passiert – Villanelle behält die Oberhand. Ihr wohl durchschnittlichster Zeitvertreib liegt im Konsum extravaganter Kleidungsstücke, die von High Femme bis androgyn reichen. Das alles macht diese Figur unwiderstehlich und unausstehlich zugleich. Wie kann man eine kaltblütige Killerin derart sympathisch finden?

Diese Frage muss sich wohl auch die von Sandra Oh gespielte Agentin Eve Polastri stellen. Die hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Villanelle hinter Gitter zu bringen. Als wäre diese Aufgabe nicht schon kompliziert genug, kommt erschwerend eine extreme Faszination für Villanelle hinzu. Letztere macht keinen Hehl daraus, dass sie sich zur Agentin hingezogen fühlt. Eve selbst versucht ihre Gefühle zwar zu verstecken, es will ihr, zur Irritation ihres sozialen und professionellen Umfelds, aber nicht so recht gelingen. „Killing Eve“ liefert in etwa das lesbische Pendant zum Verhältnis von Will Graham und Dr. Lecter in „Hannibal“ (2013-2015).

Damit wäre das beste und wichtigste dieser Serie, die auf Novellen des britischen Autors Luke Jennings beruht, bereits beschrieben. Dass die von Phoebe Waller-Bridge kreierte Serie sich selbst nicht allzu ernst nimmt, macht sie zwar zu einem unterhaltsam Sehgenuss. Trotzdem kommt nichts an den Reiz heran, der von Villanelle und dem Katz-und-Maus-Spiel zwischen ihr und Eve ausgeht. Es versteht sich von selbst, dass der oben beschriebene Facettenreichtum Villanelles nicht ohne das beeindruckende Talent Jodie Comers möglich wäre. Für ihre Leistung bekam sie am 12. Mai einen Bafta (British Academy Television Award); „Killing Eve“ wurde am selben Abend als beste Serie ausgezeichnet.

Am kommenden Sonntag feiert „Killing Eve“ das Finale ihrer zweiten Staffel.

Auf Amazon Prime und iTunes.


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