Schon gestreamt? Mrs. Fletcher

Die humorvolle und intelligente Miniserie mit Kathryn Hahn in der Hauptrolle beleuchtet Sexualität und Konsens aus verschiedenen Blickwinkeln.

© HBO

Serien mit Fokus auf der Sexualität mitt-40-jähriger Frauen sind auch im Jahr 2020 noch spärlich gesät. Zumal, wenn diese Frauen auch noch queer sind, wie es bei der Protagonistin der HBO-Serie „Mrs. Fletcher“ der Fall ist.

Eve (Kathryn Hahn) ist geschiedene Single, Pflegerin und Mutter eines Teenagers (Jackson White). Als dieser auszieht, hat Eve zum ersten Mal in ihrem Leben Zeit, um sich mit ihren eigenen Bedürfnissen und Wünschen auseinander zu setzen. Doch auch für Sohn Brendan steht eine neue Lebensphase an. In der Schule war beliebt und begehrt – an der Uni eckt er mit seiner objektivierenden Sicht auf Frauen jedoch ständig an.

Nach „Election“, „Little Children“ und „The Leftovers“ handelt es sich hierbei um die vierte Adaptation eines Werks von Tom Perrotta. Seit „Election“ war der Autor an der Ausarbeitung jeder dieser Serien-Adaptionen seiner Romane beteiligt. Für „Mrs. Fletcher“ hat er mit Regisseurin und Autorin Nicole Holofcenter zusammengearbeitet, die unter anderem für ihre Beteiligung an Serien wie „One Mississippi“ und „Parks and Recreation“ und Film-Drehbücher für „Can you ever forgive me“ und „Friends with Money“ bekannt ist.

Vordergründig geht es in „Mrs. Fletcher“ um die Schwierigkeit, gesellschaftliche Botschaften, die bezüglich Sex vermittelt werden, mit der Realität in Einklang zu bringen. Den größten Teil der Serie verbringt Eve damit, Pornos zu schauen, zu sexuellen Fantasien zu masturbieren und darüber nachzudenken, was sie eigentlich will. Das ist eine erfrischende Abwechslung gegenüber Serien, deren Auseinandersetzung mit Sexualität sich in der Darstellung sexueller Handlungen erschöpft. „Mrs. Fletcher“ interessiert sich für das Dazwischen, die Zeit, in der Menschen für sich herauszufinden versuchen, welchen Teil ihrer Sexualität sie mit anderen Menschen ausleben möchten und was sie als reine Fantasie bevorzugen.

Am Beispiel von Brendan wird gezeigt, was passieren kann, wenn dieser gedankliche Prozess nicht stattfindet: In seinen Interaktionen mit Frauen orientiert er sich blind an pornographischen Darstellungen und vergisst, dass sein Gegenüber Gefühle und Bedürfnisse hat, die nicht notgedrungen mit den seinen übereinstimmen. Auf nuancierte Weise wird hier ein Mensch gezeigt, der angesichts der sogenannten „woke culture“ dazu verleitet wird, seine bisherige Identität gänzlich in Frage zu stellen.

In beiden Erzählsträngen meidet „Mrs. Fletcher“ Kitsch und Klischees und bleibt dadurch stets unvorhersehbar. Einziger Wehrmutstropfe dieser ansonsten tollen Serie ist die letzte Sequenz, in der Eve für ihre neugefundene sexuelle Ermächtigung abgestraft wird. 

Mrs. Fletcher kann auf www.ocs.fr gestreamt werden.


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