Willis Tipps: Mai 2019

Syrische Melancholie

Waed Bouhassoun ist eine der wenigen Frauen, die die arabische Oud-Laute spielen. Sie stammt aus dem Süden Syriens, hat in Damaskus das Konservatorium besucht und ist später nach Frankreich gegangen. Waed Bouhassoun singt auch und war bereits Mitglied im Ensemble des Experten für Alte Musik, Jordi Savall. Bouhassouns Debutalbum erschien 2009 und jetzt ist ihre vierte Platte Safar: les âmes retrouvées erhältlich. Teils handelt es sich bei den Aufnahmen um Eigenkompositionen und Traditionelles aus Syrien, teils sind es Lieder aus anderen Gegenden, wie aus der Türkei oder dem historischen Andalusien. Die Grundstimmung ist melancholisch. Bouhassoun wird von der türkischen Saz, Perkussion und der Ney-Flöte begleitet, die unter anderem vom berühmten türkischen Sufi-Spezialisten Kudsi Erguner beigesteuert wird. Dieses hervorragende Album Waed Bouhassouns ist ein ganz ruhiges, entrücktes Werk und gleichzeitig voller Spannung.

Waed Bouhassoun – Safar: les âmes retrouvées (Buda Musique)

Iran mit Streichern

Ein Projekt mit Tiefgang. Die beiden Schwestern Mahsa und Marjan Vahdat sind mit ihren ausdrucksstarken Stimmen die bekanntesten Vertreterinnen des iranischen Frauengesangs. Das 1973 gegründete Kronos Quartet gilt als das Spitzenstreichquartett für zeitgenössische „ernste“ Musik, das aber seit Jahrzehnten angstfrei und gekonnt auch Jazz und Weltmusik verarbeitet. Die 14 Stücke auf Placeless sind Mahsa Vahdats Vertonungen von Gedichten. Einige wurden von zeitgenössischen iranischen Lyriker*innen, wie der bereits 1967 verstorbenen Dichterin und Regisseurin Forugh Farrochzād geschrieben, andere sind Jahrhunderte alt und stammen von den persischen Mystikern Rumi und Hafez. Das Kronos Quartet hat die erstaunliche Fähigkeit, mit zwei Violinen, Viola und Cello in ganz andere Sphären als Klassik zu tauchen und schafft für die bewegenden Kompositionen und die emotionalen Stimmen der Vahdats einen ganz neuen Rahmen. So entstand mit Placeless ein außergewöhnliches Album mit iranischer Musik von tiefer Eindringlichkeit und Schönheit.

Kronos Quartet, Mahsa & Marjan Vahdat – Placeless (Kirkelig Kulturverksted)

Knackige Japan-Fusion

Doch, Japan hat mehr als Sushi und Manga! Die Platte der Minyo Crusaders ist für Kenner ein Muss und für Japan-Neulinge der passende musikalische Einstieg. Die Stücke der zehnköpfigen Band basieren auf traditionellen Volksliedern (Minyo) und sie mixt sie mit Reggae, Afroklängen, Cumbia und anderen Latin-Stilen. Und siehe da, schon wirkt japanische Tradition viel vertrauter. Die Besetzung der Gruppe ist elektrisch, der Sound ist rockig bis sphärisch und so finden auch Unkundige rasch einen Zugang. Dass der weltgewandte US-Slidegitarrist Ry Cooder die Band im Internet fand und sie ermutigte, ihren ersten Longplayer aufzunehmen, sollte selbst beinharte Skeptiker*innen neugierig machen. Die Minyo Crusaders sind Teil einer reichen Untergrundszene im ostasiatischen Inselstaat und das Beste, was ich seit Jahren von dort gehört habe. Das klasse Debutalbum der Band, Echoes of Japan ist das Ticket für einen aufregenden Japantrip.

Minyo Crusaders – Echoes of Japan (Mais Um)

Transglobal World Music Chart April – Top 20

1. Refugees for Refugees – Amina (Muziekpublique) Syrien/Irak/Afghanistan/Pakistan/Tibet/Belgien
2. Kronos Quartet, Mahsa & Marjan Vahdat – Placeless (Kirkelig Kulturverksted) USA/Iran
3. Waed Bouhassoun – Safar: les âmes retrouvées (Buda Musique) Syrien
4. Bassekou Kouyate & Ngoni Ba – Miri (Outhere) Mali
5. Alim Qasimov and Michel Godard – Awakening (Buda Musique) Aserbaidschan/F
6. Minyo Crusaders – Echoes of Japan (Mais Um) Japan
7. The Gloaming – 3 (Real World) Irland/USA
8. Las Hermanas Caronni – Santa Plástica (Les Grands Fleuves) Argentinien
9. AKA Trio – Joy (Bendigedig) Italien/Senegal/Brasilien
10. Kel Assouf – Black Tenere (Glitterbeat) Niger/Tunesien/BE
11. Leyla McCalla – The Capitalist Blues (Jazz Village/PIAS) USA
12. Le Trio Joubran – The Long March (Cooking Vinyl) Palästina
13. Ifriqiyya Electrique – Laylet el Booree (Glitterbeat) Fusion
14. Urna Chahar-Tugchi & Kroke – Ser (Urna Chahar-Tugchi/UCT) Innere Mongolei/Polen
15. Oratnitza – Alter Ethno (Fusion Embassy) Bulgarien
16. Söndörgö – Nyolc 8 Nyolc (SNDRG Music) Ungarn
17. Kanazoé Orkestra – Tolonso (Buda Musique) Burkina Faso
18. Adir Jan – Leyla (Trikont/BGST) Kurdistan/D
19. Altın Gün – Gece (Glitterbeat) Türkei/NL
20. Coşkun Karademir Quartet – Öz / Essence (Kalan) Türkei

Die TWMC TOP 20/40 bei: http://www.transglobalwmc.com/ und bei Facebook „Mondophon auf Radio ARA“ und www.woxx.lu/author/Klopottek.


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