Schon getreamt? Big Mouth

Erster Kuss, High-School-Partys und unerwünschte Erektionen – die Cartoon-Serie „Big Mouth“ erzählt sowohl humorvoll und vulgär als auch einfühlsam und differenziert von den Alltagserfahrungen einer Gruppe von Teenager*innen.

(©uk.newonnetflix.info)

 

Die Pubertät ist eine Zeit der großen körperlichen Veränderungen, doch auch das Sozialleben wird auf den Kopf gestellt: Da ist zum Beispiel die Sorge, dass man sich vor seiner Flamme blamiert, der Wunsch nach mehr Privatspäre oder die Angst nicht dazuzugehören. Netflix hat nun eine Serie über diese zutiefst aufwühlende Zeit herausgebracht.

Kreiert von Jennifer Flackett, Nick Kroll, Mark Levin und Andrew Goldberg, erzählt „Big Mouth“ vom 13-jährigen Andrew und seinen besten Freunden  Jessi und Nick. Während Andrew sich mit den Anfängen der Pubertät herumplagt, leidet letzterer darunter, dass diese bei ihm noch nicht eingesetzt hat. Jessi dagegen hat ihre ganz eigenen Probleme: Auf einer Klassenfahrt auf der sie ausgerechnet weiße Shorts trägt, bekommt sie ihre erste Regelblutung.

Das alles wird uns als Animation präsentiert und diese Form passt perfekt zum Gegenstand. So kann hier vieles visualisiert werden, das in einer Live-Action Variante lediglich hätte angedeutet werden können. Das sind offensichtliche Dinge wie etwa Genitalien; es können aber auch surrealistische Tagtraumsequenzen und Musical-Einlagen sein.

Aufgrund der Form fallen selbst außerweiltliche Figuren visuell nicht aus dem Rahmen. Einige der Figuren holen sich nämlich regelmäßig Rat beim Geist des verstorbenen Jazzmusikers Duke Ellington. Die Präsenz des „Hormonmonsters“ stellt sich als besonders cleverer Kunstgriff heraus, hilft dieses doch die Gefühle, inneren Kämpfe und körperliche Bedürfnisse der Figuren zu veranschaulichen. Dadurch werden Reaktionen nachvollziehbar, die ansonsten wenig Sinn ergeben würden: Warum wird Andrew plötzlich so wütend? Warum will Jessi unbedingt diesen einen roten BH? Ganz klar: Das „Hormonmonster“ hat wieder einmal zugeschlagen.

Die Starriege an Comedy-Darsteller*innen, die Kroll und Co. für die Synchronisation gewinnen konnten, ist beeindruckend: Maya Rudolf als Monstress (dem weiblichen Pendant zum Hormonmonster), Jenny Slate als Missy, Jordan Peele als Geist von Duke Ellington, Nathan Fillions als er selbst, Jon Hamm als Jakobsmuscheln und, besonders lustig, Kristen Wiig als Jessis Vagina.

„Big Mouth“ strotzt nur so vor selbstreferentiellen Bemerkungen und kreativen Dialogen. Was der Mons Pubis sei, fragt Andrew an einer Stelle. „Oh it’s the welcome mat to the pleasure palace“, entgegnet Jessi daraufhin. Trotz humorvoller Herangehensweise geht die Serie einfühlsam an delikate Themen wie zum Beispiel sexuelle Belästigung oder Unsicherheiten bezüglich der eigenen sexuellen Orientierung heran.

Die Serie dürfte vor allem jenen gefallen, bei denen die Anfänge der Pubertät schon ein wenig zurücklücken.

Auf Netflix.


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