Covid-19: Bessere Daten bitte!

Die Zahlen der Covid-19-Neuinfektionen ziehen wieder an. Trotzdem hat die Regierung immer noch keine kohärente Strategie, wie die offiziellen Zahlen veröffentlicht werden.

Bildunterschrift: Stand der Covid-19-Neuinfektionen am 1. Juli 2020, Visualisierung von donneeen.lu

Die Pandemie ist auch in Luxemburg noch nicht vorbei. Wer glaubte, dass auf den Lockdown-Frühling ein sorgenloser Sommer mit vielen Festen folgen würde, wurde spätestens Ende letzter Woche eines Besseren belehrt. Wir werden alle noch lange jeden Abend mit Spannung auf die neusten Zahlen warten. Doch die Informationspolitik der Regierung lässt zu wünschen übrig.

Unter Covid19.lu finden sich einige grundsätzliche Angaben zu aktiven Fällen, Neuinfektionen und Demografie der Erkrankten, aber vieles davon ist nicht selbsterklärend. So gibt es zu dem viel diskutierten Reproduktionsfaktor R, der beschreibt, wie viele Personen eine infizierte Person im Schnitt ansteckt, zwar ein vermeintlich erklärendes Dokument, dort werden die unterschiedlichen R-Werte, die vom Ministerium grafisch dargestellt werden, jedoch nicht erläutert. Überhaupt sind die Grafiken verwirrend: Auf der Startseite von Covid19.lu werden die neuen Meldungen genannt, in den Grafiken werden diese jedoch den Tagen zugewiesen, an denen die Tests durchgeführt wurden. So wurden aus den 43 Neuinfektionen am vergangenen Dienstag am Mittwoch 53 Neuinfektionen, was sich aus später eingetroffenen Testresultaten erklärt. Diese einfache Tatsache ist jedoch nirgendwo erläutert oder auch nur angemerkt. Andere Daten sind sang- und klanglos verschwunden: Etwa die Zahlen, die das nationale Statistikinstitut Statec am Anfang der Krise online gestellt hatte.

Wer sich mit den vorgefertigten Grafiken nicht zufrieden gibt, könnte theoretisch auf Rohdaten zurückgreifen, die es als Excel-Dokument auf dem Open Data-Portal der Regierung herunterzuladen gibt. Klitzekleines Problem: Diese Dateien werden nicht regelmäßig aktualisiert. Wer sich einen guten Überblick über die aktuellen Daten verschaffen will, greift auf die Visualisierungen auf donneeen.lu zurück, die von einem Freiwilligen, Ben Elsen, erstellt werden. Seit dem letzten Wochenende ist eine Warnung auf der Website zu lesen: Ändert sich die Beschaffenheit der offiziellen Daten noch einmal so, dass größerer Aufwand entsteht, wird das Projekt eingestellt.

Davor hatte die Regierung verkündet, am Wochenende nur noch drei Werte zur aktuellen Covid-19-Infektionslage zu veröffentlichen und alle anderen am Montag nachzureichen. In der unsicheren Periode, in der wir uns gerade befinden, ist das kein gutes Signal der Regierung. Die Öffentlichkeit benötigt nicht weniger, sondern mehr Daten, mehr Kontext und bessere Erklärungen. Nach der Pressekonferenz zur Lage am Mittwoch wurde die erste Version einer wöchentlichen Analyse der aktuellen Situation verschickt – diese Zahlen sind jedoch nicht auf den Websites der Regierung zu finden. Das versetzt auch Journalist*innen in eine schwierige Situation: Statt öffentliche Zahlen analysieren und einordnen zu können, werden sie zu Überbringer*innen degradiert.

Statt öffentliche Zahlen analysieren und einordnen zu können, werden Journalist*innen zu Überbringer*innen degradiert

Andere Informationen werden überhaupt nur scheibchenweise in Interviews oder Parlamentsreden preisgegeben, etwa wo Infektionscluster entstanden sind. Auf dem Blog des Luxembourg Institute of Health war zu lesen, dass ein Mitarbeiter, der mit Proben arbeitete, infiziert war – die naheliegende Vermutung, dass der Anstieg der Neuinfizierten auf kontaminierte Proben zurückzuführen sein könnte, wurde in dem Artikel jedoch überhaupt nicht aufgegriffen. Eine Antwort auf unsere diesbezügliche Frage haben wir noch nicht erhalten, da die Zahlen jedoch weiterhin gestiegen sind, ist die Theorie wenig wahrscheinlich.

Die Informationspolitik der luxemburgischen Regierung und Behörden muss sich verbessern. Die sanitäre Krise zeigt, dass der Ruf nach Open Data kein ideologisches Luxusproblem einiger Nerds ist, sondern reale Konsequenzen für Menschenleben hat. Es bleibt zu hoffen, dass der erhöhte Druck im Gesundheitsministerium auch zu mehr Bereitwilligkeit führt, hochqualitative Daten transparent zu veröffentlichen.


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