Méco-Umfrage: Große Mehrheiten für ökologischen Umbau der Gesellschaft

Eine Umfrage zu umweltpolitischen Einstellungen, die der Mouvement écologique in Auftrag gegeben hat, zeigt, dass die Gesellschaft für den ökologischen Wandel bereit ist.

„Menschen wollen kein Zurück in die Gesellschaft ‚Vor-Corona‘: Gesellschaftliche und wirtschaftliche Reformen werden von der Politik erwartet“ – so betitelte der Mouvement écologique seine neuste Pressemappe. Während déi Gréng im Politmonitor der Kolleg*innen von Wort und RTL nicht unbedingt gute Resultate einfuhren, wähnt sich der Méco von einer Umfrage, die die Umwelt-NGO bei TNS-Illres in Auftrag gegeben hat, in beinahe allen politischen Forderungen bestätigt. Umfragen sind natürlich immer mit Vorsicht zu genießen, besonders in Luxemburg – allerdings ist es durchaus schwieriger, Wahlverhalten abzubilden als Meinungen abzufragen.

Die über 1.000 Teilnehmer*innen wurden vor allem zu umweltpolitischen Fragen und zu den Änderungen, die die Covid-19-Krise in ihren Einstellungen ausgelöst hat, befragt. Die Pandemie, aber vermutlich auch andere Naturkatastrophen haben dazu geführt, dass 77 Prozent die Menschheit als verletzlich und als Teil der Natur sehen. Lediglich 12 Prozent stimmten der Aussage zu, dass Menschen durch Technik und Fortschritt die Natur kontrollieren könnten. Bei gut einem Drittel der Befragten hat sich durch Covid-19 die Wertschätzung der Natur gesteigert. Der Méco sieht sich bestätigt: „Diese ‚Demut‘ und letztlich reale Einschätzung der Situation sollte dazu führen, dass wir einen anderen Bezug zu unserer Mitwelt entwickeln und dringend erforderliche Maßnahmen – z.B. zur Bekämpfung der Biodiversitäts- und der Klimakrise, dem Erhalt unserer Lebensgrundlagen – nicht weiter auf die lange Bank schieben.“

Viele Aktivist*innen aus den verschiedensten Bereichen forderten in den letzten Monaten, die Wirtschaftsordnung nach der Pandemie grundlegend umzukrempeln. In Luxemburg scheint es Appetit dafür zu geben: Zwei Drittel der Befragten sehen jetzt den Moment für grundsätzliche Änderungen im gesellschaftlichen Leben, 71 Prozent wollen sogar grundlegende Veränderungen im Wirtschaftssystem. Eine große Mehrheit von 91 Prozent befürwortet dabei ein Wirtschaftsmodell, das Natur und Mensch in den Fokus rückt – ohne aber eine „starke Wirtschaft“ aufgeben zu wollen. Als Maßnahmen hierfür sind regionale Produktion und kürzere Lieferketten besonders beliebt. Auch der Welthandel soll gerechter werden, was fünf Sechstel der Befragten befürwortet.

Dabei soll die Politik den Rahmen vorgeben – auch durch Verbote – und nicht jede Entscheidung auf einzelne Verbraucher*innen abwälzen. 84 Prozent der Befragten unterstützen diese Aussage. Fragen zu möglichen Änderungen des eigenen Verhaltens wurden jedoch ambivalent beantwortet. Ganze 55 Prozent sind gegen eine Erhöhung der Treibstoffpreise, 57 Prozent befürworten jedoch höhere Energiepreise bei sozialem Ausgleich. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten wäre bereit, nur noch alle drei Jahre eine Flugreise zu unternehmen, 60 Prozent würden ihr Fahrrad stärken nutzen, wenn die Infrastrukturen besser ausgebaut wären. Überhaupt ist der Infrastrukturausbau in Luxemburg populär: 80 Prozent wollen eine konsequentere Förderung des öffentlichen Transportes, 73 Prozent bessere Fahrradinfrastrukturen.

Interessant ist auch, dass 81 Prozent der Befragten bereit wären, nur noch 1–3 mal in der Woche Fleisch zu essen, wenn das Angebot in Restaurants angepasst würde. Heute würden das bereits 8 Prozent tun, so die Umfrageergebnisse. Der Méco gibt sich überrascht und erfreut ob dieser Ergebnisse, will manche Fragen, wie etwas jene zu den Treibstoffpreisen jedoch noch weiter analysieren. „Vor Jahren hätte man auch wohl kaum mit einer derart hohen Bereitschaft des Einzelnen zu handeln gerechnet. Politik und Gesellschaft müssen bereit sein, eine derartige Ambivalenz – die eigentlich nur menschlich ist – auszuhalten und sogar bewusst aufzugreifen. Nicht auf polemische Art und Weise sondern im Bewusstsein, dass es scheinbar eine hohe Akzeptanz für eine neue Werteordnung und Veränderung gibt. Wissend aber auch, dass die Politik zielführende Instrumente vorlegen muss, die auch sozial gerecht ausgerichtet sind“, heißt es abschließend im Pressedossier.

Die gesamten Umfrageergebnisse lassen sich auf der Website des Méco nachlesen.


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