Covid-19-Impfung: Pandemie in den Köpfen

Das Virus kann nur besiegt werden kann, wenn genügend Impfskeptiker*innen überzeugt werden.

Fotos: CC-BY SELF x American Academy of Pediatrics Vaccine Photo Project/Heather Hazzan

In den letzten Tagen scheinen sich die positiven Nachrichten im Bezug auf Impfungen gegen Sars-Cov-2 zu häufen: Am Mittwoch begann Luxemburg mit der Vakzinierung der Bewohner*innen von Alten- und Pflegeheimen, am gleichen Tag erteilte die europäische Medikamentenbehörde Ema dem Impfstoff von Moderna die Zulassung. Es wäre jedoch verfrüht, sich zurückzulehnen und darauf zu warten, dass genügend Menschen geimpft sind. Die Impfgegner*innen säen bereits seit Jahren Zweifel.

Im US-amerikanischen Bundesstaat Wisconsin versuchte ausgerechnet ein Apotheker Impfdosen für 500 Personen zu zerstören. Er glaubte den Verschwörungsmythen, das Serum schade Menschen und verändere deren DNS. Die vermeintlichen Argumente der Impfkritiker*innen reichen von Bedenken gegenüber der Schnelligkeit, mit der die Zulassung erteilt wurde bis hin zu völlig absurden Theorien wie dem Spritzen von Mikrochips, mit denen Bill Gates uns fernsteuern könne.

Seit Jahren gibt es besonders in esoterikaffinen, aber auch stramm rechten Kreisen eine wachsende Skepsis oder gar Feindschaft gegenüber Impfungen. Angefeuert werden sie von Quacksalber*innen, die mit ihren kruden Aussagen Bücher und „alternative“ Medizin verkaufen wollen. Menschen, die tief in diesem Verschwörungssumpf stecken, wird man nicht leicht von der Sinnhaftigkeit einer Impfung überzeugen können – hier bräuchte es wahrhaftige Aussteiger*innenprogramme.

Allerdings gibt es viele Menschen, die vielleicht etwas Angst vor der Impfung haben, nicht einsehen, warum sie – gesund und jung – sich impfen lassen sollen oder einfach skeptisch gegenüber der Pharmaindustrie sind. Mit genügend emotional vorgetragener Desinformation lassen sich Skeptiker*innen zu Impfverweiger*innen oder gar -gegner*innen wandeln. In dieses Horn bläst auch die rechtspopulistische ADR: Die Impfung sei experimentell, nicht genügend getestet und es sei gar nicht sicher, ob sie gegen eine Infektion schütze. Vermutlich sieht die Partei die Impfkritik als eine Möglichkeit, die Tür für Verschwörungsideolog*innen zu öffnen, ohne selbst allzu abgehoben zu wirken.

80 bis 90 Prozent der Bewohner* innen von Alters- und Pflegeheimen wollen sich impfen lassen, wie der Träger ZithaSenior erhoben hat. Wie diese Quote bei jüngeren Menschen in Luxemburg aussieht, wissen wir nicht. Sollte sich die ansteckendere englische Mutante weiter verbreiten, muss die Impfstrategie allerdings vielleicht angepasst werden und junge Menschen vorgezogen werden, um eine schnelle Verbreitung zu stoppen.

Bevor Covid ausgerottet werden kann, muss das Virus der Impfskepsis besiegt werden.

Wenn wir Pech haben, könnten wir ein ähnliches Szenario wie beim Referendum 2015 erleben: Eine siegessichere Regierung macht kaum Kampagne, wartet zu lange und muss zusehen, wie die Gegner*innen in den sozialen Netzwerken die Diskurshoheit erobern. Das heißt nicht, dass Kritik und Fragen nicht möglich sein sollten: Im Gegenteil, nur der offene Umgang damit kann Vertrauen schaffen.

Bevor der Kampf gegen Covid-19 gewonnen werden kann, muss das Virus der Impfskepsis in den Köpfen besiegt werden. Die Regierung sollte jedoch alles daransetzen, um alle, die in Luxemburg wohnen und arbeiten, davon zu überzeugen, sich impfen zu lassen. Die Expert*innengespräche per Livestream, bei denen Fragen gestellt werden können, sind ein guter Anfang: Das Gesundheitsministerium, das CHL und die europäische Verbraucher*innenzentrale haben solche Events organisiert.

Es kann jedoch nicht bei vereinzelten Aktionen bleiben. Eine große Kampagne, die Virus, Immunsystem und Wirkung der Impfung erklärt, ist vonnöten. Dazu gehört auch, ehrlich über Unsicherheiten und Wissenslücken zu informieren. Es könnten sich auch einige ältere Promis – etwa Jean-Claude Juncker, Astrid Lulling und Fausti – öffentlichkeitswirksam impfen lassen, um weiter Vertrauen in die Impfung zu schaffen. Stilles Hoffen, dass genügend Menschen sich von alleine dazu bereiterklären, die Impfung zu erhalten, wird keinesfalls reichen.


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