Der Preis der Gewalt gegen Frauen

Erste Einblicke in eine neue Studie des European Institute for Gender Equality offenbaren: Genderspezfische Gewalt kostet die EU schätzungsweise Milliarden. Auch Luxemburg ist in der Hochrechnung vertreten. Das Gleichstellungsministerium hat sich der woxx gegenüber zu den Zahlen geäußert.

© pxfuel.com

Gewalt gegen Frauen kostet die EU schätzungsweise 289 Milliarden Euro im Jahr. Die Ausgaben für genderspezifische Gewalt im Allgemeinen belaufen sich jährlich auf 366 Milliarden Euro. Das ergeben Recherchen des European Institute for Gender Equality (EIGE). Das Institut veröffentlichte gestern erste Zahlen aus seiner Studie „The costs of gender-based violence in the European Union“. Als Fallbeispiel diente dem EIGE das Vereinte Königreich. Hier sei die Datenlage im Vergleich zu anderen europäischen Ländern gut, heißt es in der Einleitung zur Studie als Begründung. Im August wird die Studie integral veröffentlicht. Die woxx erhielt bereits Einblicke.

„Menschenleben, Schmerz und Leid können nicht beziffert werden. Die Kosten der Gewalt zu kennen kann EU Ländern dennoch helfen, ihre Gelder dort einzusetzen, wo sie wirklich gebraucht werden – und wo sie kosteneffizient sind.“, schreibt Carlien Scheele, Direktorin des EIGE, in der Pressemitteilung zur Studie. „Das Geld, das zur Unterstützung der Opfer ausgegeben wird, ist nicht genug, wissend dass Dienste wie Notunterkünfte nur 0,4 Prozent der Ausgaben im Hinblick auf genderspezifische Gewalt ausmachen.“

Am teuersten kommen die EU die physischen und emotionalen Folgen genderspezifischer Gewalt zustehen. Sie machen 56 Prozent der Kosten aus, gefolgt von der Finanzierung strafrechtlicher Dienste (21 Prozent) und dem Verlust des ökonomischen Outputs (14 Prozent), der mit den Gewaltakten einhergeht. Andere Kosten, die anfallen: zivilrechtliche Dienste, Wohnbeihilfen, Kinder- und Jugendschutz.

Die luxemburgische Regierung kostet genderspezfische Gewalt laut EIGE insgesamt um die 503 Millionen Euro, davon fallen rund 399 Millionen Euro für Gewalt gegen Frauen und 208 Millionen für Beziehungstaten mit weiblichen Opfern an. Europaweit machen Gewaltverbrechen in Beziehungen mit männlichem Täter und weiblichem Opfer schätzungsweise 87 Prozent aller Kosten in diesem Bereich aus.

Für die Bekämpfung sexualisierter Gewalt und für die Begleitung der Opfer sowie der Täter*innen, stehen dem Ministerium für die Gleichstellung von Frauen und Männern dieses Jahr 17,3 Millionen Euro zur Verfügung. Das teilte die Pressesprecherin des Ministeriums, Bérengère Beffort, der woxx auf Nachfrage mit.

Das Ministerium halte Datenerhebungen wie die der EIGE für ein wichtiges Feld, so die Sprecherin weiter. „In dem Sinne hat das MEGA den Observatoire de l’Egalité initiiert, der vor ein paar Monaten mit den Bereichen häusliche Gewalt sowie der Situation auf dem Arbeitsmarkt an den Start gegangen ist. Das Observatoire erfasst Daten unterschiedlicher Institutionen und Organisationen und wird in den kommenden Jahren regelmäßig ausgebaut werden. Besonders im Hinblick auf den Opferschutz und die Begleitung der TäterInnen werden die gesammelten Daten weiterhin vertieft.“

Hieß es vonseiten des Gleichstellungsministeriums im Juni letzten Jahres noch, die Ausgangsbeschränkungen während der Pandemie hätten bis dahin nicht zu einem Anstieg von Polizeieinsätzen aufgrund häuslicher Gewalt geführt, bezeugt der aktuelle Bericht des Comité de coopération entre les professionnels dans le domaine de la lutte contre la violence das Gegenteil: Die gemeldeten Fälle häuslicher Gewalt haben 2020 ihren Höchststand seit 2011 erreicht. Das Comité legte letzten Monat seinen detaillierten Jahresbericht vor.

Letztes Jahr schritt die Polizei 943-mal wegen häuslicher Gewalt ein. 2019 gabe es 849 Einsätze. In 278 Fällen kam es letztes Jahr zur Wegweisung der Täter*innen. Die 1.697 Opfer waren zu 60 Prozent weiblich. Nur bei Gewalt gegen Kinder bis zu 14 Jahren sind Männer tendenziell öfter Opfer als Frauen. Bei den Täter*innen handelte es sich zu 70 Prozent um Männer.

„Erste Feedbacks nach sind die Zahlen für 2021 ziemlich ‚en ligne‘ mit denen des letzten Jahres – mit ungefähr 23 Wegweisungen gewalttätiger TäterInnen im Monat“, schreibt Beffort zur gegenwärtigen Situation.


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