Die woxx von morgen #1: Woher wir kommen

von | 28.05.2020

Digitalisierung, ein Modewort. Doch fĂŒr unser Projekt war sie von Anfang an Teil des SelbstverstĂ€ndnisses – nicht zuletzt, um die knappen Finanzmittel optimal einzusetzen.

Bierdeckel-Kampagne zum woxx-Launch im Jahr 2000.

Man schrieb das Jahr null. Besser gesagt: ’00. Oder auch: 2000. Es war jedenfalls das Jahr Null der woxx, ein Neuanfang fĂŒr die Zeitung, die bis dahin unter dem Namen „GrĂ©nge Spoun“ erschienen war. ZusĂ€tzlich zur NamensĂ€nderung wurde die Webseite woxx.lu in Betrieb genommen. Online-woxxlesen ging eigentlich nur auf dem PC, es gab noch keine Tablets und das einzige Smartphone-Modells hatte einen Mini-Schirm und keine Touch-Bedienung. Und dennoch war es der Anfang unseres Online-Abenteuers.

Ein  Abenteuer, das 2017 eine neue Dimension gewann. Damals haben wir das Online-Angebot um tĂ€gliche BeitrĂ€ge erweitert (woxx 1465: „Notre troisiĂšme rĂ©volution“). Dass es neben der woxx als Wochenzeitung auf Papier eine online-woxx ohne Druckprozess und Erscheinungstermin gibt, ermöglicht es uns, nĂ€her an der AktualitĂ€t zu sein.

Gréngespoun als digital native

Der Einsatz moderner Technik reicht allerdings lange vor das Jahr 2000 zurĂŒck. Die woxx ist eine „digital native“, hat sie doch als „GrĂ©ngeSpoun“ 1988 auf einem Atari-Computer „das Licht der Welt erblickt“. Damals hat das Desktop-Publishing solche alternativen Projekte erst möglich gemacht – Zeitungsmachen ohne sĂŒndhaft teure Investitionen in spezialisierte Maschinen war vorher undenkbar gewesen. Allerdings waren die finanziellen Mittel des Projekts trotzdem von Anfang an knapp, und auch die hart erkĂ€mpfte Pressehilfe stellte allenfalls das Überleben sicher. Die progressive Professionalisierung der vergangenen Jahrzehnte wĂ€re ohne unsere Genossenschaftler*innen, Abonnent*innen und Spender*innen nicht machbar gewesen.

Moderne Ideen und moderne Technik waren fĂŒr unser Projekt nie ein Widerspruch, und so haben wir die rapide VerĂ€nderung des Medienkonsums in den vergangenen 15 Jahren aufmerksam verfolgt. Als um 2010 das Handy- oder Tablet-Display mehr und mehr das Fernsehen ergĂ€nzte, sprach man vom „second screen“, mittlerweile dĂŒrften viele Haushalte ĂŒber eine zweistellige Anzahl von Bildschirmen verfĂŒgen. Parallel dazu haben die Blog-Programme auch das Online-Publishing vereinfacht (2000 wurde die online-woxx noch mithilfe eines HTML-Editors erstellt). Der große Sprung von 2017 war die logische Folge: gezielt „Journalismus fĂŒr den Bildschirm“ zu betreiben und die gedruckte Wochenausgabe durch eine virtuelle Tageszeitung ergĂ€nzen.

Pressehilfe und Online-PrÀsenz

(Wikimedia/Kamil Mackiewicz, 1919/PD)

Beim Versuch, unseren Leser*innen neue Inhalte in neuer Form zu bieten, blieb die Finanzierung eine der großen Herausforderung. Die staatliche Pressehilfe fĂŒr Printmedien soll zwar den Pluralismus fördern, ist aber nicht wirklich auf kleinere Medienprojekte zugeschnitten. Die 2017 eingefĂŒhrte Online-Pressehilfe reicht derzeit aus, um den Online-Teil des Projekts mitzutragen, mehr aber nicht – die wĂŒnschenswerte grundlegende Erneuerung unseres Webauftritt konnte aus finanziellen GrĂŒnden noch nicht erfolgen.

DafĂŒr unterhalten wir eine zeitgemĂ€ĂŸe PrĂ€senz in den sozialen Netzwerken: Facebook, Twitter und immer hĂ€ufiger auch Instagram. Auf TikTok haben wir es mangels TanzkĂŒnste noch nicht geschafft. Diese Plattformen schaffen neue journalistische Möglichkeiten und vereinfachen den Austausch mit der Community, fĂŒr die wir schreiben. FĂŒr unsere ans Papier gewöhnte Leser*innen haben wir Shortlinks in unsere Druckausgabe integriert: Die Links vom Typ woxx.eu/XXXX kann man aus der Zeitung abtippen und sie fĂŒhren direkt zu den entsprechenden Artikeln.

Digitalisierung fĂŒr besseren Journalismus

Auch bei der Digitalisierung der ArbeitsablĂ€ufe hat die woxx zu den Vorreiter*innen gehört: Ein „digital workflow“ mit virtuellem Kalender, Themenmanagement und internen Chat-KanĂ€len haben das „paperless office“ beinahe RealitĂ€t werden lassen. Im Angesicht der Corona-Krise und der Notwendigkeit von Teleworking hat uns die bereits eingeĂŒbte Verwendung dieser Techniken die Anpassung erleichtert.

Offenheit fĂŒr digitale Technologie war von Anfang an Teil des woxx-SelbstverstĂ€ndnisses. FĂŒr die vor zwei Jahren lancierten wöchentlichen Podcasts verfĂŒgen wir mittlerweile ĂŒber ein eigenes Studio und denken auch ĂŒber Videoformate nach. Doch Technik ist kein Selbstzweck. Die rapiden VerĂ€nderungen der Medienlandschaft, die Flut von Veröffentlichungen auf Blogs und in den Netzwerken, die multimedialen Formaten und der mobile Medienkonsum hinterfragen die Tradition des klassischen Zeitungsjournalismus.

Wie die Medien der Zukunft funktionieren werden, weiß niemand so genau. Doch wir glauben, dass es auch weiterhin einen Platz fĂŒr einen engagierten professionellen Journalismus gibt, der die neuen technischen Möglichkeiten nutzt. Wir haben große PlĂ€ne: unseren Webauftritt erneuern, das Team vergrĂ¶ĂŸern, neue Medienformate anbieten. DafĂŒr benötigen wir eure Hilfe! Wenn euch das Projekt wichtig ist, unterstĂŒtzt uns bitte! Details: woxx.lu/support.

Dat kéint Iech och interesséieren

PODCAST

Am Bistro mat der woxx #386 – Frieden à mi-mandat : ensemble, vraiment ?

Chaque semaine, le podcast de la woxx vous offre un regard en coulisses sur notre travail journalistique et explore les enjeux derriÚre nos articles. Cette fois-ci, retour sur le discours sur l'état de la nation prononcé par le Premier ministre Luc Frieden le 19 mai. Entre appels répétés à la cohésion et au « vivre-ensemble », annonces...

PODCAST

Am Bistro mat der woxx #385 – Flexibel Psychiatrie fir schwĂ©ier FĂ€ll

All Woch bitt d’woxx Iech an hirem Podcast en AblĂ©ck an hir journalistesch Aarbecht. Et gĂ«tt een neie Pilotprojet an der Psychiatrie zu LĂ«tzebuerg. De Konzept kĂ«nnt aus Holland, nennt sech „Fact“ a geet bei seng Patient*innen – egal, wou dat grad ass. Domadder sollen dĂ©i 20 Prozent vu psychesch kranke MĂ«nsche gehollef krĂ©ien, dĂ©i an normale...

PODCAST

Am Bistro mat der woxx #384 – Klimagipfel zu Santa Marta

All Woch bitt d’woxx Iech an hirem Podcast en AblĂ©ck an hir journalistesch Aarbecht. Vill Staate sinn enttĂ€uscht dovunner, datt d‘Verhandlungen op den UN-Klimagipfelen esou lues viru kommen. DowĂ©inst hunn sech Enn AbrĂ«ll 57 LĂ€nner zu Santa Marta a Kolumbie getraff, fir iwwert den AustrĂ«tt aus fossillen Energien ze schwĂ€tzen. DobĂ€i goung et net...

PODCAST

Am Bistro mat der woxx #383 – WĂ©i Russland vum Irankrich profitĂ©iert

All Woch bitt d’woxx Iech an hirem Podcast en AblĂ©ck an hir journalistesch Aarbecht. Russland war virum Irankrich wirtschaftlech Ă«nner Drock: niddreg UelegprĂ€isser, ee Wuelfaartsfong, deen Ă«mmer mĂ©i kleng ginn ass a strukturell Problemer duerch d'Krichswirtschaft. Mee zĂ«nter den UgrĂ«ffer vun den USA an Israel op den Iran an der Eskalatioun vun...