Ein Oscar für mehr Diversität

Der Oscar für „Bester Film“ geht ab 2024 nur noch an Produktionen, die sowohl auf der Leinwand als auch hinter den Kulissen für Inklusion und Diversität stehen.

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Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences kündigte gestern neue Zulassungskriterien für die Kategorie „Bester Film“ bei den Oscars an: Ab 2024 müssen die eingereichten Produktionen mindestens zwei von vier „Standards” zur Darstellung von Frauen, unterrepräsentierter Ethnien und sexueller Minderheiten erfüllen. Was erste, kritische Stimmen als Maulkorb für die Filmindustrie und Gefährdung der Filmqualität verteufeln, ist eine Chance für mehr Diversität auf der Leinwand.

„The aperture must widen to reflect our diverse global population in both the creation of motion pictures and in the audiences who connect with them,” sagen David Rubin, Präsident der Academy, und Dawn Hudson, Geschäftsführerin der Academy, in einer öffentlichen Stellungnahme zur Reform der Zulassungskriterien. „We believe these inclusion standards will be a catalyst for long-lasting, essential change in our industry.”

Die „Standards” sind insgesamt auf neun Kriterien verteilt. Die gelten nicht nur vor der Kamera, sondern auch hinter den Kulissen. Um den „Standard” der Kategorie „Creative leadership and projectteam“ zu erreichen, muss das Team beispielsweise eines dieser drei Kriterien abdecken: Mindestens zwei Mitglieder der kreativen Leitung (Make Up, Kostüm Design, Casting, Produktion, Regie, Hairstyling, Drehbuch und Schnitt) sind Frauen, LGBTQ+ oder haben eine Behinderung – und mindestens eine der beiden Stellen muss von einem Menschen einer unterrepräsentierten Ethnie besetzt werden. Ähnliches gilt für andere Schlüsselpositionen: Nicht weniger als sechs Mitarbeiter*innen sollen einer unterrepräsentierten Ethnie angehören. Insgesamt soll das Team mindestens zu 30 Prozent aus Angehörigen der besagten Personengruppen bestehen. Für kleine und unabhängige Filmteams gelten niedrigere Voraussetzungen.

Die anderen drei „Standards“ fordern vergleichbares von den Produktionshäusern. Der „Standard” mit dem Namen „on-screen representation, themes and narratives“ ist zum Beispiel dann erreicht, wenn die Gesamtheit der Schauspieler*innen zu 30 Prozent aus den genannten Menschengruppen besteht; mindestens eine der betroffenen Personen eine leitende Haupt- oder Nebenrollen spielt oder aber wenn die Handlung ihre Lebensrealität thematisiert. Auch hier reicht es, eins der drei Kriterien zu erfüllen.

Die Kommentare unter der Veröffentlichung der „Standards” auf der Website der Academy fallen größtenteils negativ aus: Es ist von einem Zwangsjackett für die Filmindustrie und von der Eingrenzung der Kreativität die Rede. Die Kritik lässt sich mit einem Hinweis darauf entschärfen, dass nur zwei von vier „Standards” erfüllt sein müssen, um zur Kategorie „Bester Film“ zugelassen zu werden. Die Filmemacher*innen können sich demnach beipielsweise nur auf die Umsetzung der „Standards” hinsichtlich des Teams konzentrieren. Das sorgt zwar nicht unmittelbar für mehr Diversität und Sichtbarkeit marginalisierter Menschengruppen auf der Leinwand, aber dafür im Produktionsverlauf. Auch das kann einen positiven Einfluss auf das Endprodukt haben.

Die reformierten Zulassungskriterien sollten dennoch ein Ansporn sein, die gesellschaftliche Diversität darzustellen und Geschichten zu erzählen, die bisher ausgeklammert wurden. Die woxx berichtete unter anderem bereits mehrfach über die problematische mediale Repräsentation von trans Menschen im Laufe der Filmgeschichte und über Fortschritte in Sachen queere Serienprotagonist*innen in Mainstream-Formaten. Die Kriterien der Academy könnten positive Entwicklungen unterstützen. Man darf auf die Nominierungen 2024 gespannt sein.


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