Georges Hausemer: Kleine luxemburgische Literaturgeschichte

von | 11.12.2018

In seinem posthum erschienenen Episodenroman beschäftigt sich Georges Hausemer mit der hiesigen Literaturszene und teilt kräftig aus – am meisten aber gegen sich selbst.

„Und ich hatte mich ausgerechnet für die Literatur entschieden. Warum großer Gott? Aber warum, zum Teufel, eigentlich nicht?“ – so quält sich der Ich-Erzähler in Hausemers letztem Roman, als er schlussendlich eine Stelle als Verlagsvertreter beim angesehenen „Luksbuks“-Verlag annimmt. Und das ohne die leiseste Ahnung vom luxemburgischen Literaturbetrieb zu haben. Ziemlich schnell wird der Protagonist feststellen müssen, dass die Szene nicht so sehr ein Wespennest ist, als vielmehr einer Kriegszone nahekommt – wenn auch auf ziemlich provinziellem Niveau.

Die „Kleine luxemburgische Literaturgeschichte“ ist eigentlich eine Neufassung eines bereits 1989 in Aachen erschienenen Buches (damals unter dem Titel „Kleines luxemburgisches Sittenbild. Roman.“) Kurz vor seinem Ableben im August dieses Jahres, hat Georges Hausemer das Buch noch mal hervorgekramt und „es teilweise neu geschrieben, es aktualisiert, erweitert und ihm nur einen unwesentlich modifizierten Titel verpasst“, wie der Klappentext verrät.

Nun, da wir den ersten Roman gerade nicht zur Hand haben, fällt es schwer, sämtliche Unterschiede auszumachen. Sicherlich stellt dies ein lobenswertes Unterfangen für eine potenzielle Bachelor- oder Masterarbeit in Luxemburgistik dar. Vorläufig können wir nur feststellen, dass Hausemer sicher nicht der Spaß vergangen ist, so wie er einige seiner Kolleg*innen aufs Korn nimmt, wie unter anderem Luc Spada oder Nora Wagener. Aber auch weitere Autor*innen (und Kritiker*innen, wie Jérôme Jaminet oder eine ominöse „Bookbitch“ die auf Facebook ihr Unwesen treibt) tauchen in diesem Schlüsselroman auf – besonders ein ziemlich verkorkster und arroganter Reiseschriftsteller, dessen Manuskripte der Hauptfigur so manches Rätsel aufgeben. Ob Hausemer sich hier wirklich selbst durch den Kakao gezogen hat, das muss die Leserschaft für sich entscheiden. Jedenfalls werden sich Kenner*innen der Szene stellenweise köstlich amüsieren – falls es ihnen nicht an Selbsthumor mangelt, was bei den Romanfiguren aber ziemlich oft der Fall ist.

Das Problem bei der „Kleinen luxemburgischen Literaturgeschichte“ ist allerdings die Erzählstruktur, die – wie bei manch lokalem Roman – mehr verspricht als sie halten kann. Die Intrige um den anonymen Briefkrieg, in dem sich die Literat*innen mit Kassibern wie aus Schützengräben beschießen, fängt zwar nett an, war aber nicht gut zu Ende gedacht. Und auch die Rückkehr des geliebten Wesens am Ende des Romans gibt Rätsel auf, weil ein klares Motiv fehlt. Aber vielleicht handelt es sich ja auch um ein „Box-in-the-Box“-Konzept, und Hausemer wollte einen luxemburgischen Roman schreiben, der so schlecht ist, dass er in der hiesigen, realen Literaturlandschaft nicht weiter auffällt. In dem Sinne wäre die „Kleine luxemburgische Literaturgeschichte“ natürlich ein Geniestreich. Und sogar wenn nicht: Liebhaber*innen und Kenner*innen der Szene werden sicher eine gute, kurzweilige Zeit mit diesem Buch haben.

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