John Fante: Arturo Bandini – Die Trilogie

von | 02.10.2019

Der Blumenbar-Verlag hat den lange Zeit in Vergessenheit geratenen Autor John Fante neu übersetzen lassen und verlegt. Die Meilensteine US-amerikanischer Literatur werden so endlich wieder einem größeren Publikum zugänglich.

Der Mann, den Charles Bukowski seinen Gott nannte, war lange Zeit aus dem kollektiven Gedächtnis verschollen. Und das, obwohl er durch seinen Jünger durchaus weiterlebt: Wer mit Bukowskis Werk vertraut ist, wird bei der Lektüre Fantes so manchen Aha-Moment erleben – und den alten Meister danach durchaus nüchterner betrachten.

Der italienischstämmige Autor schwingt sich auch zum Chroniker der Immigration auf. Vor allem der erste Band „Warte bis zum Frühling, Bandini“ beschäftigt sich mit der Jugend des Autors in Boulder, Colorado. Im Spannungsfeld zwischen seinem Vater, einem trinkwütigen, Zigarrenstummel rauchenden Maurer und seiner tiefgläubigen Mutter erzählt Fante von bitterer Armut, sozialer Kälte und Träumen von Aufstieg – Geschichten, die auch heute noch aktuell sind. Bereits im ersten Roman zeigen sich seine literarischen Qualitäten, die in seinem späteren Werk weiter aufblühen werden. So schreibt er zum Beispiel über seine Großmutter: „Donna Toscana hatte eine große, rote Zunge, aber die Zunge war doch zu klein, um die viele Galle im Zaum zu halten, die ihr beim Gedanken an ihren Schwiegersohn Svevo Bandini hochkam“.

Die Qualität des ersten Bandes liegt auch in der Erzählperspektive, respektive den schnellen Wechseln letzterer, die nur wegen des sicheren Stils und des Rhythmus nie gekünstelt wirken und auch die Nerven der Leser*innen nicht strapazieren. Im Gegenteil, Fante baut hier ein quasi hypnotisches Narrativ auf, ein alles verschlingender Strom, in dem die Figuren und die Geschehnisse aneinander vorbeirauschen, als ob es kein Morgen gäbe.

Hamsunesker Katholik

In den Folgeromanen „Frag den Staub“ und „Warten auf Wunder“ wechselt Fante wieder zur Ich-Perspektive und erzählt im semi-fiktionalen Modus wie er als junger Getriebener versuchte, auf den Straßen von L.A. einen Teil des Glücks zu erhaschen. In schummrigen Hotels, schmuddeligen Bars und halb-verfallenen Hütten leben die Held*innen seiner Prosa – alle sind sie auf der Suche nach Glück, fast alle enden geblendet unter der ewig scheinenden kalifornischen Sonne. Unter ihnen: Arturo Bandini, aus den Schneewehen der Rocky Mountains geflohen, nach Ruhm und Geld lechzend und trotzdem ohne Plan und vor allem sich selber im Wege stehend. Es ist kein Wunder, dass Fante den Roman „Hunger“ des Norwegers Knut Hamsun öfters erwähnt: Die Parallelen zwischen seiner Persona und dem namenlosen, selbstzerstörerischen Osloer Irren sind nicht von der Hand zu weisen.

Sein Katholizismus steht der Figur Fantes dabei am meisten im Weg. Seine Hassliebe gegenüber der Religion und ihrer Anhänger*innen blockiert nicht selten seine Wege zum Glück, sei es nun finanzieller oder sexueller Natur. Die Mutter, die obsessiv betete um sich von ihrer Armut abzulenken, scheint auch ihren Sohn nachhaltig geschädigt zu haben. In dem Sinne sind die Bandini-Romane auch sicher ein lesenswertes Zeugnis über die Schädlichkeit der Indoktrinierung – zumal, wenn sie an finanziell schwachen Menschen ausgeübt wird. Hinzu kommt, dass Fante eine Perspektive einsetzt, die in den 1930er-Jahren alles andere als üblich war: Er schreibt über das Schreiben, über das Verlangen nach einem perfekten Werk, über das Scheitern an den weißen Seiten und über die Erfüllung des Gelingens, wenn eine Geschichte veröffentlicht wird.

Die Wiederentdeckung von John Fantes Werk lohnt allemal, nicht nur für Bukowski-Fans sondern für alle, denen universelle Literatur am Herzen liegt.

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