Martin Unfried: Das Ende der Ausredengesellschaft

von | 23.09.2019

Der Begründer des Ökotainments kommt nach Luxemburg: Martin Unfried spricht am Mittwoch im Konvikt. Er erhielt 2007 den Eurosolar-Preis für seine „Ökosex“-Kolumne in der taz.

Molgreen CC-BY-SA-4.0

Der Politikwissenschaftler Martin Unfried, der auf Einladung des Mouvement Écologique und zahlreicher anderer Organisationen nach Luxemburg kommt, stellt sich der Frage, ob wir 2019 mit „Fridays for Future“ tatsächlich einen gesellschaftlichen Umbruch in Sachen Klimaschutz erleben und analysiert dabei das Verhältnis von Medien, Protest, Gesellschaft und politischen Mehrheiten.

Obwohl sich die Umweltbewegung und die Wissenschaft seit Jahrzehnten darum bemühen, den Klimaschutz als absolute Priorität auf die politische Agenda zu bekommen, blieben sie bislang recht erfolglos. Dabei ist spätestens seit dem Pariser Abkommen von 2015 gewusst, dass die Klimapolitik weltweit einer ganz anderen politischen Dynamik bedarf und es für eine wirksame Dekarbonisierung weitreichendere Maßnahmen als bisher geben muss.

Um all dies umzusetzen, braucht es politische Mehrheiten, die es bisher nicht gab. Es ist zudem eine breite gesellschaftliche Unterstützung nötig, die bis vor kurzem ebenfalls nicht in Sicht war. Die freitäglichen Klimastreiks, die Wetterextreme des Sommers und neue beunruhigende Berichte des IPPC scheinen das Thema plötzlich ganz nach oben katapultiert zu haben. Immer mehr nationale Regierungen geraten in Erklärungsnot und fühlen den Druck aus Medien und Gesellschaft.

Martin Unfried beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit den Ausreden von Politik und Gesellschaft in Sachen Klimaschutz. Was waren und sind die Ausreden genau? Warum hat bisher so oft das „Ja, aber!“ gesiegt? Unfried blickt zurück und analysiert, wie unsere Ausredengesellschaft funktioniert, und welche Rolle Medien und Umweltbewegung dabei spielen. Besonders interessiert ihn das Wechselspiel von gesellschaftlichem Engagement und politischen Mehrheiten.

Der Vortrag soll auch die Arbeit der Umweltbewegung kritisch beleuchten: Welche neuen und innovativen Kommunikationsstrategien sind nötig, um Politik und Gesellschaft tatsächlich längerfristig für eine neue und konsequentere Klimapolitik zu gewinnen?

Der Referent: Martin Unfried, Jahrgang 1966, studierte Politik- und  Theaterwissenschaften in Erlangen. Er war 20 Jahre lang Dozent am „Europäischen Institut für Öffentliche Verwaltung“ in Maastricht, und seit 2016 an der Universität Maastricht. Seit 2019 ist er dort Projektleiter der neu gegründeten „Institute for Transnational and Euregional Cross Border Cooperation and Mobility“. Martin Unfried plädiert für eine „weniger mit Moral getränkte Aufarbeitung umweltpolitischer Themen“ und publizierte viele Jahre die Kolumne „Ökosex“ in der taz. Der Begründer des „Ökotainments“ schreibt regelmäßig in der Zeitschrift „fairkehr“ des deutschen ökologischen Verkehrsclubs VCD.

Veranstaltungsort: Hotel Parc Belle-Vue, 5, av. Marie-Thérèse,Luxemburg (salle Marie-Thérèse), am Mittwoch, den 25. September 2019 um 20h.

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