Mouvement Ecologique: Kein Wasserstoff im Tank

Wasserstoff ist immer öfter als vorgeblich nachhaltiger Energieträger für Industrie und Verkehr im Gespräch. Der Méco hat eine Stellungnahme veröffentlicht, mit der Forderung nach einem engen Rahmen für die Wasserstoffnutzung.

Ein Wasserstoffzug in Österreich. (Foto: Florian Kropshofer/Pixabay)

Wasserstoff wird gerne als die Zukunftslösung für eine CO2-neutrale Wirtschaft und Mobilität dargestellt. Fleißige woxx-Leser*innen wissen, dass die Sache nicht so einfach ist: Wenn wir in Zukunft wirklich mit einem privaten PKW herumfahren müssen, dann ist ein Elektroantrieb wesentlich effizienter als ein Wasserstoff-Auto mit Brennstoffzelle. In der Industrie wird Wasserstoff hingegen in Zukunft gebraucht, um Prozesse, die aktuell noch mit fossilen Energieträgern ablaufen, klimaneutral durchführen zu können.

In einer Stellungsnahme hat die luxemburgische Umwelt-NGO Mouvement écologique nun ihre Position zur Wasserstoffnutzung dargelegt. Der Tenor lautet: Wasserstoff soll in bestimmten Wirtschaftszweigen benutzt werden, aber nicht in PKWs. Außerdem fordert die NGO strenge Regeln zu Herstellung und Herkunftsnachweisen. So will der Méco weder sogenannten „grauen“, noch „blauen“ Wasserstoff zulassen. Grauer Wasserstoff – aktuell der Löwenanteil des verfügbaren und benutzten Wasserstoffs – wird aus Kohle oder Öl gewonnen, wobei CO2 anfällt. Blauer Wasserstoff wird genauso gewonnen, ein Teil der Treibhausgase soll jedoch mittels Carbon Capture and Storage in geologische Lagerstätten verbracht werden.

Strenge Regeln sollen laut Méco aber auch für den grünen Wasserstoff gelten, der mittels Elektrolyse unter Verwendung von Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. So soll nur überschüssiger Strom verwendet werden – wenn zum Beispiel ein Windkraftwerk mehr Strom erzeugt, als in dem Moment benötigt wird. Eine Möglichkeit wäre, laut Umwelt-NGO, Strom in Form von Wasserstoff zu speichern und ihn, sobald wieder mehr benötigt wird, wieder in einer Brennstoffzelle in Strom zu verwandeln. Der Verbrennungsprozess sollte dann als Kraftwärmekoppelung ablaufen, damit der Wirkungsgrad möglichst hoch ist. Eine solche Speicherlösung ist jedoch nicht sehr effizient.

Für den möglichen Import von grünem Wasserstoff fordert der Méco strenge Kriterien und Herkunftsnachweise: Die Erzeugung von Wasserstoff sollte nicht im Konflikt mit anderen Nutzungen, etwa einer Meerwasserentsalzungsanlage, stehen. Außerdem müssten erneuerbare Energien zuerst zur Ersetzung von Kohle-, Gas- und Ölkraftwerken genutzt werden, ehe damit Wasserstoff produziert wird. Der Méco verwehrt sich auch dem Import von grünem Wasserstoff aus Ländern, in denen die Menschenrechte missachtet werden.

Auch bei den möglichen Einsatzfeldern ist die Umwelt-NGO strikt: „[Der Mouvement écologique spricht sich] generell gegen den Einsatz von Wasserstoff außerhalb vom industriellen Gebrauch, zum Beispiel im derzeitigen motorisierten Straßenverkehr, aus. Der Ersatz von Benzin und Diesel durch mit Wasserstoff angetriebene Brennstoffzellen oder synthetischen Kraftstoffen stellt, wegen der Ineffizienz und des dadurch steigenden Energiebedarfs, keine nachhaltige Lösung dar!“ Beim Flug- und Schiffsverkehr könne Wasserstoff jedoch eine Rolle spielen, wenn er in synthetisches Kerosin beziehungsweise Schweröl umgewandelt wird. Über den Einsatz in Bussen und LKWs, der durchaus diskutabel wäre, ist in der Stellungnahme der NGO nichts zu lesen.

Der Méco erinnert in seiner Stellungnahme daran, dass einerseits der Ausbau von erneuerbaren Stromquellen beschleunigt, andererseits aber auch der Energiehunger gebremst werden muss. Da es nicht möglich sei, wirtschaftliches Wachstum vom Energieverbrauch zu entkoppeln, will die NGO, dass über die sogenannte Wachstumsfrage diskutiert wird: „Eine nationale Energiestrategie muss demnach die Wachstumsdiskussion als Grundfrage stellen, das aktuelle Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell reformiert werden.“

Aktuell subventioniert die luxemburgische Regierung den Kauf von Wasserstoff-PKWs mit 8.000 Euro. Seit der Veröffentlichung der endgültigen Fassung des Energie- und Klimaplans Ende 2020 ist bekannt, dass das Energieministerium an einer Wasserstoffstrategie arbeitet.


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