Neues EU-Klimaziel: Genug ist nicht genug

Greenpeace kritisiert die stark verbesserten Klimaziele der EU-Kommission für 2030.

„Mit politischer Bequemlichkeit und Bilanzierungstricks kann man den Klimawandel nicht besiegen“, so der vernichtende Kommentar des Greenpeace-Luxemburg-Kampaigners Frank Thinnes zu den neuen Klimaplänen der EU-Kommission. Am vergangenen Mittwoch hat die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im Rahmen ihrer Rede zur Lage der Union das neue CO2-Reduktionsziel von 55 Prozent (gegenüber 1990) vorgestellt.

Das bisherige Ziel für das Jahr 2030 lag bei 40 Prozent, was bereits beim Abschluss des Pariser Klimaabkommens 2015 als zu niedrig angesehen wurde. Vielen Akteur*innen aus Wirtschaft und Politik ist das neue Ziel zu hoch gegriffen, doch die Kommission hofft auf eine Einigung mit den Mitgliedstaaten vor Ende des Jahres. Luxemburg hatte bereits 2019 unter dem Einfluss des neuen Energieministers Claude Turmes sein Klimaziel von 40 auf 55 Prozent erhöht (die Werte beziehen sich allerdings nur auf Nicht-ETS-Emissionen und auf das Basisjahr 2005).

65 statt 55 Prozent weniger CO2-Emissionen

Greenpeace ist in erster Linie wegen des angepeilten Reduktionsniveaus unzufrieden. „Der heute angekündigte Plan (…) entspricht nicht den Kürzungen, die nach den Erkenntnissen der Wissenschaft benötigt werden, um die globale Erwärmung auf unter 1,5 Grad zu beschränken und die uns erst bevorstehenden schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden. Um diese Chancen zu erhöhen, fordert Greenpeace eine Reduzierung der EU-Emissionen um mindestens 65 Prozent bis 2030“, heißt es im Kommuniqué der Luxemburger NGO.

Des Weiteren wirft sie der Kommission vor, zu „tricksen“, indem sie sich „auf eine fälschliche Annahme der Verringerung von Emissionen“, stütze. Es geht um die natürliche Absorption von CO2 durch Kohlenstoffsenken wie Wälder und Boden. Greenpeace hält es für falsch, diesen Effekt einzuberechnen, weil „die Waldsenken der EU in den letzten zehn Jahren ihre Fähigkeit zur Kohlenstoffspeicherung verringert haben und dies voraussichtlich auch weiterhin tun werden – hauptsächlich aufgrund von Holzeinschlag“. Die NGO spricht sich allerdings durchaus für die Förderung dieser Senken aus: „Die Wiederherstellung der Natur ist unerlässlich, muss dennoch zusätzlich zu den Bemühungen zur Emissionsreduzierung in den umweltschädlichsten Sektoren erfolgen.“

Heißer Herbst for Future!

Die Dringlichkeit des Handelns sei auch in Luxemburg klar erkennbar: „Die Folgen des Klimawandels bleiben nicht unbemerkt. So wurde gestern in Steinsel am 15. September 2020 der heißeste Septembertag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahre 1838 gemessen.“ Deshalb unterstützt die NGO die Klimademos, die in den kommenden Wochen im Rahmen des „Climate Care Uprising“ organisiert werden. Jennifer Morgan, Executive Director von Greenpeace International: „In diesem Herbst erheben sich die Menschen in ihrer Masse für eine grünere, gerechtere Zukunft, so dass Politiker und Klimakriminelle nicht länger die Augen verschließen können.“

 


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