Serien-Empfehlungen: „Never Have I Ever“ und „Firefly“

Die beiden Serien, die wir diese Woche präsentieren, versuchen altbekannten Genres frischen Wind einzuhauchen.

Never Have I Ever (2020-)

Die Figuren Devi, Fabiola und Eleanor gewinnen im Laufe der Staffel an Komplexität. (Quelle: Netflix)

Devi (Maitreyi Ramakrishnan) ist alles andere als eine durchschnittliche Highschool-Schülerin: Sie ist eine indisch-amerikanische Hindu. Seit sie und ihre Eltern (Poorna Jagannathan und Sendhil Ramamurthy) im Jahr 2001 in die Vereinigten Staaten immigriert sind, ist sie nicht nur mit Rassismus konfrontiert: Auch eine Balance zwischen der amerikanischen und indischen Kultur zu finden, fällt ihr nicht leicht. Das ist aber nicht das Einzige, das Devi von ihren Altersgenoss*innen unterscheidet: Ihr Vater starb an einem Herzinfarkt. Aufgrund einer psychosomatischen Reaktion kann sie ihre Beine nun nicht mehr bewegen und sitzt im Rollstuhl. „Never Have I Ever“ setzt an dem Tag an, an dem Devi wieder gehen kann. Sie fasst den Entschluss eines Neuanfangs und der bezieht sich vor allem auf Eines: Jungs. In manchem ist Devi dann doch nicht so untypisch.

Die Figuren in „Never Have I Ever“ sind alles andere als aalglatt: Sie sind ab und zu unbeholfen, verhalten sich widersprüchlich, sind nicht durchweg sympathisch – und fühlen sich gerade deshalb so authentisch an. Selbst Protagonistin Devi kann einem schon mal auf die Nerven gehen. So etwa, wenn sie ihrem unerreichbaren Schwarm (Darren Barnet) hinterherrennt, statt für ihre besten Freundinnen Eleanor (Ramona Young) und Fabiola (Lee Rodriguez) da zu sein. Oder wenn sie niemanden an sich heranlässt, um ihr beim Verarbeiten vom Tod ihres Vaters zu helfen. Dass sie nicht immer tut, was das Beste für sie oder ihr Umfeld ist, macht sie aber gerade auch so menschlich.

Geschaffen wurde die Serie von Autorin, Schauspielerin und Produzentin Mindy Kaling, die für „The Office“ schrieb und anschließend mit „The Mindy Project“ ihren Durchbruch feierte. In „Never Have I Ever“ thematisiert sie ihre eigenen Kindheitserfahrungen. Anders als die meisten anderen von Kalings Projekten ist „Never Have I Ever“ mehr Drama als Komödie. Dass die Serie dennoch eine gewisse Leichtigkeit behält, ist unter anderem dem komödiantischen Talent Ramakrishnans zu verdanken. Der Umstand, dass uns Devis Gedanken durch Voiceover-Kommentare von Tennislegende John McEnroe mitgeteilt werden, tut sein übriges.

Netflix


Firefly (2002-2003)

Ästhetisch hat „Firefly“ mehr Ähnlichkeiten mit dem Western- als dem Sci-Fi-Genre. (Quelle: Fox)

Ob Fan oder nicht: „Buffy the Vampire Slayer“ und deren Spin-off-Serie „Angel“ dürften auch heute noch den meisten ein Begriff sein. Wesentlich weniger bekannt ist die Serie, die Joss Whedon im Anschluss daran schuf. „Firefly“ handelt von der Besatzung und den Gäst*innen des Transportraumschiffs „Serenity“: allesamt Außenseiter*innen, die nach einem blutigen Bürgerkrieg hier eine Art Zuhause gefunden haben. Das Sagen auf dem Schiff hat Kapitän Mal Reynolds (Nathan Fillion), der sich und die Crew mit Transportaufträgen und kriminellen Deals finanziell über Wasser hält.

Dass die Serie keine größere Bekanntheit erlangt hat, dürfte damit zu tun haben, dass sie bereits nach einer Staffel wegen geringer Zuschauer*innenzahlen abgesetzt wurde. Nicht mal den unzähligen eingefleischten Buffy-Fans schien die Serie damals zu gefallen. „Firefly“ ist wesentlich weniger lustig und obwohl die Serie in einem fiktiven Universum mit erfundenen Planeten spielt, enthält sie Fantasy-Elemente nicht in dem Sinne wie „Buffy“: Es gibt keine Monster, keine Magie und keine Superkräfte. Und somit auch keine der für „Buffy“ so charakteristischen Analogien.

Mit „Firefly“ schien Whedon sich vornehmlich an ein männliches Erwachsenenpublikum richten zu wollen. Während in „Buffy“ eine Gruppe Teenager im Fokus steht, dürfte das Durchschnittsalter von Reynolds und Co. bei 30 Jahren liegen. Darüber hinaus hat Whedon den Ausdruck „Space-Western“ für die Serie sehr ernst genommen: Als hätten Sci-Fi-Serien nicht schon einen schweren Stand, schreckte er potenzielle Zuschauer*innen womöglich noch zusätzlich durch eine dominante Western-Ikonografie ab. Dem Western-Genre scheint Whedon zudem die Geschlechterdynamiken abgeschaut zu haben, die aus heutiger Sicht eher veraltet erscheinen. Da war „Buffy“ in feministischer Hinsicht schon vielversprechender.

Dennoch hat „Firefly“ einiges zu bieten, das die Serie bis heute zu einer der besten der Fernsehgeschichte macht: clevere Dialoge, ein aufwändiges Set-Design und eine hervorragende Besetzung. Die Serie hatte von Anfang an ein klares Konzept, das konsequent durchgeführt wurde. Whedon und sein Autor*innen-Team haben für die Serie ein komplexes, alternatives Universum geschaffen. Es hätte vieler weiterer Staffeln bedurft, um es in seiner ganzen Ausführlichkeit abzubilden. Dennoch ist auch in den ersten 14 Folgen der Detailreichtum von Whedons Kreation unverkennbar.

Das dürfte einer der vielen Gründe dafür sein, weshalb sich um die Serie herum eine kleine, dafür aber umso treuere Fangemeinschaft bildete, die sich hartnäckig für eine Filmfortsetzung einsetzte. Mit Erfolg: 2005 fand die Erzählung mit „Serenity“ ihren würdigen Bildschirmabschluss.

Auf DVD.


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