Willis Tipps: Dezember 2019

Westpapua – eine musikalische Anklage

1998 verübten indonesische Einheiten auf der Insel Byak (Biak) im besetzten Westpapua ein Massaker an unbewaffneten Demonstrant*innen, die für die Unabhängigkeit eintraten. Das Land war in den Jahrhunderten zuvor unter Kontrolle von niederländischen, britischen und deutschen Kolonialtruppen gewesen und wurde 1963 auf Druck der USA von der UNO Indonesien zugesprochen. Die Greueltaten während des sogenannten Byak-Massakers wurden 2013 im Rahmen eines unabhängigen Tribunals aufgearbeitet. Das australische Wantok Label hat die wichtigsten Ergebnisse dieser Untersuchung jetzt in musikalischer Form als CD mit einem großformatigen Booklet aufbereitet. Zahlreiche Musiker*innen aus Westpapua und benachbarten Ländern haben das Werk eingespielt. Die Platte ist ein erschütterndes Dokument eines weltweit unbeachtet gebliebenen Verbrechens und darüber hinaus ein Appell an die Weltöffentlichkeit, die andauernde Unterdrückung zu beenden. Das Album verbindet Augenzeugenberichte mit engagierten Liedern. Der Kauf der thematisch wie musikalisch wertvollen Platte We Have Come to Testify hilft zudem, den Kampf für die Unabhängigkeit Westpapuas fortzusetzen.


V.A. – We Have Come to Testify (Wantok Musik)


Starke Frau aus Somaliland

Während des Bürgerkrieges in Somalia erklärte sich 1991 der nördlichste Teil – das ehemalige Britisch-Somalia – unter dem Namen Somaliland zum unabhängigen Staat, der jedoch bisher international nicht anerkannt wurde. Der Krieg führte dazu, dass Sahra Halgan nach Frankreich emigrierte. Ihr erstes Album von 2016 fand große internationale Anerkennung und das nun erschienene zweite, Waa Dardaaran, steht dem ersten in nichts nach. Melodisch und rhythmisch gibt es Ähnlichkeiten mit den Klängen des nahen Äthiopiens, allerdings mit ganz eigenem Charme. Die Stimme Sahra Halgans ist markant und die Begleitung von E-Gitarre, Schlagzeug und Keyboard minimalistisch-rockig. Die Produktion wirkt unmittelbar, direkt und verzichtet auf Effekthascherei. Herausgekommen ist dabei eine sehr schöne Scheibe einer exquisiten Sängerin mit bemerkenswerter Stimme, die ordentlich in die Beine geht.

Sahra Halgan – Waa Dardaaran (Buda Records)


Klassisch! Peruanischer Cumbia

Der Cumbia mit seinem ausgeprägten Rhythmus ist weltweit in allen möglichen Formen ein Garant für proppenvolle Tanzflächen. Eigentlich stammt er aus Kolumbien, verbreitete sich aber zügig über die ganze Region. In Iquitos im amazonischen Teil Perus gründeten fünf Brüder bereits 1968 eine elektrisch verstärkte Band unter dem Namen Los Wembler‘s de Iquitos, die schon bald eine Reihe von nationalen Hits landen konnte. Nach einer Pause von 20 Jahren erschien 2017 eine EP und hier ist jetzt ein ganzes, neues Album mit dem Titel Visión del Ayahuasca. Das Schrapinstrument Guiro sorgt für eine konstante rhythmische Orientierung und die E-Gitarre produziert nonstop knackige, melodische Läufe. Hier hat man also den originalen Sound einer Gruppe, die schon vor über 50 Jahren Peru elektrisierte und bis heute nichts von ihrer Faszination verloren hat. Cumbia amazónica von früher für heute!

Los Wembler’s de Iquitos – Visión del Ayahuasca (Barbès Records)


Dezember – Top 20

1. Aziza Brahim – Sahari (Glitterbeat) – Westsahara
2. Lakou Mizik – HaitiaNola (Cumbancha) Haiti
3. Asmâa Hamzaoui & Bnat Timbouktou – Oulad Lghaba (Ajabu!) Marokko
4. Tinariwen · Amadjar – (Wedge/PIAS) Mali
5. The Garifuna Collective – Aban (Stonetree) Belize
6. Ballaké Sissoko & Baba Sissoko – Sissoko & Sissoko (Homerecords.be) Mali
7. Laurie Anderson, Tenzin Choegyal, Jesse Paris Smith – Songs from the Bardo (Smithsonian Folkways) USA/Tibet
8. Petroloukas Halkias & Vasilis Kostas – The Soul of Epirus (Artway-Technotropon) Griechenland
9. Habib Koité – Kharifa (Contre-Jour) Mali
10. Kayhan Kalhor, Rembrandt Frerichs, Tony Overwater, Vinsent Planjer – It’s Still Autumn (Kepera) Iran/NL
11. Otava Yo – Do You Love (ARC Music) Russland
12. Mah Damba – Hakili Kélé (Buda Musique) Mali
13. Rachid Taha – Je Suis Africain (Naïve) Algerien/F
14. The Yandong Grand Singers – Everyone Listen Close / Wanp·Wanp Jangl Kap (Pan) VR China
15. Acid Arab – Jdid (Crammed Discs) Frankreich/Nordafrika
16. Lamia Bèdioui & Solis Barki – Fin‘Amor (LBedioui Music Production) Tunesien/Griechenland
17. Nusrat Fateh Ali Khan and Party – Live at WOMAD 1985 (Real World) Pakistan
18. The Good Ones – Rwanda, You Should Be Loved (Anti-) Ruanda
19. Lajkó Félix & Vołosi – Lajkó Félix & Vołosi (Fonó) Serbien/Ungarn
20. Blato Zlato – In the Wake (Blato Zlato) USA

Die TWMC TOP 20/40 bei: http://www.transglobalwmc.com/ und bei Facebook „Mondophon auf Radio ARA“ und www.woxx.lu/author/Klopottek.


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