Willis Tipps: Januar 2022

von | 26.01.2022

Feinste bosnische Musik

Divanhana ist eine Band aus Bosnien-Herzegowina, die 2009 von Student*innen der Musikakademie in Sarajewo gegrĂŒndet wurde. Fast fĂŒnf Jahre lang war es, was Plattenveröffentlichungen angeht, still um sie. Die neue Scheibe, die die Band vor dem Lockdown aufgenommen hat, erscheint nun Ende dieses Monats. Schon ihre bisherigen Studioalben und ihre Live-CD erhielten in der Vergangenheit beste Kritiken. Auf der aktuellen Veröffentlichung Zavrzlama hört man nun die großartige Stimme der neuen SĂ€ngerin Ć ejla Grgić, ansonsten ist die Band mit Akkordeon, Violine, Trompete, Piano, Gitarre, Bass und Perkussion weitgehend unverĂ€ndert. Die elf StĂŒcke beinhalten wieder verschiedene Stile vom Westbalkan und auch der melancholische, bosnische Sevdahlinka ist natĂŒrlich vertreten. Die stilistische Bandbreite reicht vom eindringlich-langsamen Na Kuslatu ĂŒber das schweißtreibend-stampfende Cilim bis zu Sarajcice Hajdemo, Divanhanas Version eines Hits von Safet Isovic, der mehr als vierzig Jahre lang den Sevdahlinka prĂ€gte. Bosnische Musik vom Feinsten!


Divanhana – Zavrzlama – CPL Music


Afrobeat aus Madrid

Über OgĂșn Afrobeat ist im Internet nicht viel zu finden. Was man ĂŒber diese Band erfĂ€hrt, ist, dass ihr erstes Album 2013 erschien, gefolgt von einem zweiten im Jahre 2016 und einer Single zwei Jahre spĂ€ter. Die zehnköpfige Gruppe ist in Madrid beheimatet und besteht anscheinend fast zur GĂ€nze aus Spaniern. Geleitet wird sie allerdings vom SĂ€nger und Drummer Akindimeji Onasanya, der aus Lagos, Nigeria stammt. Der Name ist Programm: Es geht um den nigerianischen Afrobeat und OgĂșn ist ein Gott in der Religion der westafrikanischen Yoruba. Das neue Album Unite hat alles, was Afrobeat braucht: scharfe BlĂ€sersĂ€tze und groovenden Polyrhythmus. Vor allem Letzterer fĂ€llt bei vielen Afrobeatbands, die nicht in Nigeria zu Hause sind, schwach aus. OgĂșn Afrobeat kann das aber perfekt. Unten drĂŒcken Drums und Bass, Gitarre und Keyboard funken, die BlĂ€ser spitzen zu und sowohl Leadgesang als auch der Chor bringen genau das, was man von diesem Stil erwarten darf. Eine Platte, die zeigt, dass starker Afrobeat auch in Madrid zu Hause ist.

OgĂșn Afrobeat – Unite – Tensegrity


Herausragende anatolische TĂ€nze

Bei DEM Trio handelt es sich um ein Ensemble von ausgewiesenen Experten fĂŒr anatolische Musik, die die traditionellen Instrumente bestens beherrschen. Murat Salim Tokaç spielt die Tanbur-Laute sowie die Ney-Flöte, Cenk GĂŒray bedient vor allem verschiedene Formen der Saz-Laute und Derya TĂŒrkan, der neu dazugestoßen ist, hat sich in den letzten Jahren auf zahlreichen Alben als Meister der gestrichenen Istanbuler Kemençe einen Namen gemacht. Das aktuelle Album trĂ€gt den Titel Anatolian Dances und vereint 20 Tracks mit Instrumentalaufnahmen von Tanzformen wie Halay, Sirto und Zeybek, die zum Teil auch in der ÄgĂ€is bekannt sind. So wundert es nicht, dass manche Melodien und Rhythmen an Griechenland erinnern. Hier sind bemerkenswerte Instrumentalisten am Werk, die die komplexen Metren beherrschen und zudem ihre FĂ€higkeiten als Improvisatoren unter Beweis stellen. Über das Album des Trios von 2008 schrieb ein Rezensent, dass es sich da um Kammermusik handele, in der sich volkstĂŒmliche und klassische anatolische Formen nahtlos miteinander verbinden. Das kann man ohne Bedenken auch ĂŒber diese neue Platte sagen. Herausragend!

DEM Trio – Anatolian Dances – Felmay


Januar – Top 20

1. Khöömei Beat · Changys Baglaash · ARC Music
2. Susana Baca · Palabras Urgentes · Real World
3. Omar Sosa & Seckou Keita · Suba · Bendigedig
4. Justin Adams & Mauro Durante · Still Moving · Ponderosa Music
5. Monsieur Doumani · Pissourin · Glitterbeat
6. Xanthoula Dakovanou · Lamenta · Quart de Lune
7. Orquestra AfrosinfÎnica · Orin, a Língua dos Anjos · Måquina de Louco
8. Petrona Martínez · Ancestras · Chaco World Music
9. Cumbia 20 de Enero & Leyendas Cañamilleras del Caribe · La Caña de Millo: Voz Histórica y Silenciada de la Cumbia · Chaco World Music
10. Omar Péne · Climat · Contre-Jour
11. Shujaat Husain Khan, Katayoun Goudarzi, Shaho Andalibi & Shariq Mustafa · This Pale · Lycopod
12. Karolina Cicha & SpóƂka · Karaimska Mapa Muzyczna · Związek KaraimĂłw Polskich
13. Riccardo Tesi, Elena Ledda, Lucilla Galeazzi, Alessio Lega, Nando Citarella, Maurizio Geri, Gigi Biolcati, Claudio Carboni · A Sud di Bella Ciao · Visage Music
14. Juçara Marçal · Delta Eståcio Blues · Mais Um
15. Puuluup · Viimane Suusataja · Õunaviks
16. Fanfare Ciocărlia · It Wasn’t Hard to Love You · Asphalt Tango
17. Monoswezi · Shanu · Riverboat / World Music Network
18. Hoven Droven · Trad · Heilo / Grappa Musikkforlag
19. Bixiga 70 · Bixiga 70 · Glitterbeat
20. AySay · Su Akar · Nordic Notes

Die TWMC TOP 20/40 bei: http://www.transglobalwmc.com/ und bei Facebook „Mondophon auf Radio ARA“ und www.woxx.lu/author/Klopottek.

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Seit 1999 veröffentlicht Lucas Santtana Platten. Jetzt hat der Gitarrist, SĂ€nger, Flötenspieler und Komponist sein zehntes Album mit dem Titel Brasiliano herausgebracht. Auf jedem der elf StĂŒcke kooperiert er mit einem*r anderen SĂ€nger*in. So ist die in Paris lebende, am Pop orientierte GesangskĂŒnstlerin FlĂĄvia Coelho genauso zu hören wie der mit brasilianischem Reggae bekannt gewordene Chico CĂ©sar oder der Superstar Gilberto Gil, der zu den Urgesteinen des TropicĂĄlia-Stils gehört.