Windows, Mac oder Linux – welche Betriebssysteme verwendet der luxemburgische Staat?

Sicherheit, Bedienungsfreundlichkeit, Kompatibilität, aber auch ideologische Fragen können die Wahl eines Betriebssystems beeinflussen. Wie haben sich Staat und Gemeinden entschieden?

Auch der luxemburgische Staat und die Gemeinden lieben vor allem Windows. (Foto: CC-BY-SA mendhak)

Für einige ist es eine Glaubensfrage, für andere eine pragmatische Entscheidung: Die Auswahl des Betriebsystems für den eigenen Computer. In Luxemburg läuft laut der Website Statcounter auf zwei Drittel der Rechner Windows. Das Mac OS-System von Apple macht beinahe das gesamte restliche Drittel aus – das offene Linux-Betriebssystem wird auf weniger als einem Prozent der Computer benutzt. Auf Smartphones kommt zu 53 Prozent Android (das auf Linux basiert) zum Einsatz, während 44 Prozent Marktanteil von Apples iOS verteidigt werden. Die Zahlen stammen alle vom März 2019 und werden durch den Webseitenstatistikdienst erhoben.

Die Marktdominanz Microsofts war in der Vergangenheit nicht nur Dreh- und Angelpunkt verschiedenster kartellrechtlicher Verfahren, sondern gab auch Computersicherheitsforscher*innen Anlass zur Sorge. Kriminelle, die Malware wie Viren oder Trojaner entwickelten, konzentrierten sich natürlich in der Hauptsache auf die Schwachstellen von Windows, um möglichst viele Rechner angreifen zu können. Heute gibt es zudem Datenschutzbedenken, da besonders die aktuellste Version Windows 10 standardmäßig viele Nutzungsdaten an Microsoft schickt.

Wie geht der Staat damit um? Das wollte Piratepartei-Abgeordneter Marc Goergen vom Digitalisierungminister Marc Hansen und von Innenministerin Taina Bofferding wissen. Die richteten ihre Antwort zwar an Sven Clement, den anderen Pirat im Parlament – die Informationen über die IT-Dienste bei Staat und Gemeinden dürften jedoch stimmen.

Ein Großteil der Server, auf die staatliche Institutionen und Verwaltungen zurückgreifen, werden vom Centre des technologies de l’information de l’Etat (CTIE) verwaltet. Hier kommen zu 59 Prozent Linux, 29 Prozent Windows, 11 Prozent Unix und zu einem Prozent andere Betriebsysteme zum Einsatz. Das ist wenig überraschend, denn weltweit liegen Unix-artige Betriebssysteme (zu denen auch Linux gehört) auf Servern vorne – weil die Sicherheit und Robustheit der Systeme Vorrang zur Benutzer*innenfreundlichkeit hat.

Anders sieht es bei den Arbeitsstationen, also jenen PCs, auf denen die meisten Staatsbeamt*innen arbeiten, aus: Hier läuft zu 99 Prozent Windows. Allerdings wird die „Enterprise“-Version eingesetzt, die es ermöglicht, weniger Nutzungsdaten an Microsoft zu senden. Eine sogenannte Rechteverwaltung soll außerdem dafür sorgen, dass Dokumente nicht auf fremde Server kopiert werden können.

Bei den Gemeinden sieht es ähnlich aus: Auch hier kommt hauptsächlich Windows zum Einsatz. Der Microsoft-Cloud-Dienst „OneDrive“ kommt nicht zum Einsatz, das Syndicat Intercommunal de Gestion Informatique (Sigi) stellt 101 der 102 luxemburgischen Gemeinden eine eigene Datencloud namens „SigiDrive“ zur Verfügung. Das Projekt wurde 2016 vorgestellt. Darüber können Dokumente in Gemeinden ausgetauscht werden, ohne von US-Firmen abhängig zu sein. Die 102. Gemeinde ist übrigens Luxemburg-Stadt – sie ist nicht Mitglied des Sigi. Die Hauptstadt verwendet jedoch ebenfalls eine eigene Cloud, die auf der quelloffenen NextCloud basiert.

Insgesamt würden die luxemburgischen Gemeinden seit 2016 verstärkt auf Open-Source-Lösungen setzen und versuchen, kommerzielle Produkte zu vermeiden. Ob ein Umstieg auf Linux geplant ist, ließen die Minister*innen offen. Sowohl in München als auch in Wien hatte es derartige Experimente gegeben. Mittlerweile haben sich beide Städte jedoch dazu entschlossen, wieder zu Windows zurückzukehren.


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