Zeig mir, was du zwischen den Beinen hast und ich sage dir, wie man eine Pandemie managed

Deutlich mehr Männer als Frauen sind bisher an Covid-19 gestorben. In einer parlamentarischen Anfrage hakte Sven Clement nach, wie es sich mit anderen Geschlechtsgruppen verhält.

Foto: stocksnap.io

Wie in vielen anderen Ländern, ist auch in Luxemburg die Statistik der mit Covid-19 Infizierten nach Geschlecht aufgeschlüsselt. Dass darin einzig von Männern und Frauen die Rede ist, veranlasste Sven Clement (Piratepartei) vor kurzem zu einer parlamentarischen Anfrage.

Einleitend ging der Abgeordnete auf die statistischen Unterschiede ein, die bezüglich Corona festgestellt wurden: Obwohl sich bisher in etwa genauso viele Männer wie Frauen mit dem Virus infiziert haben, durchleben erstere häufiger einen schweren Krankheitsverlauf und sterben infolgedessen häufiger als letztere. Daten bezüglich weiterer Geschlechter, so Clement, würden laut International Research Center on Women einzig in Teilen Indiens erhoben. Clement wollte wissen, wie es sich diesbezüglich hierzulande verhalte. Dabei nannte er die Kategorien trans, intersex und nicht-binär.

Ob oder wieso er das Einbeziehen weiterer Kategorien als relevant erachtet, erläuterte Clement nicht. Falls es ihm um Sichtbarkeit ging, hätte er trans und intersex weglassen können, immerhin identifizieren sich die meisten Menschen als Mann und/oder Frau, oder nichts von beiden. Andere Optionen sind zurzeit auch nicht im luxemburgischen Personenregister vorgesehen.

Falls es ihm aber um körperliche Merkmale ging, wäre eine andere Aufschlüsselung als die nach Geschlecht möglicherweise aufschlussreicher. Etwa nach Östrogen- und Testosteronwerten. Da ersteres das Immunsystem anregt, senkt es das Risiko einer schweren Covid-19 Infektion.

Die Antwort des Gesundheitsministeriums gibt trotz – vielleicht aber auch gerade wegen – ihrer Knappheit, viel Grund zur Verwirrung. „D’Direktioun vun der Santé erfaasst net d’Unzuel vu net-binaire Persounen am Kader vun der Covid-19 lnfektioun. D’Prioritéit fir d’Santé ass aktuell déi méiglechst efficace Gestioun vun der Covid-19 Pandemie an dobai spillt dat biologescht Geschlecht eng Roll (Manner hu statistesch e gréisseren Risk wéi d’Fraen) mee d’sexuell Orientatioun an ldentitéit vun der Persoun déi infizéiert ass, ass net relevant.“

Inwiefern das „biologische Geschlecht“ eine Rolle beim Krisenmanagement spielt, wird nicht weiter ausgeführt. Offiziellen Informationen zufolge wird weder bei der medizinischen Behandlung, noch bei Test- und Impfstrategie nach Geschlecht unterschieden. Auf Nachfrage der woxx wird uns dies von einer Sprecherin des Gesundheitsministeriums bestätigt.

Fragen wirft auch die Unterscheidung des Ministeriums zwischen biologischem Geschlecht und Geschlechtsidentität auf. Im Personenregister ist idealerweise letztere eingetragen. Will das Ministerium mit seiner Antwort sagen, dass es bei der statistischen Erhebung nicht das eingetragene Geschlecht, sondern einzig die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale der Betroffenen berücksichtigt? Wohl kaum. Wahrscheinlicher ist es, dass einzig die Geschlechtsidentität statistisch verwertet wird. Falls bei der Pandemiebewältigung allerdings nur die Biologie eine Rolle spielt, fragt sich: wieso dieses Interesse an der Identität?

Was die sexuelle Orientierung mit all dem zu tun hat bleibt ebenfalls ein Rätsel – nach der hatte Clement auch gar nicht gefragt.


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