Auf Arte.tv: Petite Fille

Noch bis zum 10. Januar kann in der Arte-Mediathek „Petite Fille“ gestreamt werden, eine preisgekrönte Doku über ein achtjähriges trans Mädchen und ihre Familie. Trotz kleiner Schwächen lohnt es sich hineinzuschauen.

Foto: Agat Film et Cie

Ein kleines Mädchen steht vor dem Spiegel, es probiert Kleider an, bindet sich Haarschleifen um. Sasha ist die Protagonistin der 82-minütigen Doku „Petite Fille“, das Besondere an ihr: Bei der Geburt wurde ihr das männliche Geschlecht zugewiesen, sie selbst empfindet sich aber als Mädchen. In einer der ersten Szenen spricht ihre Mutter erstmals mit einer spezialisierten Psychologin darüber. Sie macht sich Vorwürfe, ist unsicher, ob es richtig war, Sasha ihre Geschlechtsidentität so ausleben zu lassen wie sie will. Die Psychologin kann sie beruhigen und versichert ihr, dass viele Eltern von trans Kindern von den gleichen Fragen geplagt seien.

Völlig sie selbst kann Sasha nur bei ihr zuhause sein, denn weder in der Schule, noch im Tanzunterricht wird ihre weibliche Geschlechtsidentität akzeptiert. Ebenso sehr wie um Sasha, geht es im Film auch um ihre Mutter, die alles in ihrer Macht stehende tut, um ihrem Kind zu helfen.

Wie sehr die Situation allen Familienmitgliedern – das sind neben der Mutter auch Sashas Vater sowie drei weitere Kinder – zusetzt, wird immer wieder deutlich. An manchen Stellen trägt Regisseur Sébastien Lifshitz vielleicht ein wenig zu dick auf: Die unbeschreibliche Ungerechtigkeit, die Sasha erfährt, wäre auch ohne die unzähligen Close-ups auf tränenüberströmte Gesichter oder bebende Kinne rübergekommen.

Ein wenig vermisst man eine größere Kontextualisierung, etwa durch Psycholog*innen oder Soziolog*innen. Der Fokus des Films birgt die Gefahr, Zuschauer*innen, die sich mit der Thematik wenig auskennen, den Eindruck zu geben, dass die Transfeindlichkeit, die Sasha erfährt, auf Einzelpersonen zurückgeht. Die strukturelle Komponente rückt damit in den Hintergrund.

Trotz dieser kleiner Schwächen, ist „Petite Fille“ ein äußerst gelungene Doku, die dem Team, wenig verwunderlich, bisher vier Preise einbrachte. Sie kann noch bis zum 10. Januar auf Arte.tv gestreamt werden.


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