Covid-19-Impfung: Weiter Weg bis zur Herdenimmunität

Während die Lage in den Krankenhäusern stabil ist, schafft das Gesundheitsministerium neue Impfanreize. Ob dies ausreicht, um die Ausbreitung der Delta-Variante einzudämmen, bleibt ungewiss.

In der EU macht die Delta-Variante mittlerweile fast 90 Prozent aller Corona-Neuinfektionen aus. Um angesichts dieser hochansteckenden Mutante Herdenimmunität zu erreichen, schätzen Forscher*innen der Infectious Diseases Society America, müssten 80 bis 90 Prozent der Bevölkerung geimpft sein.

In Luxemburg ist man davon noch weit entfernt: 67,5 Prozent der über 12-jährigen Einwohner*innen sind aktuell vollständig geimpft. Das teilte Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) am Mittwoch anlässlich einer gemeinsam mit Gesundheitsdirektor Jean-Claude Schmit abgehaltenen Pressekonferenz mit. Nach wie vor sei die hiesige Situation stabil: 16 Menschen sind wegen einer Covid-19-Erkrankung auf der Normal-, sechs weitere auf der Intensivstation. „Die Impfungen zeigen eine deutliche Wirkung. Das zeigt uns: Sie sind der Weg raus aus der Krise“, so Lenerts Einschätzung. Die überragende Mehrheit der mit Covid-19 Diagnostizierten sei ungeimpft. Vergangene Woche waren es deren 76,6 Prozent. Zurzeit, so Lenert, sei vorgesehen das Large Scale Testing ab dem 15. September einzustellen und auch die landesweiten Impfzentren nach und nach zu schließen.

Anreiz statt Pflicht

Künftig wird man sich also ausschließlich in Arztpraxen oder in punktuell eingesetzten Impfbussen impfen lassen können. Von einem solchen konnte letzte Woche erstmals die breite Bevölkerung profitieren – mit Erfolg, wie Lenert befand: 110 Personen ließen sich bei diesem Anlass impfen.

Schon in den vergangenen Wochen waren Impfbusse zum Einsatz gekommen, die Aktion hatte sich jedoch ausschließlich an Gesundheits- und Pflegepersonal gerichtet. Insgesamt ließen sich bei dieser Gelegenheit 253 Personen in den Krankenhäusern sowie 364 in den Pflege- und Altersheimen impfen. „Das waren Menschen, die Fragen und Sorgen hatten, und wir sehen es als unsere Aufgabe, die Menschen dort abzuholen, wo sie stehen“, so Lenert. Dieser Aufklärungsarbeit werde man über den Sommer weiterhin nachkommen.

Anders als in Ländern wie Frankreich gilt in Luxemburg keine Impfpflicht für medizinisches Personal. Das verhindert jedoch nicht, dass einzelne Krankenhäuser entsprechende Maßnahmen beschließen. So hatte etwa das CHL Ende Juli in einem internen Schreiben mitgeteilt, ungeimpfte Personen künftig weder einzustellen noch diesen eine Vertragsverlängerung zu gewähren. Der Presse gegenüber beschrieb Lenert am Mittwoch diese Maßnahme als „möglich und nachvollziehbar“, eine offizielle Position dazu habe das Gesundheitsministerium jedoch noch nicht ausgearbeitet. Prinzipiell erachte man die Herangehensweise des CHL jedoch als den richtigen Weg.

Während die Impfbusse oder etwa auch die „Impfparty“, die am Mittwochabend im hauptstädtischen Atelier stattfand, eine jüngere Zielgruppe anvisieren, wird mit dem Angebot in den Arztpraxen eine leicht andere Strategie verfolgt: „Wir stellen fest, dass immer noch viele Menschen verunsichert sind, in den sozialen Medien zirkulieren Falschinformationen. Wir hoffen, dass bei manchen dieser Menschen die Hemmschwelle sinkt, wenn sie sich von einem Arzt ihres Vertrauens impfen lassen können.“ Bisher, so Lenert, hätten 189 Allgemeinmediziner*innen eine Konvention unterschrieben, um Covid-19-Impfungen durchzuführen. Davon seien 13 bereits mit Impfstoff beliefert worden. Insgesamt 177 Menschen hätten sich bisher über diesen Weg impfen lassen. „Wir erwarten uns einen Anstieg in den nächsten Wochen. Die Nachfrage ist groß.“ Ein weiterer Teil des zunehmend flexiblen Impfangebots: In der Victor-Hugo-Halle auf dem Limpertsberg kann man sich ab dem heutigen Freitag ohne Termin impfen lassen. Jean-Claude Schmit präzisierte im Rahmen der Pressekonferenz, dass großflächige „Boostershots“ zurzeit nicht vorgesehen seien: Einzig Hochrisikopatient*innen können im Herbst eine dritte Impfdosis erhalten.

Auch wenn die Zahl der vollständig Geimpften in den kommenden Wochen noch ansteige, gehe man davon aus, dass auch im Herbst keine Herdenimmunität erreicht sei, meinte die Ministerin noch. Das Testen, vor allem in den Schulen und Pflegeheimen, behalte deshalb seine Wichtigkeit bei.


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