Gleichstellungspolitik: Dort ansetzen, wo es weh tut

Mit der „25 Joer Mega“-Kampagne tut sich das Ministerium für Gleichstellung von Frauen und Männern keinen Gefallen. Sie illustriert, dass zunehmend auf leicht verdauliche, medienwirksame Themen gesetzt wird und sich wenig zum Besseren verändert hat.

Screenshot 25joermega.lu

Das Mega ist nostalgisch. Es wünscht sich die guten alten Zeiten zurück, als es für Kampagnen noch wochenlang unter Beschuss stand. Diesen Eindruck erhält zumindest, wer in den letzten Monaten die Social-Media-Präsenz des Ministeriums für Gleichstellung von Frauen und Männern verfolgt hat. In regelmäßigen Abständen wird im Rahmen von „Throwback Thursdays“ an vergangene Aktionen erinnert: etwa an die „Ech si mega“-Kampagne von 2010 oder an einen Spot aus dem Jahr 1997 über die Mehrfachbelastung arbeitstätiger Frauen.

Während letzterer bis heute nichts an seiner Aktualität verloren hat, sind andere Initiativen deutlich weniger gut gealtert. So etwa das Video zur „Votez égalité“-Kampagne aus dem Jahr 2017, das das Mega vor einigen Wochen postete. In Reaktion auf die heftige Kritik, die der sexistische Spot damals geerntet hatte, war das Video sang- und klanglos von votezegalite.lu entfernt worden. Umso skurriler, dass es nun, dreieinhalb Jahre später, nonchalant wieder ausgegraben wurde.

Insgesamt hat die Initiative, auf die vergangenen 25 Jahre des Mega zurückzublicken, einen faden Beigeschmack: Bei Problematiken, die immer noch bestehen, wird implizit die Inkompetenz des Ministeriums vor Augen geführt. Kampagnen, die schon bei ihrem Erscheinen als kontraproduktiv eingeordnet wurden, haben immer noch den gleichen Effekt. Letztere ohne auch nur einen Hauch von Selbstkritik zu bewerben, zeigt zusätzlich, dass das Mega scheinbar nichts aus vergangenen Fehlern gelernt hat.

In gewisser Weise illustriert die „25 Joer Mega“-Kampagne, wie treu sich das Ministerium geblieben ist. Bezeichnenderweise werden auf Social Media nämlich keine Gesetze oder andere Initiativen mit nachhaltiger Wirkung hervorgehoben, sondern Videokampagnen. Öffentlichkeitswirksame Aktionen also, die das Mega wie kaum ein anderes Ministerium einzusetzen weiß. Auch die Internetsite 25joermega.lu zeigt die untergeordnete Rolle, die Gesetze für das Ministerium spielen: Nach dem „Avant-Projet Quote“ von 2015 wird bis zum heutigen Tag kein weiteres aufgelistet.

Mit dem Rückblick tut sich das Mega aber noch aus anderen Gründen keinen Gefallen: Mithilfe der Timeline verschafft man sich nun im Handumdrehen einen Überblick über die Schwerpunktsetzung des Ministeriums. Preisverleihungen, Plakatkampagnen sowie Studien und Umfragen von zweifelhafter Relevanz stechen besonders hervor. Hatte sich Bofferdings Vorgängerin noch sporadisch mit umstrittenen Themen wie Prostitution befasst, ist mittlerweile eine klare Tendenz hin zu leicht verdaulichen Inhalten festzustellen.

Es muss sich verstärkt jenen Institutionen gewidmet werden, die die Probleme nicht wahrhaben und in Angriff nehmen wollen.

Wäre da nicht die häusliche Gewalt. In wenigen Bereichen ist das Mega so aktiv wie hier. So wichtig dies auch ist: Ein solches Ausmaß an finanziellen Mitteln und Sichtbarkeit könnten noch ganz viele andere Akteure gebrauchen. Alles, was sich nicht derart medienwirksam verkaufen lässt, zieht jedoch den Kürzeren.

Gendergerechtigkeit ist eine äußerst komplexe Angelegenheit: Obwohl sie mehrheitlich befürwortet wird, scheitert es in vielen gesellschaftlichen Bereichen an ihrer Umsetzung. Die Konsequenz davon darf jedoch nicht sein, sich auf die Problematiken zu fokussieren, in denen ein eindeutiger „Schuldiger“ ausgemacht werden kann – wie etwa bei häuslicher Gewalt. Ebenso unzureichend sind Preisverleihungen an Akteure, die sich freiwillig gegen Genderdiskriminierung einsetzen. Stattdessen muss sich verstärkt jenen Institutionen gewidmet werden, die die Probleme nicht wahrhaben und in Angriff nehmen wollen – und falls nötig gesetzlich nachgeholfen werden.


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