Im Kino: Zero Impunity

Die hybride Doku „Zero Impunity“ verleiht Opfern sexualisierter Kriegsgewalt eine Stimme. Der Film ist Teil einer Kampagne mit dem Ziel, der totalen Straffreiheit dieser Verbrechen ein Ende zu setzen.

„Zero Impunity“ will mehr als ein Film sein: nämlich ein Teil einer Bewegung. (© Zeroimpunity.com)

Welche Länder kommen Ihnen in den Sinn, wenn Sie an Vergewaltigung als Kriegswaffe denken? Weit entfernte Länder wie Ruanda oder Afghanistan? Weit zurückliegende Konflikte wie der Zweite Weltkrieg oder der Koreakrieg? Die Macher*innen von „Zero Impunity“ wollen, dass Sie damit künftig auch das heutige Nordamerika und Europa assoziieren.

„Zero Impunity“ heißt soviel wie „Keine Straffreiheit“. Der Film enthält keine neuen Enthüllungen und ist eher vergleichbar mit einem Intensivkurs für Menschen, die sich dieser globalen Problematik nicht bewusst sind: Sexualisierte Gewalt ist bewaffneten Konflikten inhärent. Vor allem aber führt der Film eindringlich vor Augen, dass solche Verbrechen in den allermeisten Fällen ungestraft bleiben.

In fünf Kapiteln beleuchtet „Zero Impunity“ sexualisierte Kriegsgewalt unter verschiedenen Gesichtspunkten. Im Film kommen unter anderem Opfer, investigative Journalistinnen, Whistleblower, Politiker*innen, hohe Beamt*innen, Psycholog*innen und Soziolog*innen zu Wort. Jede*r von ihnen bringt eine spezifische Perspektive ein: Auf der einen Seite Erfahrungsberichte, Kommentare und Analysen, auf der anderen aber auch etwa Auszüge aus Reden, in denen leere Versprechungen gemacht wurden. „This government doesn’t torture people“ wird beispielsweise George W. Bush zitiert.

„Zero Impunity“ besteht zum größten Teil aus Animationen. Damit war es möglich, die Erzählungen der Opfer, die im Off zu hören sind, zu visualisieren. Explizite Gewaltszenen werden zwar nicht gezeigt, dafür aber etwa blutüberströmte Beine oder in den Jahren 2004 und 2006 veröffentlichte Fotos nackter Abu Ghraib-Häftlinge. Der Film will zwar nicht verstören, dem Grauen und Leiden aber dennoch eine gewisse Sichtbarkeit verleihen.

Ein anderes charakteristisches Element des Films sind Projektionen von Gesichtern auf Wänden öffentlicher Gebäuden. Sie sind Teil eines weiteren Elements der #ZeroImpunity-Kampagne: Einer Kunstinstallation, die in vielen Teilen der Welt gezeigt wird. Neben Aufnahmen von Journalist*innen, wird das Brechen der Schweigekultur eindringlich mit Bildern von Menschen visualisiert, die die Hände vor ihren Augen oder ihrem Mund wegnehmen.

Dass sexualisierte Kriegsgewalt im Film als radioaktive Waffe bezeichnet wird, ist auf die Konsequenzen zurückzuführen, die sich für die Betroffenen daraus ergeben. In Syrien werde eine vergewaltigte Frau von ihrem Mann verstoßen und sowohl sie als auch ihre Verwandtschaft vom Dorf stigmatisiert, gibt ein Psychologe zu bedenken. Um sich diese Konsequenzen zu ersparen, werden die Vorfälle meist totgeschwiegen.

Im Kapitel „An Invisible Crime“ geht es um die wenig thematisierten psychologischen Auswirkungen sexualisierter Gewalt und den Umstand, dass Opfern oft nicht geglaubt wird. Teilweise wird ihnen sogar die Schuld gegeben an dem, was ihnen angetan wurde. In diesem Teil des Films wird der Blick auch nach Abu Ghraib gerichtet. Wurde im Kapitel davor der Effekt des sozialen Ausschlusses vordergründig beleuchtet, so stehen hier sexuelle Beschämung und Einschüchterung als Foltermittel im Fokus.

Durch solche Beispiele vermittelt der Film, dass sexualisierte Kriegsgewalt aus vielfältigen Gründen angewendet wird. In diesem Zusammenhang werden auch die UN-Blauhelmsoldaten genannt, die in der Demokratischen Republik Kongo Minderjährige missbrauchten und sexuell ausbeuteten, indem sie ihnen Essen und Trinken im Gegenzug für sexuelle Dienstleistungen gaben.

Das Kapitel „Blind to Reality“ befasst sich mit der Frage, wie die Uno auf diese Verbrechen reagiert hat. UN-Whistleblower Peter Gallo wirft seinem früheren Arbeitgeber vor, Vergewaltigungen wie professionelles Fehlverhalten behandelt zu haben. Der Institution sei es wichtiger gewesen, ihren Ruf zu schützen, als sich dafür einzusetzen, dass die Täter verfolgt werden.

Am Ende des Films wurde ein komplexer Blick auf die Problematik vermittelt, der dafür sensibilisiert, dass es nicht immer die „bösen anderen“ sind, die solche Verbrechen begehen und sich weigern, notwendige Schritte zu ihrer Bestrafung und Bekämpfung vorzunehmen.

Im Cine Utopia.

 Die Uhrzeiten finden Sie hier.
Weitere Informationen zur Kampagne unter 
www.zeroimpunity.com

Bewertung der woxx: XXX


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