Ist die Tram geschrumpft?

Neue Angaben zur Kapazität der hauptstädtischen Tram zeigen widersprüchliche Zahlen und werfen Fragen auf.

Jeden Tag fahren durchschnittlich 20.000 Passagier*innen mit der Tram, die im Moment lediglich zwischen Luxexpo und Stäreplaz verkehrt. Sobald die Straßenbahn Ende 2020 das Bahnhofsviertel an das Stadtzentrum anschließt, wird diese Zahl vermutlich rasant steigen. Doch wie viel Kapazität hat die Tram denn genau? Das wollte der grüne Abgeordnete François Benoy vom Mobilitätsminister Bausch (ebenfalls Déi Gréng) in einer parlamentarischen Anfrage wissen. Die Antwort wirft allerdings noch mehr Fragen auf.

Der Minister beruft sich in seiner Antwort auf europäische Normen und beschreibt, dass es zwei Modi gibt: normale Auslastung (vier Personen pro m²) und maximale Auslastung (sechs Personen pro m²). Bei den aktuell eingesetzten Trams von 45 Meter Länge ergibt das eine Kapazität von 304 bzw. 422 Passagier*innen. Seit Beginn der Planungen hat Luxtram aber auch die Möglichkeit, die Straßenbahnzüge auf 56 Meter zu verlängern – das ergäbe eine Kapazität von 386 bis 538 Passagier*innen.

In seiner Antwort rechnet Bausch seinem Parteikollegen weiter vor, wie mit 24 Tramzügen – doppelt so viele wie aktuell im Einsatz sind – und einem drei-Minuten-Takt in den Spitzenstunden bis zu 20.000 Passagier*innen in der Stunde transportiert werden können. Kauft Luxtram die längeren Züge, kann diese Zahl laut dem Minister sogar auf 26.000 erhöht werden. Allerdings schreibt Bausch ebenfalls, dass die Zahl der Tramzüge 27 ansteigen soll, wenn das Netz bis zum Hauptbahnhof ausgebaut ist. Wenn die gesamte Strecke zwischen Flughafen Findel und Cloche d‘Or fertiggestellt ist, sollen 33 Trams verkehren. Wie hoch die Kapazität dann ist, wird in der Antwort auf die parlamentarische Anfrage nicht ausgerechnet.

(Foto: Luxtram)

Wenn 24 Trams 20.000 Passagier*innnen in den Spitzenzeiten in der Stunde transportieren können, sollten es bei 27 Zügen ungefähr 22.500 sein, 33 Züge könnten demnach 27.500 Passagier*innen in der Stunde transportieren – wenn die Zahlen des Ministers stimmen und sich so einfach hochrechnen lassen können.

Was allerdings für Stirnrunzeln sorgt, ist ein Blick in die Vergangenheit: Als 2015 enthüllt wurde, dass CAF den Zuschlag für die Luxtram-Ausschreibung erhalten würde, war von einer Kapazität von 450 bzw. 550 Fahrgästen die Rede. Auf der offiziellen Website von Luxtram ist die Kapazität der aktuellen Tramzügen mit 420 Passagier*innen angegeben. Diese Angaben unterscheiden sich also beide von dem, was Minister Bausch in seiner Antwort angab. Wie viele Menschen tatsächlich in eine Tram passen, hängt in der Realität vermutlich vor allem davon ab, wie sehr die Insassen gewillt sich, sich quetschen zu lassen.


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