Kein Tram in der Nordstad

In der Antwort auf eine parlamentarische Frage lehnt Transportminister François Bausch erneut die Idee einer Straßenbahn für die Nordstad ab. Das Transportmittel sei für die Agglomeration überdimensioniert.

In der Hauptstadt fährt sie, nach Esch soll sie verlängert werden, die Nordstad soll sie nicht brauchen: Die Tram.(Foto: Luxtram)

André Bauler (DP) wollte vom Transportminister Bausch (Déi Gréng) in einer parlamentarischen Anfrage wissen, wie dieser die Möglichkeit einer Tram in der Nordstad sieht. Die Nordstad besteht aus den Gemeinden Bettendorf, Colmar-Berg, Diekirch, Erpeldingen/Sauer, Ettelbrück und Schieren, die in einem interkommunalen Syndikat zusammenarbeiten. Mit der Ausnahme von Colmar-Berg streben diese Gemeinden eine Fusion an. Damit würde die viertgrößte Gemeinde des Landes entstehen, in der ungefähr 23.600 Einwohner*innen leben würden.

Laut dem Transportminister spricht die diffuse Urbanisation und der teilweise rurale Charakter der Nordstadtgemeinden jedoch dagegen, hier eine Trambahn einzuführen. Die größten Knotenpunkte seien außerdem schon per Bahn verbunden und damit auch an die beiden anderen großen Entwicklungspole des Landes – Luxemburg-Stadt und Esch – angebunden. Eine Straßenbahn sei für die knapp 24.000 Einwohner*innen überdimensioniert, so der Minister weiter.

Er verspricht aber, dass die Nordstad „natürlich“ auch im „Plan National de Mobilité 2035“ berücksichtigt werden soll. Dieser Plan, in dem ein multimodales Transportsystem für das Jahr 2035 beschrieben wird, soll Ende 2021 vorgestellt werden. Für jede Region soll ein an die spezifische Situation adaptiertes Transportsystem ausgearbeitet werden.

Um die von Minister Bausch erwähnte Zuglinie zwischen Ettelbrück und Diekirch wird seit Jahren gestritten, mehrere Mobilitätskonzepte – darunter auch die Möglichkeit einer Tram – wurden bereits erstellt, wie auf dem Blog Mobilitätskonzept Nordstad nachgelesen werden kann. Über die dort präsentierte Idee, die Bahngleise zwischen Colmar-Berg und Bissen zu benutzen, hatte der Minister sich bei der Vorstellung des Mobilitätskonzeptes Modu 2.0 (siehe woxx 1478 Neue Mobilitätsstrategie: Unambitionierte Herkulesaufgabe) amüsiert gezeigt.

Grundsätzlich geht die Verkehrsplanung davon aus, dass ab etwa 4.000 Fahrgäst*innen am Tag eine Straßenbahn wirtschaftlicher sei als eine Buslinie. Weltweit gibt es einige Beispiele für Städte mit weniger als 24.000 Einwohner*innen, die dennoch über eine Straßenbahn verfügen, so etwa die österreichische Stadt Gmunden mit rund 13.000 Einwohner*innen. Daraus lässt sich sicherlich keine allgemeine Regel ableiten, es zeigt jedoch, dass es bei einer Tram nicht nur auf die Einwohner*innenzahl ankommt.


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